Honda Civic Exterieur Dynamisch Front
Im April kommt der Civic nach Österreich.
 

Völlig unterschätzt

Honda zeigt den neuen Civic. Ein (zweiter) Fahrbericht.

27.11.2011 radical mag

Es gibt doch in manchen Magazinen die Rubrik: „Was macht eigentlich…?“. Ganz so weit ist es mit Honda noch nicht, aber viel fehlt nicht mehr: die Ruhe um die japanische Marke wirkt fast ein bisschen gespenstisch. Das hat mit der dortigen Katastrophe zu tun. Lieferschwierigkeiten waren die Folge und parallel fuhr Honda die Konkurrenz aus Korea kräftig über die Absatzzahlen.

Aber jetzt kommt der neue Civic und soll – zumindest hierzulande – die Marke retten. Der tritt im C-Segment an, also in der Golf-Klasse. Gegen den Golf hat der Japaner aber noch nie einen Stich getan, obwohl er schon länger als der VW auf dem Markt ist, seit 1973, um genau zu sein. In Österreich seit 1980. Mittlerweile sind wir also bei der neunten Generation angelangt – die achte wird also schon nach etwas mehr als fünf Jahren wieder abgelöst.

Honda Civic Exterieur Statisch Front

Vor allem das Innenleben des Civic ist hochwertiger geworden, die Gestaltung des Armaturenbretts entspricht viel mehr europäischen Ansprüchen, Ergonomie und Haptik sind auf gutem Niveau.

Wenn ein Segment schon nach einem einzigen Auto benannt ist, ist es klar, dass sich kommende Konkurrenten an diesem Wagen messen lassen müssen. An die durchaus angenehme Schlichtheit eines Golfs hat man sich schließlich gewöhnt. Und Honda? Der weite Bogen, der sich von den Türverkleidungen bis in die Mittelkonsole zieht, der ist halt mehr großes Theater. Kann man mögen, muss man nicht.

Hingegen sind die Platzverhältnisse, vor allem hinten, weiterhin nicht überragend. Die noch verstärkte Coupé-Form des neuen Civic schränkt die Kopffreiheit in der zweiten Reihe deutlich ein. Immerhin wurde der Kofferraum leicht größer. 21 Liter mehr gibt es, also insgesamt 477 Liter, und man sieht jetzt etwas, wenn man aus dem zweigeteilten Heckfenster schaut – einer der meist genannten Kritikpunkte am Vorgänger-Civic. Wobei: So wirklich toll ist das noch immer nicht.

Bisher war der Civic in Sachen Design sehr extravagant. Man mochte ihn, oder eben nicht. Weil ihn anscheinend nicht alle mochten, waren auch die Verkaufszahlen nicht gerade begeisternd. Ob das neue Styling jetzt den Publikumsgeschmack besser trifft, das wird sich weisen müssen. Sicher ist: er ist konservativer geworden.

Honda Civic Exterieur Statisch HEck

Vorne ist der Japaner deutlich braver geworden, fast ein wenig langweilig. Hinten bleibt das Design mit den als Spoiler ausgebildeten Heckleuchten gewöhnungsbedürftig. Immerhin bleibt der Civic mit seiner speziellen Optik auf jeden Fall eine echte Alternative im sonst eher biederen Golf-Segment, wobei wir bereits jetzt den Vorgänger vermissen, der auf erfreulichere Art schräg war; manchmal merkt man erst zu spät, was man an gewissen Automodellen eigentlich hat.

Das Fahrwerk wurde durch hydraulische Lager und stabilere Achslenker an der Hinterachse weiter verbessert, und der Civic gefällt mit einer Mischung aus Sportlichkeit und Komfort.

Unter der Haube arbeiten die bekannten Maschinen, die aber teilweise heftig überarbeitet wurden. Richtig gefallen hat der 2,2-Liter-Diesel, der 150 PS leistet und für sehr ansprechende Fahrleistungen sorgt. Auf dem Papier werden dafür übrigens nur 3,7 Liter auf 100 Kilometer benötigt. Sehr gefällig ist die Durchzugskraft, dank großem Hubraum.

Bei den Benzinern wird es wieder den 1,4-Liter (100 PS) sowie den 1,8-Liter (142 PS) geben; den 1,8-Liter gibt es auch mit einem automatischen 5-Gang-Getriebe, ansonsten sind manuelle 6-Gang-Getriebe sowie das Stopp-Start-System serienmäßig. Man darf aber davon ausgehen, dass Honda die schärferen Benziner-Varianten noch nachreichen wird, obwohl es derzeit von offizieller Seite heißt, man habe keine derartigen Pläne.

Honda Civic Exterieur Statisch HEck

Ganz interessante Sachen haben sich bei der Preisgestaltung getan. Weil Honda den Civic im Werk in Swindon nun offenbar günstiger produzieren kann, sind die Verkaufspreise gesunken. Der 1,4 i-VTEC startet bei 17.990 Euro, den 1,8 i-VTEC gibt es ab 19.990 Euro und der 2,2-Liter-Diesel kommt ab 21.990 Euro ins Haus.

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