Martin Winterkorn bei einer Pressekonferenz
Der Fahrplan 2018 von Volkswagen wackelt
 

VW Ziele wackeln

Der Volkswagen-Konzern will bis 2018 zur Nummer 1 der Autobranche aufsteigen, doch die Konkurrenten von Toyota und General Motors sind wieder erstarkt und VW leidet unter Absatzproblemen und einem großen Rückruf.

15.11.2013 APA

Der Deutsche Autokonzern Volkswagen hat sich zum Ziel gesetzt bis 2018 die Nummer 1 der Branche zu sein – und bisher konnte man bei Volkswagen von einer grünen Welle sprechen. Der Konkurrent Toyota musste mit Rückrufaktionen und Erdbeben fertig werden und General Motors litt unter der Insolvenz und Opel. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und die Rivalen haben zur alten Stärke gefunden. VW hingegen ist von einem enormen Rückruf und mit Absatzproblemen konfrontiert.

Volkswagen Ziele 2018

„Größenwahnsinnig“, „unrealistisch“, „anmaßend“. Nicht wenige in der Autobranche rollten mit den Augen, als Martin Winterkorn kurz nach seinem Amtsantritt als VW-Chef im Jahr 2007 ankündigte, den Wolfsburger Konzern in eine „neue, höhere Umlaufbahn“ bringen zu wollen. Das klare Ziel lautete: Wir wollen bis spätestens 2018 die Nummer eins der Branche werden.

Probleme bei Toyota und General Motors

Winterkorn brachte die Zweifler rasch zum Schweigen. Die Verkäufe stiegen rasant dank der starken Stellung in Schwellenländern wie China und Brasilien. Dagegen schlitterten die Marktführer von einem Problem ins nächste: Opel-Mutter General Motors musste in der Wirtschaftskrise vom Staat vor der Pleite gerettet werden. Toyota ramponierte sich den Ruf durch klemmende Gaspedale und wurde später von der Erdbebenkatastrophe in Japan getroffen.

VW nur Rang 3

Doch die Aufholjagd von VW stockt. Die Marktschwäche in Europa und die Absatzprobleme in den USA bremsen den VW-Konzern. Jetzt kratzt auch noch ein millionenfacher Rückruf am Image. Nach jüngsten Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach dürfte Toyota das Kopf-an-Kopf-Rennen dieses Jahr mit 9,75 Millionen Autos ganz knapp vor GM mit 9,70 Millionen Wagen für sich entscheiden. VW bliebe mit rund 9,6 Millionen erneut nur Rang drei.

Europas Schwäche trifft VW

Stückzahlen sind dabei nur die eine Seite der Medaille. CAM-Chef Stefan Bratzel prophezeit für die „ansonsten gut aufgestellten deutschen Hersteller sinkende Gewinne und Renditen“. So schlägt das Problem des siechenden Heimatkontinents bei Volkswagen erheblich ins Kontor. Während Toyota über die ersten drei Quartale des Jahres mit 9,6 Prozent fast eine zweistellige Umsatzrendite schaffte, liegen die Wolfsburger mit 5,9 Prozent weit dahinter.

Massenmarke VW

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sieht das Problem vor allem bei der Massenmarke VW, wohingegen die Premiumschwestern Porsche und Audi „erheblich zum VW-Konzerngewinn beitragen“. Toyota spiele bei der Ertragskraft schlicht in einer eigenen Liga, resümiert Dudenhöffer. Das habe zwei Gründe:

  • Zum einen sei Autobauen bei VW einfach teurer als beim Wettbewerb – und das trotz der viel beschworenen VW-Baukastenstrategie, die immer mehr identische Teile in verschiedene Modelle bringt.
  • Zum zweiten habe der VW-Konzern deutlich höhere Vertriebs- und Verwaltungskosten als Toyota. „Bei Toyota liegt der Anteil dieser Kosten am Umsatz bei 9,2 Prozent, im VW-Konzern bei 13,1 Prozent. Das sind Welten“, sagt Dudenhöffer. Die hohen Vertriebskosten seien dabei auch Ausdruck hoher Rabatte, die VW einräumen müsse, um sich im Markt zu behaupten.

 

VW gewinnt nur durch China

„VW gewinnt derzeit eigentlich nur durch China“, gibt Dudenhöffer zu bedenken. „In China werden aber die Wettbewerber stärker.“ So sei der Ford Focus im Oktober meistverkauftes Auto in dem Land gewesen. Ziehe man die guten Nachrichten aus China einmal ab, bleibe wenig. „Das Ziel von VW, bis 2018 Weltmarktführer zu werden, steht aus wackeligen Füßen“, sagt Dudenhöffer und verweist auf die Margen.

Sparkurs

Das Margen-Problem haben auch die VW-Oberen erkannt. Der Vorstand schwenkt auf einen Sparkurs, will mehr denn je alles überprüfen. „Unser Fokus liegt auf einer konsequenten Kosten- und Investitionsdisziplin“, gab Finanzchef Hans Dieter Pötsch jüngst die Losung aus. Kein Wunder, denn der Dax-Riese will spätestens 2018 nicht nur weltweit am meisten Autos verkaufen, sondern auch nachhaltig eine grundsolide Rendite von 8 Prozent schaffen.

Nummer 1 bei Forschung und Entwicklung

Das dürfte nur mit Autos gelingen, die ohne groß mehr zu kosten besser sind als die der Konkurrenz. Bei den Anschubinvestitionen für dieses Ziel macht VW jedoch so schnell keiner etwas vor: Europas Branchenprimus steckt so viel Geld in Forschung und Entwicklung wie kein anderer Börsenkonzern der Welt. Das ergab jüngst eine Analyse der Beratung Booz & Company. Toyota und GM? Auf Rang sechs und elf.

Großes Potential

Schon einmal haben die Wolfsburger bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. So verkaufte der VW-Konzern im ersten Amtsjahr von Winterkorn 2007 gerade einmal 6,2 Millionen Wagen. Das war gute Mittelklasse, aber keineswegs Weltklasse. Toyota und General Motors lagen meilenweit vorne mit jeweils fast 9,4 Millionen abgesetzten Wagen. Heute hängt Volkswagen den Rivalen direkt an der Stoßstange. Ob die Kraft auch zum Überholen reicht, wird sich zeigen.

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