Die Aussicht auf Arbeit im VW-Werk lockte zehntausende Zuwanderer ins heutige Wolfsburg.
Die Aussicht auf Arbeit im VW-Werk lockte zehntausende Zuwanderer ins heutige Wolfsburg.
 

Volkswagen wird 75 – Teil 2

Mit der Gründung des VW-Werkes durch Adolf Hitler entstand auch eine Stadt – das heutige Wolfsburg.

22.06.2013 APA

 

Mit Volkswagen feiert auch Wolfsburg „Geburtstag“- die niedersächsische Stadt wurde Ende der 1930er Jahre um das VW-Werk gegründet. Nach der Grundsteinlegung für das Werk durch Adolf Hitler im Mai 1938 erfolgte die Stadtgründung am 1. Juli 1938:  Bis zum Kriegsende  trug sie den Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“. „KdF-Wagen“ steht für „Kraft durch Freude-Wagen“ und war der damalige Name für den VW Käfer.

Kein Wolfsburg ohne VW

VW war damals der einzige Grund für die Stadtneugründung: Für die Arbeiter der geplanten Autofabrik mussten Wohnungen gebaut werden. Bis heute sind Stadt und VW mehr als Nachbarn, sie sind enge Verwandte. Viel mehr als 2.200 Wohnungen in eher an Kasernen erinnernden Steinhäusern, etliche Baracken und einige kleine Dörfer waren es aber nicht, die dann 1945 den Namen Wolfsburg erhielten – benannt nach dem alten Schloss an der Aller.

„Erst die Entscheidung der britischen Militärregierung, die Käfer-Fertigung im Dezember 1945 anlaufen zu lassen, gab Unternehmen und Stadt neue Perspektiven“, erläutert VW-Unternehmenshistoriker Manfred Grieger. In den 50er Jahren schaffte es der VW-Käfer zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Mit der Fabrik wuchs auch die Stadt. Mitte der 50er Jahre lebten bereits 54.000 Menschen dort.

Noch 1955, als der einmillionste VW vom Band lief, hatte die Stadt weder Rathaus noch Bahnhof. „Arbeit und Einkommen gab die Fabrik nördlich des Mittellandkanals. Die Unterbringung der Belegschaft bildete aber lange Jahre ein zentrales Problem der Stadtentwicklung“, erinnert Grieger. Heute stehen die Mietskasernen der Nazizeit und die typischen Flachdachbauten der Nachkriegszeit neben extravaganten Gebäuden von so berühmten Architekten wie Alvar Aalto oder Zaha Hadid.

Bis heute ist die Stadt für Soziologen, Politologen und Architekten auch Vorbild für deutschlandweite Trends. Ob es um Freizeit, Wohnen, Arbeit oder Stadtentwicklungen geht – Wolfsburg gilt als „Soziallabor“: Die Vier-Tage-Woche in den 90er Jahren, eine in den vergangenen Jahren zurückgebaute Trabantenstadt oder der Strukturwandel von der Industriestadt zum touristischen Ziel sind einige Beispiele.

Von 0 auf 120.000 in 75 Jahren

Derzeit gibt es rund 120.000 Wolfsburger. „Kaum eine Familie stammt tatsächlich von hier“, sagt Michael Strauß vom städtischen Institut für Zeitgeschichte. Zunächst waren es Zwangsarbeiter und Flüchtlinge, die sich niederließen. Weil VW Arbeit und gute Löhne bot, kamen dann aus ganz Deutschland Menschen und ab 1962 Gastarbeiter aus Italien. „Die Stadt hat soviel Arbeitsplätze wie Einwohner“, sagt der Historiker. 74.000 pendeln täglich in die Stadt.

Um Arbeitskräften Wolfsburg schmackhaft zu machen, hatte VW der Stadt schon 1951 das „VW-Bad“ geschenkt, sich am Bau der Stadthalle und des Theaters beteiligt und selbst Kirchenbauten gefördert. Daraus entwickelte sich eine spezifische Stadtkultur: Ohne VW wäre der VfL kaum in der Fußball-Bundesliga. Und die VW-Autostadt holt jährlich internationale Künstler in die Stadt, um einige jüngere Beispiele zu nennen.

„VW war und ist ein Garant dafür, dass es Wolfsburg und der Region gut geht“, sagt Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). Doch auch der Autoriese braucht Wolfsburg: „Beim Kampf um die besten Arbeitskräfte ist VW auf einen attraktiven Wohnort angewiesen“, weiß der Politiker. Mit einem Sprung soll Wolfsburg nun drittgrößte Stadt Niedersachsens werden: Die kreisfreie Stadt möchte mit dem angrenzenden Landkreis Helmstedt fusionieren. VW hätte sicher nichts dagegen – längst ist die Stadt zu klein, viele der 50.000 in Wolfsburg arbeitenden VW-Beschäftigten leben im Kreis Helmstedt.

Mehr zum Thema
pixel