© Bild: Bertil Ericson / EPA / picturedesk.com
Östling werde für "fehlende Visionen" kritisiert - ein VW-Sprecher dementierte
 

Volkswagen-Lkw-Vorstand Leif Östling unter Kritik

Wie Insider berichten, wächst wegen dem Stillstand in der Allianz von MAN und Scania der Unmut über Leif Östling – bis 2015 steht der 68-jährige noch unter Vertrag

29.01.2014 APA

Die Kritik an Leif Östling, Lkw-Vorstand von Volkswagen, wächst. Der Stillstand in der Allianz von MAN und Scania löse einer mit den Vorgängen vertrauten Person zufolge großen Unzufriedenheit aus, ein weiterer Insider sprach von wachsendem Unmut in der Konzernspitze von Europas größtem Autobauer. Östling fehle es an Visionen, um einen schlagkräftigen Verbund aus den beiden selbstbewussten Lkw-Konzernen zu formen. Ein VW-Sprecher dementierte die Meldungen: „Wir dementieren, dass es wachsenden Unmut in der Konzernspitze gibt.“ 

Keine Strategie für 2020 von Östling

Nach mehr als einem Jahr Amtszeit hätte man von Östling eigentlich eine Strategie für das Jahr 2020 erwartet, sagte einer der Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Stattdessen hätten Führungskräfte der beiden Lkw-Bauer bei einer Präsentation vor dem Management in Wolfsburg vor einigen Monaten berichtet, wie sie die Zusammenarbeit vorantreiben wollten. „Warum erzählt uns Östling das nicht selbst?“, fragte der Insider.

Mangelnde Fortschritte bei Vereinheitlichung von MAN und Scania

Beide Lkw-Marken für sich schlügen sich gut. Wie daraus jedoch eine Einheit entstehen solle, bleibe bisher im Dunkeln. Der aus Schweden stammende ehemalige Scania-Chef poche stattdessen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Eigenständigkeit der Marken und betone die Unterschiede zum Pkw-Geschäft. Die Konzernspitze hätte erwartet, dass Östling und sein aus gut einem Dutzend Mitarbeiter bestehendes Team sich Gedanken über die künftige Entwicklung machten: „Brauchen wir etwas in den USA, was machen wir in China?“, seien zentrale Fragen für die Lkw-Allianz.

Kurzfristige Erfolge im Mittelpunkt

Bei VW gebe es auch wachsende Vorbehalte gegen Östling, weil dieser nach Meinung einiger Manager langfristige Synergien in Forschung und Entwicklung nicht wirklich fördere, hieß es von den Insidern weiter. Dadurch konzentriere man sich derzeit auf kurzfristige Erfolge beim gemeinsamen Einkauf von Materialien, wo VW in diesem Jahr mehr als 200 Mio. Euro einsparen will. Dieses zunächst grob gesteckte Ziel hatte der Konzern bereits 2011 für die nächsten drei bis fünf Jahre ausgegeben und es jüngst für 2014 konkretisiert. Von den einst von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech ins Spiel gebrachten Synergieeffekten von einer Milliarde Euro ist längst keine Rede mehr.

Östling noch bis 2015 unter Vertrag

VW hatte Östling im September 2012 in den Konzernvorstand berufen, um die Allianz voranzutreiben. Sein Vertrag läuft noch bis 2015. Ein Jahr vor Ablauf, also im Herbst 2014, könnte sich Volkswagen auf die Suche nach einem Nachfolger für den heute 68-Jährigen machen. Als möglicher Kandidat gilt Andreas Renschler, der gerade als Vorstandsmitglied bei Daimler gekündigt hat. Der frühere Lkw-Vorstand des Stuttgarter Konzerns will sich eine Auszeit nehmen, um über einen möglichen weiteren Karriereschritt nachzudenken, wie er dem „Wall Street Journal“ verriet. Bis 2015 hätte er Zeit dazu, dann würde bei VW eventuell eine Stelle frei.

VW steckte Milliarden in Lkw-Verbund

Die Wolfsburger haben seit fast zwei Jahrzehnten Milliarden in den Aufbau ihrer Beteiligungen an MAN und Scania gesteckt. Sie folgten damit Piechs Idee von einem schlagkräftigen Lkw-Verbund, mit dem Volkswagen in der Konkurrenz mit Daimler und Volvo mithalten will. Der Konzern hält knapp 71 Prozent der Stimmrechte an Scania. Mit den noch bei MAN liegenden gut 17 Prozent kommt Volkswagen sogar auf 88 Prozent, denn an MAN hält Europas größter Autobauer seit dem vergangenen Jahr etwas mehr als 75 Prozent der Anteile und hat den Münchner Traditionskonzern durch einen Beherrschungsvertrag an der kurzen Leine.

Mehr zum Thema
pixel