Mercedes-Benz C 350e
 

Vitamin E: Hybrid-Power für die C-Klasse

Der C 350e Plug-In kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Wird er sich dennoch behaupten können?

21.03.2015 Press Inform

Es hat ausgesehen wie die sprichwörtliche gemähte Wiese: BMW bringt den Plug-In-Hybrid im 3er BMW erst zum Facelift Ende des Jahres und auch Audi wird die Hybrid-Technik erst mit dem Modellwechsel präsentieren. Macht unterm Strich mehr als ein halbes Jahr Vorsprung für den Mercedes C 350e zur direkten Konkurrenz. Selbst der hybride VW Passat GTE stromert erst im Sommer, in den USA wartet zwar bereits eine Plug-In-Version des Honda Accord, aber der startet eine Preisklasse tiefer. Doch dann sind die Benzinpreise ins Bodenlose gefallen, und König Kunde interessiert sich plötzlich nicht mehr für den Kraftstoffverbrauch.

30 Kilometer rein elektrisch

Und in China, wo die C-Klasse als Langversion mit Plug-In-Hybrid ebenfalls die Konkurrenz düpieren sollte, wurden kurzfristig die nationalen Anforderungen erhöht: Um maximale Förderungen zu bekommen, muss eine Hybridversion rein elektrisch mindestens 50 Kilometer zurücklegen können. Der Mercedes C 350e schafft aber nur gut 30 Kilometer. Da ändert sich das Wetter schneller als der Regenschirm aufgespannt ist, ein Reichweiten-Upgrade gibt’s nicht vor der ersten Modellpflege, so C-Klasse-Projektleiter Christian Früh.

Mercedes C 350e: 279 PS Systemleistung

Kein leichter Start also für die hybride C-Klasse, zumal das Auto an sich sehr gelungen ist: Der Mercedes C 350e ist im Fahrbetrieb so unauffällig und souverän, wie er aussieht. Der Zweiliter-Turbobenziner mit seinen 155 kW (211 PS) und 350 Nm arbeitet sehr zurückhaltend mit dem 60-kW-Elektromodul im Getriebetunnel zusammen – Gott sei Dank, denn der Klang des Vierzylinders macht weniger auf Symphoniker, denn auf Blechtrommel. In Summe ergeben sich 205 kW (279 PS) Systemleistung, das maximale Drehmoment liegt bei mächtigen 600 Nm. Das Spektrum zwischen betont kraftvoll und maximal effizient ist groß, entsprechend gibt es vier Betriebsmodi und fünf Fahrprogramme. Wer rein elektrisch unterwegs sein will, muss den Modus allerdings manuell am Mitteltunnel anwählen oder ganz behutsam mit dem Gasfuß umgehen, sonst schaltet sich allzu schnell der Verbrennungsmotor ein (insbesondere bei den hügeligen Straßen von San Francisco).

Der Verbrauch liegt auf Dieselniveau

Betont sparsam (und entsprechend sediert) ist der Mercedes C 350e im Ecomodus unterwegs. Hier regelt die intelligente Bordelektronik bei eingeschalteter Zielführung des Navigationssystems unter anderem, dass die C-Klasse in Innenstädten bevorzugt rein elektrisch unterwegs ist. Echten Fahrspaß mit entsprechender Beschleunigung und Ausnutzen der fast 280 PS empfindet man erst ab dem Sportmodus, wenn alle Enthaltsamkeit vergessen ist. Dennoch: Der Verbrauch pendelt sich bei fünf bis sechs Litern ein – Dieselniveau.

Der C 350e erfüllt sportliche Ansprüche

Die Fahrleistungen sind überhaupt völlig anders, als der Klang des seelenlosen Vierzylinders vermuten lässt. Mit 0 auf Tempo 100 in 5,9 Sekunden und einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erfüllt die knapp 1,8 Tonnen schwere C-Klasse trotz Übergewichts sogar sportliche Ansprüche. Rein elektrisch lässt sich nicht nur eine Strecke von 31 Kilometern zurücklegen, sondern auch maximal 130 km/h schnell fahren. Der Lithium-Ionen-Akku mit einem Energiegehalt von 6,38 kWh lässt sich an der Steckdose in 1,5 bis drei Stunden oder durch den Verbrennungsmotor während der Fahrt wieder aufladen. Der Plug-In-freundliche Normverbrauch liegt bei 2,1 bis 2,4 Litern Super, was einem CO2-Ausstop von 48 bis 54 Gramm/km entspricht.

Gesalzene Preise

Schmerzhaft macht sich allein die Einschränkung des Kofferraums bemerkbar: Der Akku samt Wasserkühlung und Crashbox liegt unter dem Boden, es bleiben 335 Liter, fast 150 Liter weniger als in der Normalversion. Immerhin blieb die Zuladung mit 525 Kilo hoch genug. Im dieselverliebten Europa wird sich die Nachfrage nach den Plug-In-Versionen der Mercedes C-Klasse im Rahmen halten. Der Basispreis des Mercedes C 350e liegt bei 52.040,– Euro, rund 6.000,– Euro über dem C 250 BlueTEC, der laut Werk 4,3 Liter Diesel verbraucht. Die ebenfalls erhältliche Kombiversion des C 350e T kostet 53.590,– Euro. Die Basisausstattung des hybriden Doppelpacks ist trotz des üppigen Preises dünn. So sind die Zwillinge zwar mit Luftfederung und einer Vorklimatisierung ausgestattet, strahlen jedoch nach wie vor aus betagten Halogen-Augen und lassen sich auch die zahlreichen Komfort- und Assistenzsysteme teuer extra bezahlen.

Technische Daten Mercedes C 350e Limousine:

Hubraum: 1991 ccm
Zylinder: vier, Turboaufladung
Leistung: 205 kW / 279 PS (155 kW / 211 PS + 60 kW)
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Max. Drehmoment: 600 Nm
Beschleunigung 0 auf 100 km/h; 5,9 Sekunden
Verbrauch; 2,1 – 2,4 Liter
Getriebe: Siebengang-Automatik mit Elektromodul
Leergewicht: 1780 kg
Zuladung: 525 kg
Elektrische Reichweite: 31 km

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