Elektroautos: Die Hersteller sind bereit, Infrastruktur und damit Kunden noch nicht.
 

Viele Elektroautos auf der IAA, aber keine Aufbruchsstimmung

16 Elektro-Modelle deutscher Hersteller sollen 2014 auf den Markt kommen, aber das Interesse ist noch gering – dieses Jahr nur 2904 E-Autos neu zugelassen

12.09.2013 APA

Blickt man auf die derzeit in Frankfurt stattfindende Automesse IAA, könnte man meinen, Elektroautos hätten bereits im großen Stil Einzug in den Automarkt gehalten. Bis Ende kommenden Jahres sollen 16 Elektro-Modelle deutscher Hersteller auf den Markt kommen. BMW ist mit dem Kleinwagen i3 in Frankfurt vertreten und präsentiert den großen Sportlichen i8. Marktführer VW zeigt prominent den e-Golf und den kleineren e-Up. Bei Daimlers Smart steht die Elektro-Version des Stadtflitzers im Mittelpunkt. Wie beim Kühlschrank wird neben den Autos die Energieklasse „A+“ ausgewiesen.

Nur 0,165 Prozent der bisherigen Zulassungen 2013 entfielen auf E-Autos

Doch trotzdem will keine rechte Aufbruchstimmung in Bezug auf Elektrofahrzeuge aufkommen. VW-Chef Martin Winterkorn stellte erst kürzlich die baldige Massentauglichkeit von E-Autos in Frage. Und zumindest mit Blick auf den Absatz behält er damit vorerst Recht: Seit Januar wurden in Deutschland nur 2904 Elektroautos zugelassen, das ergibt einen Anteil von 0,165 Prozent. In Österreich sind derzeit insgesamt nur 2500 E-Autos unterwegs.

Gedämpfte Euphorie bei Renault

Die abgekühlte Euphorie ist besonders bei Renault zu spüren, dem französischen Konzern, der früh und engagiert auf Elektro-Mobilität setzte. Vor vier Jahren verkündete Konzernchef Carlos Ghosn den Aufbruch in die Elektroauto-Ära:. „Jeder kann seine Prognose zu künftigen Marktanteilen von Elektrofahrzeugen abgeben. Der Unterschied ist: Ich setze auf meine vier Milliarden Euro“, hakte er damals ab. In Frankfurt bezeichnete er es jetzt als unwahrscheinlich, das Ziel von 1,6 Millionen Elektrofahrzeugen zum Jahr 2016 einhalten zu können. Die Technologie werde zehn Prozent des Marktes ausmachen, „sobald die Regierungen eine minimale Unterstützung gewähren“. Zuvor hatte Ghosn diesen Marktanteil für 2020 in Aussicht gestellt. Immerhin ist das Modell Leaf vom japanischen Partner Nissan, wo Ghosn ebenfalls der Chef ist, mit insgesamt 75 000 verkauften Autos bisher die Nummer eins. Und mit einer noch höheren Produktion würden auch die Preise sinken, verspricht der Manager.

Tesla bringt vorerst nur wenige Autos nach Europa, will aber in Infrastruktur investieren

Zuletzt kam frischer Wind in den europäischen Elektroauto-Markt, als das Vorzeige-Unternehmen Tesla aus Kalifornien bekannt gab, seinen Viertürer Model S nach Europa zu bringen. Die Firma des einstigen Paypal-Mitgründers Elon Musk fuhr in den vergangenen beiden Quartalen nach jahrelangen Anlauf-Verlusten schwarze Zahlen ein. Das Unternehmen könne vom Model S derzeit gar nicht genug bauen, sagt der zuständige Modellchef Jerome Guillen. Der Marktstart in Europa wird zunächst aber eher klein ausfallen. Wie viele Autos für den Kontinent zur Verfügung stehen werden, ist nicht klar, aber die Produktion dieses Jahres ist bereits verkauft, 2014 sollen die Kapazitäten ausgebaut werden – aber Guillen nennt keine genauen Zahlen. In Europa werde vorerst verstärkt in Entwicklung und Infrastruktur investiert, so Guillen.

Tesla will massiv in ein europäisches Netz schneller Ladesäulen entlang der meistbefahrenen Fern-Routen investieren. Bis Ende 2014 solle die nächste Station in maximal 320 Kilometer Entfernung stehen, verspricht Guillen. Tesla gibt die Reichweite mit einer Akku-Ladung mit bis zu 500 Kilometern an. Bisher laufe das Geschäft mit dem Model S in Europa am besten in Norwegen – einem Land mit hoher staatlicher Förderung für Elektro-Fahrzeuge.

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