Der Kleinwagen sprießt in alle Richtungen. Alleine die 
VW-Gruppe besetzt inzwischen jeden Zentimeter zwischen Polo und Golf, 
hier in der MQB-Erscheinungsform als Skoda Rapid Spaceback.
Der Kleinwagen sprießt in alle Richtungen. Alleine die VW-Gruppe besetzt inzwischen jeden Zentimeter zwischen Polo und Golf, hier in der MQB-Erscheinungsform als Skoda Rapid Spaceback.
 

Vergleichstest: Peugeot 2008 – Renault Clio Grandtour – Skoda Rapid Spaceback

Die Grenzen verschwimmen zusehends: Aus einem Kleinwagen wird mit wenigen Handgriffen ein Kompakter oder ein Crossover.

20.03.2014 Autorevue Magazin

Während die Golf-Klasse durch konsequentes Wachstum für viele nach oben entfleucht ist, weil mittlerweile schon zu groß, zu teuer, öffnet sich eine neue Kategorie darunter: Längst kein Kleinwagen mehr, aber noch nicht Golf und schon voll familientauglich. Die Grenzen zwischen Kompaktwagen und Kombi verschwimmen jedenfalls vollends. So wollen wir zum Einstieg ein paar Erbsen zählen, weil das auch wichtig ist, denn das Beispiel Skoda ­Rapid ist eine gute Möglichkeit, den Geheimnissen hinter dem modularen Querbaukasten der Volkswagengruppe näher zu kommen: Ein VW Golf ist 425 Zentimeter lang und 180 Zentimeter breit. Der Polo 395 zu 168 Zentimeter. Der Skoda Rapid Spaceback ist mit 430 cm sogar um eine halbe Handbreite länger als der Golf und eine Spur breiter als der Polo. Wir könnten das alles aber viel einfacher sagen: Der Skoda Rapid Spaceback ist ein Polo Kombi auf hübscher. Der Breite nach betrachtet, liegt der Rapid zwischen Skoda Fabia und VW Golf oder dem unwesentlich breiteren Skoda Octavia. Sie sehen schon, zwischen Polo und Octavia hält die VW-Gruppe jeden Zentimeter besetzt.

Dimensionen Skoda und Renault sind etwa gleich lang, breit, hoch. Der Peugeot (ganz hinten) ist höher, breiter, kürzer.

Dimensionen Skoda und Renault sind etwa gleich lang, breit, hoch. Der Peugeot (ganz hinten) ist höher, breiter, kürzer.

Kompaktkombi, Kombi und Crossover

Dem gegenüber gibt es eine etablierte Kombivariante eines französischen Kleinwagens in Neuauflage, den Renault Clio Grandtour. Ebenfalls mit dem Ziel, einem Kleinwagen nicht nur einen Rucksack umzuhängen, um ihn familientauglich zu machen, sondern auch auf ein ansprechendes Auftreten zu achten. Denn für alle, die Autos als reinen Kostenfaktor sehen, ohne Rücksicht auf ästhetische und sonstige Verluste, hat Renault ­ohnehin die Billigmarke Dacia im Portfolio. Als zweiter Gegenspieler des Skoda hat sich der Peugeot 2008 empfohlen. Ein Auto, das wie der Jolly im Kartenspiel zwischen mehreren Fahrzeugklassen umhergeschoben werden kann. Crossover nennt man das dann, ein etwas höher gestellter Kombi, der zwischen Kleinwagen und Sports Utility Vehikel überall irgendwie hineinpasst – oder doch nirgends ganz. Was allen dreien gemeinsam ist: Dort platziert, wo das in ­allen Belangen würdevolle Autofahren beginnt, machen diese Autos auch über die reinen Mobilitäts- und Transportaufgaben hinaus schon recht viel Freude.

CROSSOVER Peugeot baut mit dem 2008 auf seine Art ein kleines Auto mit großer Wirkung und erstaunlichem Platzangebot.

CROSSOVER Peugeot baut mit dem 2008 auf seine Art ein kleines Auto mit großer Wirkung und erstaunlichem Platzangebot.

Raumgefühl

Wir setzen uns also erst einmal hinein und stellen sofort ­gravierende Unterschiede fest. Der Peugeot gehört mit seiner Breite eigentlich der nächsthöheren Fahrzeugklasse an. Die ­etwas ­erhöhte Sitzposition verstärkt noch den Eindruck, in ­einem ­großen Auto zu sitzen, der Gedanke an Kleinwagen kommt hier nicht mehr auf. Skoda und Renault wirken enger, vermitteln dabei ein gleichermaßen ausreichendes Raumgefühl, zumindest bis Kleidergröße XL. Position und Qualität der Sitze und des Sitzens sind im Renault sehr gut, im Skoda perfekt. In diesen beiden Punkten kommt der Peugeot nicht ganz mit. Zumindest der ­Verstellbereich des Lenkrads ist im Sinne eines freien Blicks auf die originelle Instrumententafel eingeschränkt. Wir finden ähnliche Ladevolumina vor: Was der Peugeot ­kürzer ist, ist er breiter und höher. Die Nutzbarkeit des Kofferraums ist im ­Peugeot am besten, vor allem, weil er die größte Öffnung besitzt.

So ist’s richtig: Ebener Kofferraumboden mit Gleitschienen im Peugeot 2008.

So ist’s richtig: Ebener Kofferraumboden mit Gleitschienen im Peugeot 2008.

Materialien

Gelobt muss das Bemühen werden, trotz der notwendig knappen Kalkulation an der oberen Kante der Kleinwagenkategorie ein ansprechendes Interieur zu bieten. Renault geht hier am weitesten, verwendet Kunststoffe, die nun wirklich nicht mehr billig wirken, und mutige Farben. Auch Peugeot versucht mit edler Oberfläche zu punkten, etwa mit Chrom und groß­flächigem Carbon-Design als Signal der Fortschrittlichkeit. Ziemlich cool hingegen Skoda: Mit nüchterner Gestaltung des Innenraums wird optisch Platz geschaffen, um bei ähnlichen Produkten von VW und Audi noch was drauflegen zu können. Trotzdem: Die Qualität wirkt auch hier sehr gut, für oberflächliche Nettigkeiten ist eben kein Spielraum in der tschechischen Abteilung des weitläufigen Markenverbunds.

Die verar­beiteten Kunststoffe wirken qualitativ solid.

Die verar­beiteten Kunststoffe wirken qualitativ solid.

Fahrgefühl

In Sachen Fahrwerk, Federung, Dämpfung sind alle drei auf der Höhe der Zeit. Und auch konstruktiv finden wir kaum ­Unterschiede. Renaults Schwächen bei der elektrischen Servolenkung sind längst Geschichte. Alle drei sind präzise zu dirigieren und die Federung stellt einen ausgewogenen Kompromiss zwischen guter Fahrdynamik und Komfort dar. So weit alles paletti. Doch jetzt kommen wir zum Antrieb, das heißt, Fahrleistungen, Sparsamkeit, Dynamik und natürlich auch das Lebensgefühl, das sich daraus ergibt. Hier lassen sich wirklich signifikante Unterschiede herausarbeiten, die letztlich auch die preisliche Ordnung erklären, zum Beispiel, warum man bei ­Peugeot fürs gleiche Geld 100 kg mehr Auto bekommt.

KOFFER, BITTE! Kleine Öffnung beim Skoda, am größten beim Peugeot (ganz hinten).

KOFFER, BITTE! Kleine Öffnung beim Skoda, am größten beim Peugeot (ganz hinten).

Fahrdynamik und Antrieb

Der Peugeot ist in seiner Üppigkeit etwas über den beiden Konkurrenten angeordnet. So tut sich auch der Motor schwerer. Dazu kommt noch, dass die Peugeot-Maschine das wesentlich einfachere Ding ist. Es werken drei Zylinder, kein Turbolader, keine ­Direkteinspritzung. Die Maschine sorgt zwar gerade noch für ausreichende Fahrdynamik, Freude kommt aber keine auf, zumal das Aggregat bei Autobahntempo 4000 Touren dreht und damit an frühere Zeiten erinnert. Was wir dem ­Peugeot zugute halten müssen: In Sachen Sparsamkeit ist ihm nichts vorzuwerfen, er braucht trotz des Mehrgewichts etwa gleich viel Sprit wie die anderen beiden. Als kleines Zwischen­resümee wollen wir hier einflechten, dass beim Peugeot der nächststärkere Benziner mit vier Zylindern und 120 PS oder ein Diesel wohl als bessere Wahl erscheint.

Skoda, ganz nüchtern Saubere Verarbeitung, gute Qualität, feine ­Haptik, aber optisch eher ­konservativ,  sagen wir wertneutral.

Skoda, ganz nüchtern Saubere Verarbeitung, gute Qualität, feine ­Haptik, aber optisch eher ­konservativ, sagen wir wertneutral.

Auch der Renault ist ein Dreizylinder, aber von ganz anderem Kaliber: ein supermodernes Downsizing-Aggregat auf dem ­allerletzten Stand der Technik, 0,9 Liter Hubraum, Turbolader, ­Direkteinspritzung. Mit diesem Aggregat zeigt Renault, was Downsizing bringt oder nicht bringt. Trotz der theoretischen Vorteile und des geringeren Spritverbrauchs im Normzyklus hält sich die Begeisterung für Downsizing im wahren Leben dann doch in Grenzen. Der Vierzylinder im Skoda verbraucht in Wirklichkeit auch nicht viel mehr, sorgt aber für größere Harmonie insgesamt, dazu kommt auch das beste Gefühl am Schaltknüppel.

Tiefer Kofferraum, aber hohe Kanten – ­sagenhaft, darunter hat auch noch ein vollwertiges Reserverad Platz.

Tiefer Kofferraum, aber hohe Kanten – ­sagenhaft, darunter hat auch noch ein vollwertiges Reserverad Platz.

Ein Ranking würde also ausnahmsweise klar ausfallen: Skoda vor Renault. Den Peugeot würden wir mit einem stärkeren Motor in einer ­höheren Fahrzeugklasse antreten lassen. Das Publikum nimmt uns diese Überlegung ohnehin bereits vorweg, denn die beliebteste Motorisierung ist der Vierzylinder-Diesel mit 92 PS.

Das Ergebnis

Der Renault Clio Grandtour stellt als etabliertes Modell 100 Prozent dar. Die anderen können besser oder schlechter sein.

Aussenwirkung

Schon der Vorgänger des Renault Clio war ein beliebter Kombi für junge Familien und zeichnete sich auch durch ein bisschen Charme aus. Die neue Karosserie legt in Sachen Pfiffigkeit noch eins drauf. Der Peugeot wirkt als Crossover jung, frisch und sehr erwachsen. Skoda wirkt eher wie Dienst nach Vorschrift. vergleichstest-ergebnis-aussenwirkung Die Kriterien: Image der Marke, Größe und Aussehen des Autos, verbreitete Vorurteile gegenüber -idealisierten Fahrern des Autotyps.

Fahrgefühl

Hier spielt der Skoda die geballte Kraft der VW-Gruppe aus. Antrieb und Fahrwerk geben ein rundes Bild auf hohem Niveau ab. Renault kommt aufgrund extremen Downsizings motorisch nicht ganz mit. Trotz guter Dämmung: Peugeot leidet unter dem brustschwachen Dreizylinder-Sauger mit scharrendem Motorgeräusch. vergleichstest-ergebnis-fahrgefuehl Die Kriterien: Fahrverhalten (Straßenlage, Agilität des Fahrwerks, Leichtigkeit in der Bewegung), Lenkung und Bremsen (Direktheit, Präzision) und vor allem: Wie viel Freude löst das jeweilige Auto beim Fahren aus?

Raum und Komfort 

Das Platzangebot ist bei allen etwa gleich. Atmosphärisch zeigt der Peugeot das beste Raumgefühl, weil er um zehn Zentimeter breiter und höher ist. Er bietet auch die größte Kofferraum-Öffnung. Die Enttäuschung über die etwas höhere Kofferraumkante beim Skoda wird durch die beeindruckende Tiefe wettgemacht. vergleichstest-ergebnis-raum-komfort Die Kriterien: Platzangebot nach Zentimetern, vor allem aber nach Nutzbarkeit. Ergonomie, Atmosphäre.

Emotionen 

Emotionen spielen nicht unbedingt die Hauptrolle, umso mehr freuen wir uns, dass auch hier ein bisschen was für unsere Herzen getan wird. Die Franzosen versuchen uns mit aufwendig gestalteten Innenräumen und selbstbewusstem Design der -Außenhülle anzusprechen. Skoda kommt dagegen ziemlich unterkühlt daher. vergleichstest-ergebnis-emotionen Die Kriterien: Qualitätsanmutung, Liebe zum Detail, Image, Haptik, Design. Wie wohl fühlt man sich im Auto? Wie gerne führt man es seinen Bekannten vor?

Sicherheit 

Crashtest-Sterne sind bei den etablierten Herstellern auch in dieser Klasse kein Thema, fünf Sterne für alle drei selbstverständlich. Wenn der Clio auch hinten Scheibenbremsen hätte, fiele der einzige konkrete Kritikpunkt auch noch weg. Aufwendige Assistenzsysteme sind in dieses Fahrzeugumfeld noch nicht eingesickert. vergleichstest-ergebnis-sicherheit Die Kriterien: Ausstattung (Airbags, ESP, Gurtstraffer …), Bremsen in Wirkung und Gefühl, Licht, Scheiben-wischer, Übersicht, Crashtests.

Wirtschaftlichkeit 

Ein Unterschied in Sachen Wirtschaftlichkeit lässt sich vielleicht im Nachhinein feststellen, vorausberechnen eher nicht. Alle wissen: Die Käufer können oder müssen in dieser Fahrzeugklasse genau rechnen, die Hersteller ebenso. Auf diese Art entsteht sehr viel Auto zu einem günstigen Kaufpreis und überschaubaren Unterhaltskosten. vergleichstest-ergebnis-wirtschaftlichkeit Die Kriterien: Kaufpreis, Ausstattung, Extra-Preise, Service-Intervalle, Steuern, zu erwartender Wertverlust.

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