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Wo wir sind, ist oben
 

Vergleichstest: Mercedes C vs. BMW 3er vs. Audi A4

Die Basis des Autofahrens für Fortgeschrittene: Klassische ­Limousinenform in flottem Design und auf hohem Niveau. Kann die neue C-Klasse da noch ­etwas drauflegen?

10.06.2014 Autorevue Magazin

Wir wollen die enormen Errungenschaften und Fortschritte in ­darunter liegenden Fahrzeugklassen nicht schmälern, aber die echten Limousinen beginnen auf diesem Niveau – und auch der Begriff Premium, wie wir ihn verstehen. Diese Fahrzeugklasse zeichnete sich immer durch eines aus, nämlich durch Stabilität. Bei aller Exzellenz der feinen Ware oder gerade deshalb war es in den vergangenen Jahren nicht ganz einfach, Akzente herauszuarbeiten. Jetzt kommt neuer Schwung rein.

Erster Eindruck: Abgesehen vom stringenten Auftreten der äußeren Form im altbewährten Three-Box-Design ist einiges an Experimentierfreude zu ent­decken, das hat sicher auch mit neuen Möglichkeiten der technischen Umsetzung zu tun, aber nicht nur.

Gemeißelte Gesichter

Gehen wir einmal außen rum, so sehen wir sehr unterschiedliche Ansätze der Gestaltung der Frontpartie: Familien­gesichter in scharf gemeißelter Form. Mercedes hat sich innerlich bereits vom Stern als Kühlerfigur verabschiedet, auch wenn man ihn in der Modellvariante ­Exclusive noch bekommt. Bei allen anderen Varianten steckt er selbstbewusst in der Kühlerfront. Audi zelebriert genauso auf seine Art wie BMW die Familiennase. In ebenso unverwechselbarem Markenoutfit präsentieren sich die Heckpartien. Beim Mercedes weht – beim schnellen Hinschauen – sogar noch ein ­feines ­Maybach-Lüfterl.

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Luftige Räume

Mercedes hat sich mächtig angestrengt, den so sehr strapazierten Begriff Premium mit Leben zu erfüllen. Serienmäßiger ­Klavierlack am Armaturenbrett ist dann auch die atmosphärische Grundlinie. ­Darüber hinaus hat man es gewagt, sich nicht in nobler Zurückhaltung zu erschöpfen, ein Vorwurf, den man eher Audi machen könnte. BMW entwickelt mittlerweile eine optisch eher schwer­mütige Überlagerung von Stabilität und Noblesse. Mercedes zeigt jedenfalls Kraft und ­Engagement in der Innenraumgestaltung, ohne deshalb ins allzu Üppige zu kippen.

mrcedes c-klasse 2014 sitze vorne innen

MERCEDES Folgende Facts konnten wir in der Aufpreis-Extraliste dingfest machen: Sitz mit Leder Artico schwarz überzogen, preisgünstig, weil es kein echtes Leder ist (586 Euro). Das Komfortsitzpaket (262 Euro) enthält eine Sitzkissentiefenverstellung um 6 cm. Teilelektrische Sitzverstellung serienmäßig.

Wir sehen auch, dass die missverständnisfreie Darstellung mannigfaltiger Funktionen rund um den Fahrersitz zu einer echten Herausforderung geworden ist. BMW hat zu diesem Thema mit ­iDrive ja schon vor Jahren den Ankick geliefert. Beim Mercedes ist jetzt das multifunktionale Bedienelement an der Mittelkonsole selbstverständlich, genauso wie ein 7-Zoll-Monitor. Gehobene Ausstattungsvarianten glänzen mit zusätzlichem Touchpad zur handschriftlichen Eingabe von Befehlen und 8,4-Zoll-­Monitor. Auch beim BMW ist der iDrive-Knubbel und ein 6,5-Zoll-­Monitor ­serienmäßig. Audi gibt sich da bis zum nächsten Modellwechsel noch bescheidener, jedenfalls nach außen hin. Hier ­manövriert man noch am Armaturenbrett durch die Menüs. Außerdem: Die äußere Erscheinungsform eines Bedien­elements sagt nicht das Geringste über den Inhalt aus. Denn der kommt letztendlich sehr teuer.

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AUDI Schon von außen sieht man die universelle Tauglichkeit der ­serienmäßigen Audi-Sitze für nahezu alle Körperformate. Das ist im Grunde gut so, fördert aber nicht unbedingt den Eindruck, in einem besonderen Auto zu sitzen. Die ­elektrische Sitzverstellung für den Fahrer kostet 488 Euro.

In Wirklichkeit sind die angegebenen Preise nur eine sichere Absprungbasis in Richtung Hightech und Luxus. Vom ­Basispreis weg gerechnet, lässt sich ohne große Mühe eine Verdoppelung erreichen, müßig zu sagen, dass dies den ­ganzen Charakter eines Automobils ­verändern kann. Die Grundeigenschaften eines Automobils lassen sich trotzdem nicht mit noch so viel käuflichem Luxus übertünchen.

bmw 318d aut sitze vorne innen innenraum

BMW Entsprechend der Marken­philosophie zeigt der BMW-Sitz ­hervorragenden Seitenhalt, wer es gerne noch strenger hat, bestellt die Sportsitze mit elektrischer Seitenwangenverstellung für 581 Euro. Die elektrische Sitzverstellung der Normalsitze erfolgt am Sitz selbst und kostet 1.163 Euro extra.

Das Spiel der Kräfte

Deshalb jetzt gleich zum Fahrverhalten. Alle drei besitzen von den technischen Parametern her exzellente Fahrwerke, die dem Markenbild entsprechend abgestimmt sind. Audi sehr feinfühlig und komfortabel, aber auch exakt. Der Preis für die Präzision: Man bezahlt den gelungenen Spagat mit deutlich wahrnehm­baren kurzen Bodenwellen. Auch der BMW liefert klare Statements zur Bodenbeschaffenheit, er ist generell härter ­gefedert. Die weite Spanne aus Komfort und Fahrpräzision schafft der Mercedes überzeugend. Nicht, weil man dort ­Wunder wirkt, sondern weil er eine ­adaptive Dämpfung serienmäßig mitbringt.

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Stand früher die Motorisierung und vielleicht noch das Getriebe im Mittelpunkt der Performance, kommen heute viele andere Kriterien hinzu. Kein Auto dieser Klasse ließe sich mit mangelhafter Antriebskraft oder ungestümem Benehmen der Aggregate verkaufen. Die Grenzen zwischen Diesel und Benzin verschwimmen zusehends. Und tatsächlich erkennen wir trotz unterschiedlicher ­Motorisierung unserer Testwagen ­höchstens eine markentypische Zuspitzung, aber nichts, was objektiv zu kritisieren wäre. Der Audi glänzt mit seinem sehr gut gedämmten und charakterlich runden ­Dieselmotor, der den Wagen mit bescheidenen 120 PS erstaunlich behände vorankommen lässt. Der 143-PS-­Diesel im BMW wirkt kerniger, wie man landläufig das Geräuscherlebnis bezeichnen würde, und sehr gegenwärtig. Und auch bei Mercedes darf man in jeder ­Variante laufruhigen, standesgemäßen Vortrieb erwarten. Der 156-PS-Benziner liefert die volle Leistung ­naturgemäß über ein deutlich vernehmbares, aber nie unangenehmes ­Geräusch beim Hochdrehen.

Stark und Schön

Obwohl alle drei Autos außen wie innen fast gleiche Abmessungen aufweisen, fühlen sie sich unterschiedlich groß an. Durch das behutsame Design wirkt der Audi zarter und leichter, was jedoch in keiner Hinsicht objektiv nachvollziehbar ist. Die BMW-Philosophie hingegen ist unverkennbar, Autos massiv und widerstandsfähig ­wirken zu lassen – ein bisschen mit dem ­Bizeps des Bodybuilders. Den besten Mittelweg hat ­Mercedes ­gefunden, die neue C-Klasse schafft es, gleichermaßen schlank und vehement aufzutreten. Der Heckantrieb ­verleiht BMW und Mercedes ­einen Respekts­abstand zu allem, was ­irgendwie noch mit Kompaktwagen zu tun haben könnte. Für Audi wird es ­zusehends zur Herausforderung, bei ausgefeilter Baukasten­strategie seinen Premium-Anspruch zu wahren.

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Unter dem Strich

Mercedes hat eine Punktlandung hingelegt, ein klares und selbstbewusstes ­Statement geliefert: Spätestens hier mit der C-Klasse treten wir in die Kernzone der Marke ein, wie sie immer schon gedacht war. Der Preisabstand zur Konkurrenz ist mit einigen zusätzlichen serien­mäßigen Details gut zu rechtfertigen.

Ausstattung und technische Daten Mercedes C-Klasse

Preise von € 35.350,– bis € 40.250,–
Steuer jährlich von € 694,44 bis € 874,44
Motor, Antrieb 1 Diesel, 2 Benziner, 6-Gang-Getriebe oder 7-Gang-Automatik. Hinterradantrieb.
Mercedes C 180: 115 kW (156 PS)/250 Nm, 0–100 in 8,2 sec Spitze 225 km/h, CO2 116 g/km/Verbr. 5,0 l/100 km
Mercedes C 180 Aut: 115 kW (156 PS)/250 Nm, 0–100 in 8,5 sec/Spitze 223 km/h, CO2 126 g/km/Verbrauch 5,4 l/100 km
Mercedes C 200: 135 kW (184 PS)/300 Nm, 0–100 in 7,5 sec/Spitze 237 km/h, CO2 123 g/km/Verbrauch 5,3 l/100 km.
Mercedes C 220 BlueTEC Diesel: 125 kW (170 PS)/400 Nm, 0–100 in 8,1 sec/Spitze 234 km/h, CO2 103 g/km/Verbrauch 4,0 l/100 km.
Dimensionen L/B/H 4686/1810/1442 mm, Tank 41 l, Kofferraum 480 l.
Gewicht 1395–1550 kg.
Ausstattung Klimaautomatik, Halogenscheinwerfer, LED-Rückleuchten, Klavierlack-Optik, CD-Radio mit USB und Buetooth, Fahrwerk mit selektiven Dämpfern, Kollisionswarnung. Tirefit mit Kompressor.
Extras (ab €)  Metallic-Lack 1.029,–, Tempomat 350,–, Leder 586,–, Fahrerassistenzpaket Plus 2.738,–, Headup-Display 1.294,–, Panoramadach 2.306,–, LED-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlichtassistent 2.019,–. Command Online 3.844,–, Rücksitze klappbar 375,–, 66-Liter-Tank 63,–,

Ausstattung und technische Daten Audi A4

Preise  von € 30.770,– bis € 54.660,–
Steuer  jährlich von € 476,16 bis € 1.459,44
Motor, Antrieb  4 Benziner, 7 Diesel, 6-Gang-Getriebe oder CVT-Auto-matik oder Doppel-kupplungs-Automatik. Front- oder Allradantrieb.
Audi A4 1,8 TFSI: 88 kW (120 PS)/230 Nm, 0–100 in 10,5 sec/Spitze 208 km/h, CO2 151 g/km/Verbrauch 6,5 l/100 km.
Audi A4 3,0 TFSI quattro: 200 kW (272 PS)/400 Nm, 0–100 in 5,4 sec/Spitze 250 km/h, CO2 190 g/km/Verbrauch 8,1 l/100 km.
Audi A4 2,0 TDI: 88 kW (120 PS)/290 Nm, 0–100 in 10,5 sec Spitze 205 km/h, CO2 117 g/km/Verbr. 4,5 l/100 km.
Audi A4 3,0 TDI quattro: 180 kW (245 PS)/500 Nm, 0–100 in 9,4 sec/Spitze 230 km/h, CO2 152 g/km/Verbr. 6,1 l/100 km.
Dimensionen  L/B/H 4701/1826/1427 mm, Tank 61–63 l, Kofferraum 480 l.
Gewicht  1505–1740 kg.
Ausstattung  Klimaautomatik, Reifenreparaturset, el. Parkbremse, Rücksitze klappbar Drittelteilung, CD-Radio und 6,5-Zoll-Bildschirm, Halogenlicht vorne und hinten. Start-Stopp-System.
Extras (ab €)  Metallic-Lack 1.014,–, Sitzheizung 341,–. Bluetooth-Schnittstelle 380,–, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera 583,–, Xenonlicht  1.330,–,  Adaptive Light 483,–, Tempomat 343,–, Adaptive Cruise Control 1.300,–, -Lane Assist 646,–, Ledersitze 2.374,–, Privacy-Glas 533,–, Panorma-Dach 1.711,–. MMI-Navigation Plus 3.104,–.

Ausstattung und technische Daten BMW 3er-Reihe

Preise  von € 30.450,– bis € 85.900,–
Steuer  jährlich von € 453,84 bis € 1.684,44
Motor, Antrieb  6 Benziner, 7 Diesel, 6-Gang-Getriebe oder 8-Gang-Auto-matik, Doppelkupplungsautomatik für M3. Heck- oder Allradantrieb.
BMW 316i: 100 kW (136 PS)/220 Nm/0–100 in 8,9 sec, Spitze 210 km/h/CO2 134 g/km/Verbr. 5,9 l/100 km.
BMW 335i xDrive: 225 kW (306 PS)/400 Nm, 0–100 in 5,5 sec Spitze 250 km/h, CO2 193 g/km/Verbrauch 8,1 l/100 km.
BMW 316d: 85 kW (116 PS)/260 Nm/0–100 in 10,9 sec Spitze 202 km/h/CO2 114 g/km/Verbr. 4,3 l/100 km.
BMW 318d Aut:  105 kW (143 PS)/320 Nm/0–100 in 8,9 sec Spitze 212 km/h/CO2 114 g/km/Verbr. 4,3 l/100 km.
BMW 335d xDrive Aut.: 230 kW (313 PS)/630 Nm, 0–100 in 4,8 sec Spitze 250 km/h, CO2 143 g/km/Verbr. 5,4 l/100 km.
Dimensionen L/B/H 4624/1811/1429 mm, Tank 57 l, Kofferraum 380 l.
Gewicht  ab 1460–1730 kg.
Ausstattung  Klimaautomatik, Halogenscheinwerfer, LED-Rückleuchten, CD-Radio mit Aux-In, Notlaufreifen.
Extras (ab €)  Metallic 925,–, Ledersitze 1.938,–, -Einparkhilfe 800,–, Rückfahrkamera 450,–, Tempomat 306,–, Spurwarnung mit Citynotbremse 556,–, Adaptive Cruise Control 1.338,–, Xenonlicht 1.056,–, Fernlicht-assistenz 164,–, Glasdach elektrisch 1.200,–, Naviga-tion Professional 2.750,–, Headup-Display 1.063,–, Rücksitze klappbar 525,–.

Es sind die stärkste und schwächste Motorisierung als Benziner und Diesel angeführt. Im Falle des BMW zusätzlich die getestete Variante.
Die getestete Version ist kursiv unterlegt. Preis für Extras inkl. Mwst. und jeweils günstigstem NoVA-Satz.

  • Erwin Wolf

    ..ist es Absicht, den Audi A4 in der Basis-Innenraumaustattung bei diesem „Vergleichstest“ gegen die eindeutig durch aufpreispflichtige Extras aufgewerteten Innenräume von BMW und Daimler antreten zu lassen und ihm genau das dann vorzuwerfen…?

  • Franz Karl

    Sehr geehrte Herren Journalisten!

    Es ist immer wieder erfrischend zu lesen, dass Journalisten wie Sie eine fundierte eigene Meinung haben und diese verständlich und pointiert zum Ausdruck bringen.

    Für mich als ein über 40 Jahre in der Autobranche Tätiger sind Sie die Referenz in Autotestberichten.

    Chapeau !

    Ing. Franz Karl

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