1/7
 

Kompaktklasse: Renault Mégane vs. Opel Astra

Durch die beiden neuen Kompakten, Opel Astra und Renault Mégane, wird eine ganze Klasse neu gemischt. Wie verhalten sich die beiden zum Primus und welcher setzt sich im Vergleich durch?

04.02.2016 Press Inform

In ihren neuesten Generationen haben besonders Opel Astra und Renault Mégane mächtig dazugelegt und fahren dicht hinter dem Klassenprimus Golf im Windschatten. Beim Design zeigen sich die neuen Emporkömmlinge dabei nicht allzu mutig; schließlich will im volumenstarken Kompaktklassesegment kein Kunde ernsthaft verschreckt werden. Beide bleiben dabei ihren visuellen Markengenen treu, die sich besonders in der Front und der Heckansicht widerspiegeln. Moderner und innovativer wirkt der Renault, ohne es dabei mit der einstigen Extravaganz zu übertreiben.

Vergleich-Opel-Astra
© Bild: press-inform

Die Platzverhältnisse

Die Innenräume von Opel und Renault bieten im Fall der Fälle ausreichend Platz für bis zu fünf Erwachsene. Doch besser man reist allenfalls zu viert, denn weder im Astra (4,37 Meter) noch im 4,36 Meter langen Mégane macht es Freude, sich als Fond-Trio aneinander zu pressen. Etwas mehr Platz bietet dabei der Deutsche, der seine Insassen mit einer großzügigeren Beinfreiheit (75 cm im Vergleich zu 68 cm von der Rückseite der hinteren Sitze gemessen) zu beeindrucken versucht. Zudem gönnt sich der Astra in der zweiten Reihe drei Zentimeter mehr Kopffreiheit, worüber sich nicht nur groß gewachsene Mitreisende freuen. Der Mégane kontert dies mit größeren und entsprechend praktikableren Kopfstützen hinten, separaten Luftausströmern, sowie einem geringfügig größeren Laderaum (387 gegen 370 Litern) und einer größeren Ladeöffnung (111 im Vergleich zu 101 cm). Dafür bietet der Rüsselsheimer eine ebene Ladefläche, wenn die Rücksitze mit zwei Handgriffen nach vorne geklappt werden.

LED-Scheinwerfer

Vorne sitzt es sich in beiden Konkurrenten bequem, wobei sich die wohl konturierten Sitze des Opel auf Wunsch nicht nur klimatisieren lassen, sondern auch eine Massagefunktion bereithalten; eine Wohltat auf längeren Strecken. Besonders bei Dunkelheit nett anzuschauen: die verstellbaren Ambientebeleuchtungen aus Frankreich und Deutschland. Nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Sicherheitsaspekt sind die LED-Scheinwerfer, mit denen Mégane und Astra ebenfalls optional ausgestattet werden können. Wer noch mehr Sicherheit will, bedient sich zudem bei den Fahrerassistenzsystemen, mit denen beide in Paketlösungen punkten können.

Vergleich-Renault-Megane
© Bild: press-inform

Licht und Schatten bei der Bedienung

Moderner wirken die Instrumente des Renault, auch wenn die einzelnen Anzeigemodule nicht komplett animiert und von einem zentralen Digitaltacho dominiert sind. So modern sich die Mittelkonsole mit dem entsprechenden Touchscreen des Astra präsentiert, so betagt und lieblos wirken dagegen seine Instrumente ohne jeden Charme im Stile der späten 90er Jahre. Darüber hinaus gibt es bei beiden Modellen wenige reale Schalter, da hüben wie drüben vieles über variable Touchmodule bedient wird und nur die wichtigsten Komfortfunktionen von Klimaanlage oder Sitzen direkt angesteuert werden können. Die Tablet-ähnliche Infotainment-Schnittstelle des Renault Mégane ist im Alltag jedoch überaus anfällig für Fingerabdrücke der Benutzer. Der Astra Touchscreen inklusiv Intellilink System ermöglicht zudem eine deutlich intuitivere Bedienung als Mégane‘s R-Link.

Renault-Megane
© Bild: press-inform

Motorisierung

Aus dem breiten Motorenportfolio sind für die europäischen Kunden in erster Linie die ebenso sparsamen wie drehmomentstarken Diesel mit 1,6 Litern Hubraum interessant. Während der Selbstzünder des Franzosen 96 kW / 130 PS und 320 Nm maximales Drehmoment leistet, bietet der gleichhubige Diesel im Astra das identische Drehmoment und 100 kW / 136 PS. Technisch sind sich die beiden Triebwerke mit Commonrail-Direkteinspritzung, Ladeluftkühler, Turbolader mit variabler Geometrie sehr ähnlich. Im Realbetrieb ist der Opel-Motor auf hohem Niveau beider Triebwerke das bessere Angebot, weil er nicht nur minimal mehr Leistung, sondern insbesondere eine größere Laufruhe bietet. Zudem gewinnt er nicht nur den Imagespurt 0 auf Tempo 100 in 9,6 gegenüber 10 Sekunden, sondern ist auch bei der Höchstgeschwindigkeit mit 205 km/h leicht vorn. In der Realität lagen die Alltagsverbräuche bei soliden 5,3 bis 5,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern.

Opel-Astra
© Bild: press-inform

Fahrverhalten

Beim Fahrverhalten liegen beide Modelle ebenfalls auf ähnlichem Niveau. Der 1.350 Kilogramm schwere Opel Astra 1.6 CDTI präsentiert sich gerade bei Kurvenkombinationen dynamischer und ausgewogener, während der nur knapp über 1,3 Tonnen schwere Renault Mégane 1.6 dCi nicht nur auf längeren Strecken der komfortablere der beiden ist und über Unebenheiten souveräner denn je hinwegfedert. Der Opel gibt schon aufgrund seines niedrigeren Reifenquerschnitts mehr Rückmeldung über die genaue Beschaffenheit der Fahrbahn. Beide Modelle punkten mit direkten Lenkungen und geringeren Antriebskräften. Ebenfalls erfreulich: das geringe Geräuschniveau.

Fazit

Die neueste Astra-Generation bietet etwas mehr Platz im Innern, besonderen Fahrspaß und insbesondere einen beeindruckenden Vierzylinder-Diesel, der mehr Fahrfreude und bessere Fahrleistungen bietet, als der gute Commonrail-Diesel des Mégane. Der Franzose ist das schickere und modernere Kompaktklassemodell, dessen Innenraum ebenso gefällt wie Außendesign und Wohlfühlambiente. Preislich liegen die beiden Kompakten ebenfalls eng beieinander. Der 130-PS-Diesel-Mégane liegt bei mindestens 21.490 Euro, den Astra mit 136-PS-Diesel gibt’s ab 22.490 Euro.

Datenblatt Renault Mégane 1.6 dCi

  • Motor: Diesel, 4 Zylinder in Reihe,
  • Hubraum: 1.598 ccm
  • Leistung: 94 kW / 130 PS
  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung:
  • Länge / Breite / Höhe: 4.359 mm/1.814 mm/1.447 mm
  • Radstand: 2670 mm
  • Laderaum: 384 / 1.247 Liter
  • Gewicht: 1.318 kg
  • Tankvolumen: 47 Liter
  • Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 10,0 Sekunden
  • Normverbrauch: 4,0 Liter Diesel

Datenblatt Opel Astra 1.6 CDTi

  • Motor: Diesel, 4 Zylinder in Reihe,
  • Hubraum: 1.598 ccm
  • Leistung: 100 kW / 136 PS
  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 2.000 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung:
  • Länge / Breite / Höhe: 4.370 mm/1.809 mm/1.485 mm
  • Radstand: 2.662 mm
  • Laderaum: 370 / 1.210 Liter
  • Gewicht: 1.350 kg
  • Tankvolumen: 48 Liter
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 9,6 Sekunden
  • Normverbrauch: 3,9 Liter Diesel
  • Marcus

    Bitte die Benzinmotoren anführen – die liegen beim CO2 fast gleichauf!
    Die Diesel-Entwickler haben uns ja (das hat sich seit September 2015 herauskristallisiert) alle ausnahmslos punkto Real-Abgaswerte speziell NOx zum Narren gehalten: Statt 180 mg/km (Euro 5) bzw. 80 mg (Euro 6) stoßen bis auf einige in den USA verkaufte (!) BMW-Modelle beim Fahren abseits der Normtests alle Diesel-PKW 300 bis 600 mg NOx/km aus. Ob mit oder ohne illegaler Abschaltsoftware – die Autos schaffen die Grenzwerte nur im Normtest. Beim Renault 1,6 dci hat sogar die DHU nachgewiesen, dass er im neuen neuen Espace beim einem zukünftigen WLTP Testzyklus sagenhafte 900 mg/km ausstößt. Das entspricht dem Ausstoß eines 80er Jahre-Diesel!!?!
    Gott sei Dank, liegen die Benziner beim Realbetrieb in punkto NOx ungefähr dort, wo sie auch im Normtest liegen (sie fahren schließlich immer mit derselben Mischung lambda=1), nämlich bei typischerweise 6 bis 45 mg NOx/km. Grob gesagt mehr als 10x sauberer!! Das ist Fortschritt, in meinen Augen. Bis die Real-Schadstoffe auf Benzinerniveau sind, oder wenigstens unter dem Euro-Grenzwert, sollte man den Diesel-Anbietern wirklich die rote Karte zeigen!

    • Marcus

      Ich muss mich korrigieren: DUH (deutsche Umwelt-Hilfe), nicht DHU! Sorry!

pixel