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Cross Allover
 

Vergleich: Nissan Qashqai, Hyundai iX35, VW Tiguan

Mehr Auto gleichzeitig gibt’s sonst nirgends. Der neue Qashqai ist vom ­eigenständigen Crossover in den scharfen Wind der SUV-Mittel­klasse hineingewachsen, die bisher von VW Tiguan und Hyundai iX35 beherrscht wurde.

07.04.2014 Autorevue Magazin

Ob das Berechnung, Genialität oder Zufall war, interessiert uns eigentlich gar nicht mehr. Tatsache ist, der Nissan Qashqai stellt eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der jüngeren ­Automobilgeschichte dar. Sozusagen in einem modellpolitischen Vakuum stand er vor sieben Jahren plötzlich wie ein Guru da und scharte Käufer um sich, die davor alle nur denkbaren anderen Autos hatten. Die Herzen flogen ihm gerade so zu. Er hatte gewissermaßen das richtige Maß. Und wenn man versucht, dieses Phänomen auf den Punkt zu bringen, so findet man doch ­einen Grund für den überraschenden wie überragenden Erfolg aus dem Stand heraus: Er war das erst Sports Utility Vehicle ohne Geländewagenanspruch. Der Crossover war geboren.

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Auch wenn sich die deutsche Tastatur noch immer gehörig gegen das Eintippen des Namens stemmt, jetzt kommt die zweite Auflage des Qashqai. Grund genug, ihn mit zwei anderen höchst erfolgreichen Fahrzeugen ähnlichen Zuschnitts zu vergleichen: Hyundai iX35 und VW Tiguan. Beide sind mit ganz ähnlicher Diesel-Motorisierung in Kombination mit Sechsganggetriebe zu haben, auf Wunsch auch mit Allradantrieb.

Sehen wir uns genauer um. Die Preisliste beginnt bei rund 20.000 Euro.

Das sind ziemlich nackte Benziner. Die beliebteste Motorvariante wird wohl angesichts neuer Steuerlasten der schwächere Diesel werden. Wir haben uns trotzdem für die stärkeren Diesel (130 bis 140 PS) entschieden, und zwar gleich mit Allradantrieb, schließlich wollen wir auch den Spaßfaktor bis an seine Ränder ausleuchten.

vergleich nissan Qashqai_vw Tiguan Hyundai ix35 hintenEher 30.000 als 20.000 Euro

Hyundai und VW wären auch noch mit extrastarken Motor­varianten zu haben, nämlich mit 184 bzw. 177 PS. Und drei verschiedene Automatikgetriebe stünden zur Wahl: der Nissan mit xtronic, einem CVT-Getriebe ähnlich der Audi multitronic (nur in Kombination mit Frontantrieb), der VW mit DSG und der Hyundai mit herkömmlicher Wandlerautomatik.

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Dies ist nicht die Klasse, in der Innovation gepredigt wird, die Anzahl der Sensoren hinter dem Rückspiegel ist überschaubar. City-Notbremse hat nur der Nissan.

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Sehr praktisch: originell klappbarer doppelter Kofferraumboden. Beide Features sind erst bei gehobener ­Ausstattung enthalten.

Auf dem Weg durch die Preisliste nach oben stellten wir sehr schnell fest, dass man für ein anständig ausgestattetes Modell dann eher schon gegen 30.000 Euro tendiert und mitunter auch locker drüberspringen kann, wie unser Beispiel zeigt. Man bekommt nichts geschenkt. Die gehobene Sitzposition und ein bisschen mehr Laderaum kosten gegenüber einem sonst größenmäßig vergleichbaren Auto der Kompaktklasse richtig Geld, ­sagen wir einmal 5.000 bis 7.000 Euro.

Leistung versus Gewicht

Fahren wir los: Mehr Motorleistung und Drehmoment, das ist im Wesentlichen das Geheimnis hinter der hohen Agilität des VW Tiguan. Dazu kommt noch die eher sportliche Gesamtaus­legung. Der Tiguan wirkt sehr spontan, präzise und wendig. Er lässt sich seine Dimensionen im Fahrgefühl beileibe nicht anmerken. Die neue Größe des Qashqai ist ein gewisser Risikofaktor auf einer künftigen Erfolgsskala. Es sind nur wenige Zentimeter, im ­Gefühl ist er aber deutlich gewachsen, das ist einerseits gut und auch wieder nicht. Eine ­gewisse Leichtigkeit war ein wesentliches Merkmal des alten Qashqai, jetzt hat er sozusagen die Unschuld verloren, jetzt reiht er sich nahtlos in die Riege der SUV-Mittelklasse ein. Weniger Motorleistung gegenüber den anderen kann der Qashqai mit geringerem Gewicht kompensieren, was sich übrigens auch im Verbrauch sehr positiv auswirkt, doch davon später. Am wenigsten Temperament und Akkuratesse in der Bewegung zeigt der Hyundai.

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Die Qualität des Sitzens

Im Tiguan fühlst du dich auf Anhieb exakt hinter dem Lenkrad platziert, während man in den anderen beiden ein bisschen ungefähr sitzt. Da kann man die verstellbaren Lenkräder drücken und ziehen, wohin man will. Nicht dass die beiden Asiaten schlecht wären, wirklich nicht, aber der Deutsche kann das trotzdem noch besser. Diese Logik setzt sich auf der Rückbank fort, wo es durchaus signifikante Auswirkungen auf den Reisekomfort gibt. Während sich im Tiguan die Beine bei voller Schenkelauflage entspannen können, zwingt einen die Geome­trie bei den anderen beiden trotz des ausreichenden Platzes zu hochgezogen angewinkelten Knien. Da ist spätestens in St. Pölten Schluss mit lustig, von Wien aus gesehen, nicht von Bregenz. Zudem ist auch die Kopffreiheit beim Tiguan am besten.

vergleich nissan qashqai vw tiguan

Wenn die Beinfreiheit passt, aber die Schenkelauflage nicht, wird’s auf Dauer trotzdem ungemütlich. iX35 und Qashqai (links) sind dem Tiguan (rechts) ergonomisch klar unterlegen. Letzterer hat auch noch die bessere Kopffreiheit hinten.

Design: In alter Frische

Zwei wichtige Beobachtungen: Nissan ist es tatsächlich gelungen, aus der Allianz mit Renault eine Win-Win-Situation herzustellen, jedenfalls hier im Falle des Qashqai. Man spürt, dass er wirklich neu ist und einen sehr leisen und sparsamen Antrieb hat. Er ist ein vergleichsweise leichtes Auto, das sich aber massiv und stabil anfühlt. Seine extrem schmalen Karosseriespalten ­erzeugen zusätzlich einen hohen Qualitätseindruck. Der Verbrauch ist sensationell niedrig, und die Ausstattungsmög­lich­keiten in Richtung Sicherheit und Kommunikation sind am ­weitesten gesteckt, wenngleich dieser Fahrzeugklasse in Sachen Innovation keine Pionierrolle zukommt. Der Tiguan wirkt trotz seiner Jahre in seinem Verhalten noch immer sehr frisch. Der Hyundai ist braves Mittelmaß.

Die Entscheidung: Der Verbrauch

In ihren Normverbrauchsangaben liegen die drei sehr knapp ­beisammen, im wahren Leben klaffen die Ergebnisse aber weit auseinander. Der Hyundai ist ein Ausreißer (siehe Datenkasten). Der Gegencheck in Internetforen und bei Verbrauchsrechnern hat aber ergeben, dass unsere Ergebnisse durchaus realistisch sind. Tatsächlich verbraucht ein VW Tiguan signifikant weniger Sprit als ein Hyundai iX35, wie die Erlebnisse Tausender Besitzer widerspiegeln. Zum Qashqai gibt’s ja noch kaum Erfahrungen außer unsere Autorevue-Verbrauchsrunde. Er war in unseren Händen noch etwas sparsamer als der Tiguan, wahrscheinlich profitiert er von den rund 100 kg weniger Eigengewicht am meisten.

Gönn dir was in diesen Tagen

Preislich werden gewohnte Hierarchien streng eingehalten.
Der Nissan versucht ein verlockend gutes Verhältnis zur ­Leistung anzubieten, ohne dabei in den Verdacht des Diskonters zu geraten. Hyundai erfüllt die Erwartungen an einen Preiskämpfer, aber durchaus ohne etwas zu verschenken. Die selbstbewusste Preisgestaltung beim Tiguan könnte angesichts zu­sehends schrumpfender finanzieller Bewegungsfreiheit vieler Haushalte in Ablehnung münden. Aber was soll’s: Man gönnt sich sonst ja eh immer weniger.

Das Ergebnis

Der VW Tiguan stellt als Klassenprimus jeweils 100 Prozent dar. Die beiden anderen können besser oder schlechter sein.

Außenwirkung

Am äußeren Erscheinungsbild merkt man, wie hart der Wettlauf mit Zeit und Mode ist. Da hat das jüngste Modell meistens einen Vorteil. Der Nissan wirkt tatsächlich am frischesten. Hyundai ist recht hübsch, aber wenig aufregend, der Tiguan wirkt schon ein wenig älter, dafür aber schon wieder originell durch Geländewagen-Touch.

autorevue-vergleich_Qashqai_Tiguan_Hyundai-aussenwirkung

Die Kriterien: Image der Marke, Größe und Aussehen des Autos, verbreitete Vorurteile gegenüber -idealisierten Fahrern des Autotyps.

Fahrgefühl

Der Tiguan hat den kräftigsten Motor, zeigt ein unheimlich präzises und -agiles Fahrverhalten mit kaum spürbar verzögertem Eingriff des Allradantriebs.
Er fühlt sich schlanker und leichtfüßiger an. Der Hyundai wirkt massiger und in jeder Hinsicht etwas träger. Der Nissan liegt genau dazwischen.

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Die Kriterien: Fahrverhalten (Straßenlage, Agilität des Fahrwerks, Leichtigkeit in der Bewegung), Lenkung und Bremsen (Direktheit, Präzision) und vor allem: Wie viel Freude löst das jeweilige Auto beim Fahren aus?

Raum und Komfort 

Die Quadratur des Innenraumkreises versteht VW am besten. Er bietet die beste Beinauflage und Kopffreiheit hinten. Vorne sitzt man sowieso erstklassig. Der Hyundai ist nominell das größte Auto, wirkt aber gefühlsmäßig enger, irgendwie vollgestopft. Auch hier bietet der Nissan gutes Mittelmaß.

autorevue-vergleich_Qashqai_Tiguan_Hyundai-raum-und-komfort

Die Kriterien: Platzangebot nach Zentimetern, vor allem aber nach Nutzbarkeit. Ergonomie, Atmosphäre.

Emotionen 

Dass in dieser Kategorie ein nüchterner VW hervorsticht, ist die eigentliche Über-raschung. Sein Temperament verleiht ihm Fröhlichkeit, sein Design, das noch ein wenig Offroad-Feeling verspricht, ebenso. Die anderen beiden leiden etwas darunter, dass selbst Design mittlerweile zum Massengeschmack hin durchoptimiert wird.

autorevue-vergleich_Qashqai_Tiguan_Hyundai-emotionen

Die Kriterien: Qualitätsanmutung, Liebe zum Detail, Image, Haptik, Design. Wie wohl fühlt man sich im Auto? Wie gerne führt man es seinen Bekannten vor?

Sicherheit 

Alle drei sind sichere Autos, die durch schiere Masse schon einen gewissen Schutz für die Insassen bieten. Auf die wegweisenden Assistenzsysteme muss diese Klasse offenbar noch warten. Einen Notbrems-Assistenten gibt’s bei Nissan, aber nicht im Basismodell. Crash-Ergebnisse vom Qashqai stehen noch aus.

autorevue-vergleich_Qashqai_Tiguan_Hyundai-sicherheit

Die Kriterien: Ausstattung (Airbags, ESP, Gurtstraffer …), Bremsen in Wirkung und Gefühl, Licht, Scheiben-wischer, Übersicht, Crashtests.

Wirtschaftlichkeit 

Nissan und Hyundai erfordern ausstattungsbereinigt einen ähnlichen Kapitalaufwand. Der VW Tiguan ist teurer. Der Hyundai verbraucht deutlich mehr. In der Endabrechnung trauen wir dem Nissan einen ersten Platz als Wirtschaftlichster zu, auch wenn der VW einen Teil seines Mehrpreises beim Wiederverkauf wieder reinspielt.

autorevue-vergleich_Qashqai_Tiguan_Hyundai-wirtschaftlichkeit

Die Kriterien: Kaufpreis, Ausstattung, Extra-Preise, Service-Intervalle, Steuern, zu erwartender Wertverlust.

  • Thomas

    dass ^^

  • Thomas

    Zum VW und zum Nissan kann ich nichts sagen, aber aufgrund meiner letzten beiden Erfahrungen muss ich sagen, das Hyundai für mich noch immer kein Qualitätsfahrzeug ist, obwohl sie sich sicherlich schon stark gebessert haben…

    2 Beispiele seien genannt:

    1.) Letztes Jahr aus Interesse und weil es mir während der Auto Emotion-Messe fast aufgedrängt wurde ein Genesis Coupe probegefahren. Das erste was beim Einsteigen auffällt ist die teils echt billige Materialanmutung (Mittelkonsole, div. Hebel & Knöpfe usw.). Beim verstellen des teilelektrischen Fahrersitzes hält man dann auf einmal den Hebel für die Höhenverstellung in der Hand. Billigstes Plastik und das bei einem neuen Auto mit einem (Fantasie-)LP von €37000,-… Die absolut schwachen Verkaufszahlen des Genesis sprechen für sich, obwohl er sich zumindest im Neuzustand nicht schlecht fährt!

    2.) Vor drei Wochen in einem IX35 mit Dieselmotor und 77000km am Tacho mitgefahren. Permanentes sehr starkes Knarzen vom Amaturenbrett kommend im Innenraum und die Hinterachse polterte und werkte bei jedem Mini-Schlagloch und jeder Unebenheit als sei das Auto mindestens 15 Jahre alt. Naja, 77t km sind noch nicht sooo eine Laufleistung, dass DAS was das Fahrwerk da abgeliefert hat zu akzeptieren wäre.

    Der günstige Neupreis in Kombination mit zahlreichen Leasingangeboten stellt sicher für viele eine große Verlockung dar, aber ich würde mir sicher keinen Hyundai kaufen. Da wirds lieber ein guter Gebrauchter!

  • jenner

    Mich interresiert jetzt nur ,aber man wird es leider
    nie erfahren ,wieviel Geld sie von VW für diesen
    Artikel kassiert haben.
    Einen größeren Mist habe ich als Tiguan-Fahrer noch
    nicht gelesen.

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