Freihandelszone USA EU Crashtest NCAP VW Golf Audi A1 Chicken Tax
Als ob irgendeiner der Crashtests die Wirklichkeit abbilden würden...
 

Seid einig

Das mit dem amerikanischen Markt könnte so einfach sein für die europäischen Hersteller. Gäbe es mehr Crash-Verständnis und eine Freihandelszone.

25.07.2013 Online Redaktion

Es war nie geplant den Audi A1 in den USA zu verkaufen. Deswegen wurde das Auto auf den europäischen Crashtest hin entwickelt. Als das Auto schon fertig war, änderte Rupert Stadler, CEO der Audi AG, seine Meinung. Das Auto solle doch zu uns. Für die Ingenieure eine unlösbare Aufgabe. Der Audi A1 könnte nie die US-Crashtests auf einem Niveau bestehen, mit dem Audi zufrieden wäre. Also wurde der US-Marktstart auf die nächste Generation verlegt.

Mehr Beispiele? Der VW Golf ist ein Gutes. In Deutschland und Österreich ist das Auto ja so etwas wie der Identitätsstifter einer ganzen Generation. Hierzulande kommt der Golf gerade in der Gesellschaft an. Obwohl er nicht ganz so günstig ist wie er sein könnte.

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Martialisch.

Das hat unter anderem den Grund, dass es bei uns keine allgemeine Gurtpflicht gibt. Der Airbag im Auto muss also so ausgelegt sein, dass er auch Insassen schützt, die nicht angeschnallt sind. Deswegen gibt es bei uns auch eine Vorschrift für seitliche Vorhang-Airbags. Außen braucht der US-Golf außerdem einen härteren Stoßfänger, um den Crashtest bei fünf Meilen pro Stunde zu bestehen. In Europa würde dieser Stoßfänger gute Noten bei der Fußgängersicherheit verhindern. Außerdem verbieten wir aktive Frontleuchten und verlangen ein leicht abgeändertes Glas für die Windschutzscheibe.

Keine Freihandelszone, mehr Kosten

Für all diese unterschiedlichen Ansprüche müssen die Hersteller doppelte Entwicklungsarbeit leisten. Das kostet Geld. Ein Mehraufwand, den die Firmen an den Kunden weitergeben müssen. Aber jetzt kommt Bewegung in die Sache. Denn Vertreter der USA und Europa versuchen gerade eine Freihandelszone zu entwerfen. Also so etwas wie die NAFTA oder die EU, nur eben zwischen den USA und dem alten Kontinent.

Es wird Jahre dauern, wenn nicht Jahrzehnte, bis es soweit ist. Hier aber mal ein kleiner Kompromissvorschlag: erkennt einfach eure Standards bei Automobilen an! Erbsenzähler dies- und jenseits des Atlantiks versuchen seit Jahren den Crashtest des jeweils anderen als Unsinn zu entlarven. Die Wahrheit ist: beide sind gleich gut, oder gleich schlecht, gleich sinnlos oder gleich sinnvoll. Oder kurz: das Unmögliche fordern (Freihandelszone), das momentan beste (Anerkennung der Standards) erreichen.

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Haben derzeit andere Probleme.

Chicken-Tax statt Freihandelszone

Und dann gibt es da noch das Problem mit den Hühnchen. Die Chicken-Tax. Ein Relikt aus den 1960er Jahren, das als erstes fallen wird. Damals hatten Hühnerfarmen in den USA Hochkonjunktur. Was den Preis für das Fleisch in den Keller fallen ließ. Ausgleich sollte der Export nach Europa bringen. Doch dort zerschlugen unsere Dumping-Hühner den heimischen Markt. Also führte Europa, allen voran Konrad Adenauer, der deutsche Kanzler, einen Strafzoll auf Hühnerfleisch ein.

Lyndon B. Johnson, unser damaliger Präsident, rächte sich mit einem Zoll auf Light Trucks. Eine Steuer, die vor allem den sehr beliebten VW Bulli treffen sollte. Noch heute werden 25 Prozent fällig, will jemand einen Light Truck aus Europa einführen. Nur 2,5 Prozent sind es bei anderen Fahrzeugklassen. Aber selbst das summiert sich. Eine Milliarde Euro haben deutsche Hersteller für den Fahrzeugexport an den amerikanischen Fiskus überwiesen im Jahr 2012.

Ein Grund mehr, warum Volkswagen seinen Topseller, den Jetta, zusammen mit dem Beetle in Mexico produzieren lässt – ein NAFTA Staat. Andererseits, wenn man es den deutschen Herstellern zu einfach machen würde, dann

god bless america.

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