Die Über­setzung des HY taugt auch für Berge. Der Fahrer braucht nur Geduld, auch beim Abwehren der Kaufangebote.
Die Über­setzung des HY taugt auch für Berge. Der Fahrer braucht nur Geduld, auch beim Abwehren der Kaufangebote.
 

Unser Wellblechofen: Citroën HY, Bj. 1973

Die Kennenlernphase ist ­bekanntermaßen die spannendste mit einem neuen alten Auto. Neue Dinge werden ­gelernt und entdeckt.

20.08.2014 Online Redaktion

Erste Ausfahrt

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Unser redaktionseigener ­Citroën HY feierte quasi ums Eck in Tulln Premiere – die erste weite Ausfahrt zum Salzburger Gaisbergrennen traf mich. Eine Zusammenfassung:

Es beginnt mit der Merk­arbeit: Die Erste ist rechts hinten, die Zweite links vorne, die Dritte links hinten. Fährt sich wie ein Viergangler, dem die Dritte fehlt. In der Praxis, beladen mit einer halben Palette Autorevue-Magazinen: Zweite auswringen, kuppeln, Dritte suchen, in ein schönes Drehzahlloch fallen – und warten, bis nach einer gefühlten Viertelstunde WARP1 erreicht ist. Was etwa 88 km/h im Windschatten eines LKW entspricht.

Schön: Man trifft immer Freunde.

Schön: Man trifft immer Freunde.

Die Sitze sind ergonomisch einwandfrei, bringen Urlaubsfeeling ins Auto. Mit dem Unterschied, dass Zweibeinliegen atmungsaktiver als Siebzigerjahre-Plastik sind. Der Rest – Lenkrad und Pedalposition – ist weniger prickelnd. Den sprichwörtlichen „Aff’ auf dem Schleifstein“ gibt es tatsächlich. Die Anzahl der aufgelassenen Parkplätze entlang der Westautobahn entspricht proportional dem Verspannungsgrad des Rückens.

Walter Röhrl ließ sich nicht lange bitten, fand es aber sehr lustig,  als er sah, was es zu signieren galt.

Walter Röhrl ließ sich nicht lange bitten, fand es aber sehr lustig, als er sah, was es zu signieren galt.

Der Regensensor samt ­Intervallschaltung ist serien­mäßig im Fahrer integriert, ebenso der Abstandstempomat. Mit erweiterten Pupillen musste ich feststellen, dass meine Kalibrierung auf innenbelüftete Scheibenbremsen ausgelegt war – nicht auf vier bremskraftverstärkerlose Trommeln. Uaah.

Bleibt eines offen: Kann mir jemand erklären, wie man bei Selbstmördertüren und Trittstufe würdevoll einsteigt?

Christoph Jordan

 

Fuglau, Novarock und Ennstal Classic

Über ­unseren Citroën HY haben wir während der ersten 2000 Kilometer gelernt, dass der Bei­fahrer bei Regenwetter damit beschäftigt ist zu wischen. Es regnet nämlich hinein. Bei den Türen und der Windschutzscheibe. Und manchmal – da sind wir uns beinahe sicher – regnete es auch von unten. ­Außerdem schreit und kreischt die Tachowelle regelmäßig. ­Alles Probleme, die wir demnächst lösen werden.

Wir tränten als uns am Weg zu den 24 Stunden am Nordring in Fuglau der Auspuff abriss.

Wir tränten als uns am Weg zu den 24 Stunden am Nordring in Fuglau der Auspuff abriss.

Zuerst galt es allerdings, den Auspuff zu schweißen. Der fiel nämlich auf dem Weg zu den 24 Stunden von Fuglau ab. Der Fahrer hört das übrigens nicht, dafür ist der Wagen zu laut.
Er riecht es irgendwann. Glück im Unglück: Wir konnten den Auspuff in Fuglau vor Ort – in der Boxengasse – schweißen.

Auf dem Novarock hätte das wohl nicht funktioniert. Dort diente uns der HY als Zelt. Auch hier haben wir ­gelernt. Nämlich die Lektion, dass man im Hochsommer nicht in unklimatisierten ­Wellblechkonstruktionen schlafen möchte.

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Balsam für die derart ­gebackene Seele war die Enns­tal-Classic. Dort lernten wir, dass der HY spielend jeden Berg hochkommt. Oben könnte er dann spielend verkauft werden. Zumindest fragte ­jeder zweite Ennstal-­Besucher nach dem Preis. Dazu sind wir aber zu verliebt.

Michael Szemes

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