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1965 – Das Jahr: Unser Jahr eins

Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten.

01.06.2009 Autorevue Magazin

Hans-Joachim Kulenkampff ist Krawattenmann des Jahres, Hans-Peter Tschudi wird Bundespräsident der Schweiz. Artur Fischer erfindet 1965 einen Baukasten und benennt ihn der Einfachheit halber nach sich selbst: Bis heute ist Fischertechnik fixer Bestandteil von Kinderzimmern, in denen kleine Techniker die große Welt nachbauen.
Ein wichtigstes Ereignis der Welt ist freilich das erstmalige Erscheinen der Autorevue, das legendäre Julius-Weitmann-­Cover mit der erleuchteten Rohkarosserie des Porsche 904 sollte stilbildend werden für die Richtung, den die junge Automobilzeitschrift einzuschlagen anstrebte: Durchblick, aber sinnlich.
In Österreich amtiert Josef Klaus als Kanzler einer großen Koalition, der Wahlkampf für die 1966er Nationalratswahl läuft an, sie wird die erste ÖVP-Alleinregierung der Nachkriegszeit bringen. Am 28. Februar verstirbt Adolf Schärf, dritter Bundespräsident der Zweiten Republik, 85-jährig. Sein Nachfolger wird Franz Jonas, für den die Präsidentenvilla angeschafft wird. Jonas wohnt bis dahin im Gemeindebau, nicht überaus repräsentativ für ein Staatsoberhaupt. Franz Jonas war übrigens gelernter ­Arbeiter, ein Novum im Amt des Bundespräsidenten.
Auch Leopold Figl verstirbt 1965, zehn Jahre nach Abschluss des Staatsvertrages. Er wird in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof beigesetzt.
Was in Südvietnam keimt, wächst sich zum Krieg aus: Der von Nordvietnam unterstützte Vietcong (Nationale Front für die Befreiung Südvietnams) kämpft gegen die offizielle ­Regierung, am 2. Mai 1965 greifen die USA mit der Bombardierung Nordvietnams in den Konflikt ein.
Auch in Rumänien rückt ein Name ins Zentrum, der dort viel zu lange bleiben wird: Nicolae Ceausescu wird Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, es soll 25 Jahre lang dauern, bis er und der Kommunismus seiner Prägung Geschichte sind.
1965 wird der Mont Blanc-Tunnel eröffnet, er ist mit 11,2 km der damals längste Straßentunnel der Welt. Auch auf anderem Gebiet leistet Frankreich Epochales: Der erste Satellitenstart ohne Beteiligung der USA oder UdSSR gelingt von Algerien aus. Der 42-kg-Satellit hieß Asterix, war für eine Lebensdauer von mehreren Jahrhunderten ausgelegt, seine Signale fielen dennoch schon nach zwei Tagen aus. Er kreist seither wirkungslos.
Auch die Tierwelt hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen: Auf Tonga stirbt die Schildkröte Tu’i Malila. Sie war der ­Königsfamilie vom Weltumsegler James Cook geschenkt worden und mit mindestens 188 Jahren die älteste Schildkröte der Welt. Tu’i Malilas Körper hat balsamiert bis heute tadellos überlebt.
Monumentales auch auf der Kinoleinwand: Dr. Schiwago mit Omar Sharif, Julie Christie, Sir Alec Guinness, Klaus Kinski und Geraldine Chaplin kommt in die Kinos. Der Film gewinnt fünf Oscars, für weitere fünf ist er nominiert. Entspricht alles irgendwie seiner Länge von 197 Minuten.
Noch länger dauert der Stromausfall, der am 9. November den Nordosten der USA lahmlegt, aber eben nicht komplett: Neun Monate später wird ein Babyboom registriert. Babys gibt’s freilich auch 1965, manche davon sollen später berühmt werden, zum Beispiel: Stéphanie von Monaco (Tochter), Linda Evange­lista (kanadisches Fotomodell), Tom Tykwer (deutscher Film­regisseur und Produzent), Brooke Shields, Eliza­beth Hurley, Julia Stemberger (Schauspielerinnen), Stéphane Peterhansel (Rallyefahrer), Björk (Sängerin), Joanne K. Rowling (Schriftstellerin und Harry Potters Mutter).

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