Entgegen der Prognosen fuhr VW im 2. Quartal 2013 mehr Gewinne ein als im Vergleichszeitraum 2012.
Entgegen der Prognosen fuhr VW im 2. Quartal 2013 mehr Gewinne ein als im Vergleichszeitraum 2012.
 

Überraschend gutes zweites Quartal 2013 bei VW

Porsche und neues Produktionssystem wirken sich positiv aus, der chinesische Markt boomt – Kernmarke VW spürt Krise aber deutlich

01.08.2013 APA

Nachdem das erste Quartal für VW mit starken Gewinneinbrüchen einherging, konnten die Wolfsburger im zweiten Quartal überraschend ein Gewinnplus verzeichnen. Das operative Ergebnis kletterte von April bis Juni um knapp 2 Prozent von 3,38 auf 3,44 Mrd. Euro, wie Europas größter Autobauer am Mittwoch mitteilte – und das trotz der anhaltenden Krise in Europa. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 5,5 Prozent gerechnet.

Baukastensystem MQB bringt Einspareffekte

Als Grund für den Anstieg sehen Experten zunehmende Einspareffekte durch das neue Produktionssystem, bei dem Volkswagen zunehmen gleiche Teile und Baugruppen verwendet. Der Umsatz legte um 8,5 Prozent auf 52 Mrd. Euro zu.

VW bestätigt Ziele für 2013

Das Erreichen der Ziele für das Gesamtjahr 2013 scheint somit wieder realistisch. VW hat nach sechs Monaten die Hälfte seines angepeilten operativen Gewinns von 11,5 Mrd. Euro erreicht. „Der Volkswagen-Konzern steht unverändert zu seinen Zielen für das laufende Geschäftsjahr“, bekräftigte Winterkorn. Dazu gehören auch Zuwächse bei Umsatz und den Verkaufszahlen – die schienen aber im Gegensatz zum prognostizierten Gewinn ohnehin nie in Gefahr.

Porsche und chinesischer Markt bringen Auftrieb

Dass es auch auf der Ergebnisseite wieder besser aussieht, haben die Niedersachsen vor allem ihrer jüngsten Tochter Porsche und ihrem boomenden Chinageschäft zu verdanken. Die Sportwagenschmiede steuerte seit Jänner knapp 1,3 Mrd. Euro operativen Gewinn bei – und schlüpfte dabei erst im August 2012 komplett unter das Konzerndach. Vorher flossen die Gewinne noch gar nicht in das operative Ergebnis ein – insofern sind die Halbjahresgewinne eigentlich nur bedingt vergleichbar. Klar ist aber: Porsche zieht. Die Schwaben kommen mit ihren 78.000 Autos zum Halbjahr fast auf so viel Ebit-Beitrag wie die Kernmarke VW-Pkw, die im selben Zeitraum fast 2,4 Millionen Fahrzeuge losschlug und damit knapp 1,5 Mrd. Euro Ebit erreichte.

Volkswagens mit Abstand größter Einzelmarkt China warf in diesem Jahr bisher 2,34 Mrd. Euro für den Konzern ab. Dieses Geld findet sich wegen der Geschäftsstruktur der deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen aber nur im Finanzergebnis der Wolfsburger wieder und treibt nicht den operativen Gewinn nach oben. Dafür treibt China den Konzernabsatz: Mit 1,54 Millionen Autos legten die Verkäufe bis Juni um fast ein Fünftel zu. Dadurch kletterte auch die weltweiten Auslieferungen um gut fünf Prozent (4,8 Millionen).

Kernmarke VW spürt Krise deutlich

Dagegen spürt Volkswagens Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf oder Passat die Krise in Europa an allen Ecken und Enden. Mit knapp 1,5 Mrd. Euro lag ihr operativer Gewinn im ersten Halbjahr rund ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Im ersten Quartal war er sogar um rund die Hälfte eingebrochen. Die Vertriebskosten, die den Trend zu Rabatten widerspiegeln, liegen rund 700 Mio. Euro über dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2012.

Gewinneinbußen trotz Absatzzuwächsen bei Audi

Auch die Schwestermarke Audi büßte trotz satter Zuwächse beim Absatz Gewinn ein. Auch dort wird zur Erklärung auf den Rabattdruck verwiesen; der Konzern könne sich dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen nicht vollständig entziehen.

Weltmarktführer Toyota will sich nicht überholen lassen

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Toyota will unbestätigten Meldungen zufolge noch dieses Jahr eine Schallmauer der Branche durchbrechen und erstmals mehr als 10 Millionen Autos produzieren. VW hatte sich diese Marke für 2018 beim Absatz gesetzt – Konzernchef Winterkorn deutete jedoch bereits an, dass die Marke früher fallen könne. Mit einem neuen Langfrist-Ziel hält sich VW bisher zurück.

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