1976 Das Jahr Mercedes W123
Als die Krägen noch lang, die Hosen unten noch weit und die Haare schön wellig geföhnt waren.
 

1976 – Das Jahr: Tür, Gurt, Start!

Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein.

28.04.2011 Autorevue Magazin

Das Jahr, in dem Ulrike Meinhof starb und Georg Friedrich Prinz von Preußen, aktueller Thronanwärter von Deutschland, geboren wurde: ein Jahr der Gegensätze.

1976 Das Jahr Mercedes W123 Ulrike Meinhof

Meinhof hat sich in ihrer Zelle im Gefängnis Stuttgart-Stammheim (höchstwahrscheinlich) selbst erhängt. Ihr Tod leitete das Ende der ersten Generation der RAF ein, im Jahr darauf folgte ihr mit Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe ein Großteil der restlichen Führungscrew in den Freitod. Deutschland konnte beginnen, sich langsam vom Ausnahme­zustand zu verabschieden.

Österreich, trotz Bruno Kreisky weltpolitisch und auch sonst nur von mittlerer Bedeutung, war vom Terrorgeschehen der Siebzigerjahre nur am Rande betroffen. Im Jahr zuvor hatte sich das Land noch bei der Verabschiedung der OPEC-Terroristen auf dem Flughafen Schwechat lächerlich machen dürfen (Innenminister Otto Rösch hatte Carlos, dem Chef der Entführer, die Hand geschüttelt). Und Ende 1976 überfiel die Deutsche ­Waltraud Boock gemeinsam mit einem Komplizen, der vielleicht ihr damaliger Ehemann Peter-Jürgen Boock war (offizielles RAF-Mitglied), eine Bank in Wien, wurde aber von Passanten verprügelt und sodann eingesperrt (der Komplize nicht).

Anderer Umgang mit der Materie in der ugandischen Hauptstadt Entebbe im Sommer 1976. Die acht arabischen und zwei deutschen Terroristen hatten es auf die große Mehrheit der jüdischen unter den 103 Geiseln in der entführten Air France-Maschine abgesehen. Ein israelisches Kommando befreite am 3. Juli die Geiseln (drei kamen dabei ums Leben), ­tötete sieben Terroristen und 45 ugandische Soldaten, die die Terroristen unterstützt hatten. Die Israelis verloren einen Mann: ihren Anführer Jonathan Netanjahu, den Bruder des derzeitigen Ministerpräsidenten.

Nicht, dass hier nichts passiert wäre. So herrschte ab 1. Juli Gurtenpflicht. Im März gab Bundeskanzler Bruno Kreisky bekannt, dass er die palästinensische Befreiungsorganisation PLO anerkennen wolle. Zufällig kurz darauf verkündete die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder), ihren Hauptsitz in Wien belassen zu wollen. Und ein paar Tage später kam der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat nach Wien, um sich über den „Sozialismus österreichischer Prägung“ zu informieren. Kreiskys Hang zu allem Arabischen hat ihm nicht nur Freunde eingebracht, naturgemäß zu allerletzt in Israel.

Einer anderen Figur aus Österreich vertraute 1976 noch die Welt, was sie später nicht mehr tun sollte: Im Dezember wurde Kurt Waldheim als UNO-Generalsekretär wiedergewählt.

Und dann, am 1. August – dem Tag, an dem Niki Lauda am Nürburgring verunglückte – stürzte um 4.43 Uhr in der Früh die Wiener Reichsbrücke ein. Dass es nur einen Toten gab, ist der frühen Uhrzeit zu verdanken.

1976 – ein Jahr auch der Luftfahrtkatastrophen. Im März stürzte eine Iljushin der Aeroflot ab (127 Tote), im September eine Boeing 727 der Turkish Airlines (176 Tote). Der spektakulärste Unfall passierte aber im jugoslawischen Luftraum, als eine DC-9 der Inex Adria Aviopromet mit einer Trident der British Airways zusammenstieß, indem zunächst die Flügelspitze der DC-9 durch das Cockpit der Trident säbelte. 176 Tote waren die Folge, am Boden wurde eine Bäuerin von Trümmern erschlagen.

Eine dagegen sehr bodennahe Katastrophe passierte am 6. Mai im italienischen Friaul: Als gegen 21 Uhr die Erde bebte, wankten in Kärnten die Maibäume. In Italien starben etwa 1000 Menschen, ein Vielfaches davon war monatelang obdachlos.

Aus dem Häuschen hingegen waren die Österreicher, und dies schon ein paar Monate vorher: Bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck holte Franz Klammer im Abfahrtslauf die Goldmedaille mit einem knappen Coming-from-behind-Sieg über den Schweizer Bernhard Russi.

1976 Das Jahr Mercedes W123

Neben der Gründung der Computerfirma Apple am 1. April und der ersten Marslandung am 20. Juli ist die Hochzeit zwischen der Deutschen Silvia Sommerlath und dem schwedischen König Carl XVI. Gustav von Gewicht. Carl Gustav ist ein Ururenkel der englischen Königin Victoria. Georg Friedrich Prinz von Preußen andererseits, aktueller Thronanwärter von Deutschland, ist ein Ururururenkel derselben. Somit gibt es auch hier einen Bezug.

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