Toyota Sports800 Sports 800 Oldtimer Test
Der erste Prototyp war 1962 zu bestaunen.
 

1962 – Veteran: Als alles anfing

Der Toyota Sports800 – unvergleichlich. Damals wie heute. Und eine emotionale Blaupause für 2000 GT und GT86.

07.05.2012 radical mag

Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es eine Zeit, bis die Automobil-Produktion wieder Schwung aufnahm. In Japan, schon vor dem Krieg nicht einer der großen Hersteller, brauchte es noch ein bisschen länger. Denn die Ressourcen waren knapp, vor allem Stahl war Mangelware. Doch Anfang der 60er Jahre lockerte die japanische Regierung die Weisung an die Hersteller, nur Limousinen und Lastwagen zu bauen, und so begannen der einstige Flugzeug-Konstrukteur Tatsuo Hasegawa und der Designer Shozo Sato mit der Konstruktion jenes Modells, das als erster Sportwagen von Toyota in die Geschichte eingehen sollte.

Dass es ein kleines, leichtes, aerodynamisches Fahrzeug werden würde, das war bei dieser Konstellation klar. 1962 wurde ein erster Prototyp, Publica Sport genannt, erstmals auf der Tokyo Auto Show gezeigt. Besonders seine Dachkonstruktion sorgte für Aufsehen, es ließ sich für den Einstieg in das winzige Gefährt aufschieben. Diese Konstruktion wurde für die Serienproduktion, die 1965 anlief, allerdings nicht übernommen, dafür erhielt der Sports800, wie der Wagen getauft wurde, das wohl erste herausnehmbare Dach der Welt (Porsche kam erst zwei Jahre später mit der ähnlichen Konstruktion auf den Markt – und ließ sich dafür den Namen „Targa“ sichern). Das Dachteil aus Aluminium konnte im Kofferraum verstaut werden.

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Der Publica Sport von 1962 wurde von einem gebläsegekühlten 2-Zylinder-Boxer-Motörchen mit Leichtmetall-Zylinderkopf aus dem Publica 700 angetrieben, das 28 PS stark war. Ein größerer Motor hätte gar nicht unter die sehr flach verlaufende Motorhaube gepasst.

Für die Serienversion, 3,58 Meter lang, 1,465 Meter breit, 1,176 Meter hoch, Radstand 2,20 Meter, wurde der Hubraum auf 790 ccm angehoben, die Leistung stieg dank einer schärferen Nockenwelle und zwei Einzelvergasern auf beachtliche 45 PS bei noch eher bescheidenen 5400/min. Damit war der dank der Verwendung von diversen Alu-Bauteilen nur gerade 560 Kilo schwere Toyota dann etwa 160 km/h schnell und ließ sich in 13,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Das war damals, Mitte der 60er Jahre, ziemlich grandios, ein Porsche war auch nicht viel schneller – trotzdem wurde der kleine Toyota kaum je im Rennsport eingesetzt.

Zwischen 1965 und 1969 wurden, wahrscheinlich, 3131 Exemplare gebaut, dies aber nicht bei Toyota, sondern bei den „Kanto Auto Works“. Das erste Jahr war das beste. 1235 Stück konnten verkauft werden. Bis 1969 sollten die Absatz auf 215 Stück absacken. Über die Jahre gab es auch einige technische und optische Anpassungen, ab 1966 gab es anständige Sitze (die ersten Modelle hatten bloß Sitzschalen als Aluminium), ab 1967 war der erste Gang synchronisiert, 1968 wurden Kühlergrill und Stoßfänger leicht modifiziert, und für das letzte Produktionsjahr gab es noch seitliche Positionsleuchten.

Etwa 300 Exemplare wurden auch mit Linkslenkung ausgeliefert, einige davon wurden auch in die USA gebracht, doch nach ausführlichen Testfahrten sah Toyota davon ab, den Wagen in den USA anzubieten. In Japan betrug der Neupreis 595.000 Yen – was damals ein stolzer Preis war.

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Erstaunlich eigentlich, dass Toyota das Projekt Sports800 nicht intensiver verfolgte, denn viele kleine Sportwagen gab es damals nicht. In Europa waren die Zwillinge Austin-Healey Sprite/MG Midget sowie der Fiat 850 Spider einigermaßen erfolgreich, andere Gefährte wie der Saab Sonett II, der Panhard 24 GT (der ebenfalls über einen 2-Zylinder-Boxer verfügte), der NSU Sport Prinz (und der noch seltenere NSU Spider mit Wankelmotor) wären wohl eine Konkurrenz gewesen, die der Toyota in die Schranken hätte weisen können.

Erwähnt sein muss in diesem Zusammenhang aber auch noch der Honda S600, der von 1964 bis 1966 gebaut worden war – und mit über 13.000 verkauften Exemplaren durchaus ein kommerzieller Erfolg wurde. Zwischen 1966 und 1970 erhielt der S600 (606 ccm, 57 PS) mit dem S800 (791 ccm, 67 PS) einen Nachfolger, von dem bis 1970 11.523 Exemplare gebaut wurden.

Man geht davon aus, dass nur etwa zehn Prozent der Sports800, die in Japan „Yota-Hachi“ (auf deutsch etwa: Toyota acht) genannt werden, bis heute überlebt haben. Das Exemplar, das auf den Bildern hier zu sehen ist, kam auf abenteuerlichen Wegen in die Schweiz. 1988 war der Sports800, Jahrgang 1966, nach Europa gebracht worden, um an einem Treibstoff-Sparwettbewerb teilzunehmen – und, wenn möglich, auch einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ zu schaffen. Neben einigen japanischen Zeitungen trat auch der Reifen-Hersteller Continental als Sponsor auf, deshalb wurde das Fahrzeug gelb lackiert.

Auf einem 8000 (!) Kilometer langen Parcours wurde der Toyota quer durch England gefahren und soll dabei einen Schnitt von rund 4 Litern auf 100 Kilometern erreicht haben. Das reichte zwar weder für den Sieg noch für den Eintrag ins „Guinness-Book“, den schaffte ein Diesel, doch es war trotzdem eine tapfere Leistung des kleinen Japaners.

Der deutsche Besitzer des gelben Sportwagens suchte daraufhin einen Käufer. Er bot den Sports800 auch der Toyota AG in Safenwil an. Davon hörte Mitarbeiter Peter Ernst: eigentlich war er ja auf der Suche nach einen 2000GT, doch die waren noch seltener und vor allem teurer, also kaufte er sich das Fahrzeug. Bevor der Toyota aber in der Schweiz zugelassen werden konnte, musste Ernst noch einiges an Arbeit in das Fahrzeug stecken. Doch unterdessen fährt der Sports800 seit 24 Jahren ohne größere Probleme, sein Besitzer ist mit ihm auch schon in die Ferien verreist. Wir fragen uns allerdings so ein bisschen, wie genau er das geschafft hat, denn das Platzangebot ist doch, nun, minimal. Wer grösser ist als 1,75 Meter, der braucht einen Schuhlöffel, damit er überhaupt im Rechtslenker Platz nehmen kann.

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Das Fahrvergnügen ist erfreulich groß. Der kleine Boxer hat schon bei tiefen Drehzahlen ausreichend Kraft – die Bauweise des Motors hilft da. Und natürlich auch das geringe Gewicht. Das 4-Gang-Getriebe lässt sich über den kurzen Schaltstock ganz einfach bedienen, da schaltet man gerne, dreht den kleinen Zweizylinder nicht aus. Auch das Fahrwerk – vorne Dreieckquerlenker und Torsionsstab-Federung, Kurvenstabilisator, hinten Starrachse mit Halbelliptik-Federn – ist mehr als nur anständig, da kann man durchaus längere Strecken ertragen. Die vier Trommelbremsen kennen keinerlei Probleme mit dem geringen Gewicht des Fahrzeugs. Der Wendekreis beträgt gerade einmal 4,3 Meter.

Ernst erzählt, dass er auf der Straße oft von Fahrern englischer Sportwagen gegrüßt wird, die wohl das Gefühl haben, einem der ihren zu begegnen. Doch es muss klar gesagt werden, dass der Sports800 für die damalige Zeit ziemlich unvergleichlich war, dass Hasegawa und Sato ein absolut eigenständiges
Design geschafft hatten – man kann auch erkennen, von welchem Fahrzeug der ebenfalls 1965 vorgestellte 2000GT inspiriert war.

Die Karriere des Sports800 war aber 1969 noch nicht zu Ende. Als Toyota Ende der 70er Jahre erstmals mit einem Hybrid-Auto experimentierte, wurde dafür ein Sports800 verwendet. Eingebaut war eine Gasturbine, welche einen Generator speiste. Ein Prototyp dieses Fahrzeugs steht im Museum von Toyota, es heißt allerdings, jener Wagen sei erst viel später, als die Hybrid-Technik für Toyota zu einem wichtigen Thema wurde, wieder aufgebaut worden.

Wenn in wenigen Wochen der neue Toyota GT86 auf den Markt kommen wird, wird man sich auch wieder vermehrt an den Sports800 erinnern. Denn dieser kleine Sportwagen hat das Konzept des neuen GT86 vorweggenommen, Boxer-Motor, Heckantrieb, hohe Agilität – und vor allem die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich auf die reine Fahrfreude.

Vielen Dank an die Kollegen von www.radical-mag.com

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