Toyota Land Cruiser Testbericht

Geländewagen und V8. Das passt irgendwie. Auch in der Stadt. Irgendwie. Aber fragen Sie nicht wie.

01.05.2008 Online Redaktion

In der Vorstadt wirkt er wie ein Tourist, der sich verlaufen hat. Völlig deplatziert steht er vor der Haustür, begräbt eine ganze Fahrzeugreihe in seinem Schatten und fragt sich, was er hier soll. Hier wollte er nie hin. Hier passt er auch nicht her. Weil er eine Grundfläche von fast zehn Quadratmetern einnimmt. Manch Student hat in seinem Wohnheim ähnlich viel Platz zur Verfügung.

Auf dem Weg aufs Land geht es durch die halbe Stadt. Der Motor springt an, man dreht die Musik lauter, um ihn zu übertönen. Acht Dieselbrennräume stampfen unter der Haube vor sich hin. Zur weiteren Lärmbelästigung trägt die Sechsgang-Automatik bei, die fast immer einen Gang zu niedrig ist und bei jeder Steigung die Übersetzung noch einmal verkürzt. Zum Aufheulen. Vor allem für den Motor. Es ist halt ein Geländewagen. Gebaut, um ein anstrengendes Leben etwas leichter zu machen. In der Stadt tut er das Gegenteil.

Ausgerüstet ist er nur mit dem Nötigsten, davon aber reichlich. Klimaanlage? Ja, vier Zonen. CD-Player? Ja, samt 6-fach-Wechsler. MP3-kompatibel. Sitzheizung und Ledersitze sowieso. Dafür sind die Armaturen aus Plastik und die Knöpfe so dimensioniert, dass man sie auch mit angezogenen Arbeitshandschuhen bedienen kann. Oder mit Fäustlingen. Toyota-Kunden erwarten das so. Schließlich wollen sie ein Auto, mit dem die UNO diverse friedenserhaltende Einsätze auf der ganzen Welt bestreitet. Da erwartet man keine Holz-Konsole. Auch nicht für rund 90.000 Euro. Denn in Österreich wird der Land Cruiser V8 nur in der Topausstattung angeboten. Die Zubehörliste umfasst gerade einmal drei Positionen (siehe Tabelle).

Überhaupt: Die Prioritätenliste beim Autokauf sollte von Robustheit und Geländefähigkeiten angeführt werden. Sonst ist man mit dem Land Cruiser schlecht beraten. 650 Newtonmeter und 286 PS, portioniert von einer Automatik samt  ultrakurzer Untersetzung (3,9:1) und sperrbarem Mitteldifferenzial, treiben ihn über jeden Berg. Und wenn man ihn vorher abtragen muss. Egal.

Ähnlich robuste Aufgaben sollte man ihm auch auf betoniertem Geläuf übertragen. 3,5 Tonnen zieht er allein schon auf dem Papier. Aber Land-Cruiser-Kenner wissen: Dank stabilem Leiterrahmen – ja, so etwas gibt es zum Glück noch – zieht der Toyota in der Praxis auch mehr. Wegen des üppigen Drehmoments völlig unbeeindruckt. Nur wer erwischt wird, ist selber schuld.

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