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1966 Toyota FJ40 Land Cruiser
 

Toyota J4: Der Hype, ein Rückblick und absurde Preisentwicklung

Der Hype um die Toyota J4 Land Cruiser ist großartig. Wir schauen zurück – und zeigen jede Menge Bilder.

04.01.2017 radical mag

Zwar ist ja erst kürzlich der Land Rover Defender verstorben (mit gutem Grund), doch es ist nicht der fröhlich rostende Engländer, der auf dem Gebrauchtwagen-Markt die höchsten Preise erzielt, sondern sein ewiger (und weiterhin produzierter) Konkurrent: der Toyota J4 Land Cruiser. Es ist sogar so, dass in den USA ein wahrer Hype um das japanische Vieh entstanden ist, und das in mehrfacher Hinsicht. Da gibt es einerseits jene Land-Cruiser-Bastler, die auf Basis des J4 quasi neue Geräte aufbauen, mit modernen Motoren und überhaupt feinster Technik unter dem stabilen Blech. Und dafür auch phantastische Preise bezahlt bekommen.

Absurde Preisentwicklung

Doch noch erstaunlicher sind die Preise, die für gut erhaltene oder top-restaurierte Land Cruiser auf Auktionen bezahlt werden. Da wird unterdessen sechsstellig abgedrückt – davon können Besitzer auch edelster Defender mit toller Historie nur träumen. Und nein, man muss das alles nicht verstehen, das ist teilweise wirklich absurd, was für diese alten Japaner bezahlt wird.

© Bild: RM Sotheby's

1966 Toyota FJ40 Land Cruiser

Ein großartiges Teil

Andererseits: so ein betagter Land Cruiser ist halt schon ein großartiges Teil. Und er machte den größten Teil seiner Karriere in den USA – dies im Gegensatz zum Defender, der über dem großen Teichs offiziell gar nie angeboten wurde. Und was die Qualität betrifft, das war der Toyota dem Land Rover schon immer ein paar Wüstendurchquerungen voraus.

1966 Toyota FJ40 Land Cruiser

Wir wollen hier einige dieser FJ40-Preziosen zeigen, die in den vergangenen Monaten auf Auktionen in den USA angeboten wurden und teilweise sensationelle Preise erzielten. Das Fahrzeug, das diese Geschichte hier schmückt, ist ein Modell aus dem Jahre 1966.

© Bild: RM Sotheby's

1966 Toyota FJ40 Land Cruiser

Beginnen wir den Rückblick

Doch es geht hier ja nicht allein um das Vergnügen, wir wollen ja auch etwas lernen. Keine Angst, wir gehen nicht zu tief in die Details, da fehlt uns auch der Überblick und die Kompetenz, doch so ein kurzer Rückblick ist schon interessant. Vor allem auch deshalb, weil die Entwicklung hin zum Land Cruiser am Anfang eher beschwerlich verlief. Anfang der 50er Jahre hatten die amerikanischen Truppen in Südost-Asien ein großes Verlangen nach einem Fahrzeug, das alles können musste, was der Jeep auch konnte. Mitsubishi produzierte diesen Ur-Jeep damals schon in Lizenz, Nissan entwickelte den Patrol – und Toyota versuchte sich mit dem BJ. Der sah zwar aus wie ein Jeep, war auch aufgebaut wie ein Jeep – und doch fand er bei den Amerikanern keinen Gefallen (sie kauften, na? klar: den Mitsubishi). Doch Toyota ließ sich nicht beirren, brachte den Geländewagen ab 1951 in den Verkauf – und schaffte es in fünf Jahren, gerade einmal 755 Stück an den Mann beziehungsweise Behörden und Förster zu bringen.

Aus Jeep wird Land Cruiser

Ab 1954 war die Bezeichnung «Jeep» geschützt, Toyota benannte sein Fahrzeug um in Land Cruiser (auch wenn in der Typenbezeichnung das «J» weiterhin blieb, auch heute noch die Geländewagen kennzeichnet). Angetrieben wurden diese ersten Toyota-Geländewagen von einem eigentlich überdimensionierten 3,4-Liter-Sechszylinder, der es auf 85 PS brachte. Ab 1956, der Land Cruiser war unterdessen beim Code J2 angelangt, wurde gar ein 3,9-Liter-Sechszylinder eingebaut, der mit 125 PS und einem massiven Drehmoment glänzen konnte. So langsam wurde der Toyota auch im Ausland, sprich: den USA bekannt, es gab noch den äußerst kurzlebigen J3 (der aber immerhin schon so aussah, wie man sich heute einen klassischen Land Cruiser vorstellt, aber nur gerade drei Monate produziert wurde) – und 1960 wurde dann der legendäre J4 eingeführt.

© Bild: RM Sotheby's

1967 Toyota FJ40 Land Cruiser

3 verschiedene Radstände

Von außen war es eigentlich nur ein Facelift, jene weiße Blende um Kühler und Scheinwerfer, die dem Land Cruiser sein so gut erkennbares Gesicht verleiht. Und es gab den J4 mit drei verschiedenen Radständen: als FJ40 (2.285 Millimeter), als FJ43 (2.430 Millimeter) und als FJ45 (2.650 Millimeter). Und auch sehr wichtig: der J4 war ein echter Geländewagen, logisch, Leiterrahmen, aber auch mit einem neuen Getriebe mit Geländereduktion und manuellen Freilaufnaben, über die sich bei Bedarf die vorderen Antriebswellen zuschalten ließen. Als Antrieb diente weiterhin der 3,9-Liter-Sechszylinder, ein 3,6-Liter-Diesel mit 85 PS kam erst 1972 ins Programm.

Man achte auf die Details

Bevor wir weiterfahren mit der Geschichte, wollen wir zur optischen Ergötzung einen weiteren perfekten Land Cruiser zeigen, diesmal Jahrgang 1967, wieder ein FJ40, also mit kurzem Radstand. Und ja, man achte auf die Details.

© Bild: RM Sotheby's

1967 Toyota FJ40 Land Cruiser

Über die Jahre wurde das Programm immer weiter ausgebaut

Ab 1967 gab es eine so genannte Hardtop-Version, was insofern etwas verwirrend ist, weil es ja vorher schon abnehmbare Hardtops aus Fiberglas gab, die Hardtop-Variante aber ein festes Blechdach hatte. Und der offene Land Cruiser als Vinyl Top BJ43 zu haben war. Sehr hübsch außerdem: der Pick-up, den es auch mit ganz langem Radstand von 2.950 Millimeter gab – und Aufbauten, in den bis zu 13 Personen Platz fanden. Auch bei den Antrieben wurde das Angebot breiter, nach dem ersten Diesel im Jahr 1972 kam schon 1974 ein zweiter, sehr ähnlicher Selbstzünder mit 3 Litern Hubraum und 75 PS ins Programm. Der ehrwürdige 3,9-Liter-Benziner wurde dann 1975 durch einen 4,2-Liter mit 135 PS abgelöst – wieder keine High-Tech-Maschine, aber halt ein bärenstarkes Trumm, das auch miserables Benzin ertrug. Und sein maximales Drehmoment von 284 Nm schon bei 1.800/min schaffte. Geschaltet wurde über ein klassisches, manuelles 4-Gang-Getriebe. Und das Konzept des Hinterradantriebs, der nur bei echtem Bedarf auch von den vorderen Rädern unterstützt wird, wurde ebenfalls beibehalten. Wir zeigen hier jetzt einen 68er FJ40, wieder ganz klassisch.

1968 Toyota Land Cruiser FJ40

Ach, es waren gute Zeiten. Der Land Cruiser war ganz einfach ein Arbeitstier. Das Blech dünn und die einzige Form von Lärmdämmung, die Federung bretterhart, auf ein gepolstertes Armaturenbrett wurde zur Recht verzichtet, solches braucht ja nun wirklich niemand. Aber er war ein harter Kerl, und gerade in den USA machte Eindruck, dass er für die wirklich langen Reisen taugte – ein 30.000-Kilometer-Trip durch Venezuela, Ecuador, Peru, Chile, Argentinien und Brasilien wurde Anfang der 60er Jahre von den Medien massiv ausgeschlachtet und erleichterte dem Land Cruiser auch den Start in Südamerika. Wo er über die nächsten fünf Jahrzehnte immer das Geländefahrzeug der ersten Wahl bleiben sollte. In Brasilien wurde der J4 bis 2001 quasi unverändert als Bandeirante mit einem Mercedes-Diesel produziert.

© Bild: RM Sotheby's

1968 Toyota FJ40 Land Cruiser

1976 Toyota FJ40 Land Cruiser

Wir gehen jetzt acht Jahre vorwärts – und sehen, dass sich ein 76er Toyota Land Cruiser nur in kleinen Details von einem 68er-Modell unterscheidet. Auch das macht viel vom Charme des Land Cruiser aus.

© Bild: RM Sotheby's

1976 Toyota FJ40 Land Cruiser

Kurze Zwischenbemerkung, bevor wir dann fortfahren

Was eben auch bestens geht beim Land Cruiser, das sind die Umbauten. Dieser 65er FJ45 Pick-up mag auf den ersten Blick aussehen wie so ziemlich am Ende, ist er aber gar nicht. Der «rat look» ist gewollt (und aufwendig konserviert) – und unter der Haube arbeitet nicht die zwar fast unzerstörbare, aber halt auch ziemlich lahme Toyota-Maschine, sondern ein Chevrolet-V8 mit über 300 Pferchen, der an ein manuelles 5-Gang-Getriebe gekoppelt ist. Damit dürfte man an der Ampel ziemlich viel Freude haben…

© Bild: RM Sotheby's

1978 Toyota FJ40 Land Cruiser

1978 Toyota FJ40 Land Cruiser

Und noch einmal zwei Jahre vorwärts (also ab dem schon gezeigten 76er…), es folgt 78er FJ40. Gut, man kann sich die Frage stellen, ob dieses bald 40jährige Fahrzeug nicht überrestauriert ist, denn wahrscheinlich ist es besser als es neu je gewesen sein konnte. Andererseits muss man die Liebe zum Produkt und zu den Details schon sehr schätzen. Ob man mit einem solchen Klassiker, der ja schon auch eine schöne Stange Geld kostet (wir sprechen von 82.500 Dollar Zuschlagspreis…), aber noch dorthin fahren will, wo er eigentlich hingehört – Dreck! -, das ist dann aber eine andere Frage.

Der Vollständigkeit halber, hier die erziehlten Preise der einzelnen gezeigten Modelle – alle durch RM Sotheby’s verkauft:

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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