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Der Toyota Celica GT war der große Liebling unter den Pony-Cars

Es ist dies die Geschichte des Toyota Celica, der in den 1970er Jahren, vor allem in den USA, den Fans von Pony-Cars den Kopf verdrehte.

24.04.2016 radical mag

Amerika! Mitte der 60er Jahre wurde für die japanischen Automobil-Hersteller immer klarer, dass das Verkaufsglück nicht mehr allein auf ihren Inseln liegen konnte. Zwar waren unterdessen auch die europäischen Märkte interessant geworden, Toyota hatte schon mal die Fühler ausgestreckt und konnte sich relativ schnell etablieren, doch das gelobte Land waren sicher die Vereinigten Staaten, ein ständig und schnell wachsender Markt, eine einzige und zentrale Verkaufsorganisation, im Gegensatz zu Europa auch klare Spielregeln. Doch für die USA brauchte Toyota ein Automobil, das etwas anders war als die bisher angebotenen Modelle, große Limousinen konnten die Amerikaner selber besser, Kleinwagen funktionierten gar nicht (mit Ausnahme des VW Käfer), und Mittelklasse eigentlich auch nicht.

Der Weg zum Toyota Celica GT

Bleiben noch die Sportwagen. Da hatte Toyota schon ein wenig Erfahrung gesammelt. Ab 1965 war der Sports800 im Angebot, und zwischen 1967 und 1970 waren 351 der wunderbaren 2000GT gebaut worden. Dieser 2000GT hatte einen spektakulären Auftritt im James-Bond-Film «You only live twice» (1967) und fuhr auch ein paar Rekorde ein, doch er war halt ein Exot. Doch Toyota wollte natürlich mehr. Viel mehr.

Premiere auf der Tokyo Motor Show

Es traf sich gut, dass Toyota sowieso gerade über eine Mittelklasse-Limousine nachdachte, jenes Modell, dass von 1970 bis 2000 als Carina Karriere machte. Also wurde eine Plattform konstruiert, die sowohl für die Limo wie auch für einen Sportwagen taugte. Noch mehr wurde konstruiert, nämlich eine neue Fabrik für diese beiden Fahrzeuge, in Tsutsumi, Toyota City, Aichi-Präfektur. Im Herbst 1970 wurden sowohl der Celica wie auch der Carina auf der Tokyo Motor Show vorgestellt. Und der Applaus war groß – in Japan anscheinend für den Carina noch größer als für den Celica. Doch der Zweitürer war ja auch nicht für Fernost konzipiert worden, sondern eben – für Amerika.

Rein in den Pony-Car-Markt

Es heißt, die amerikanische Toyota-Zentrale habe ein gewichtiges Wort mitreden dürfen beim Design des Sportwagens, und das könnte der Grund sein, weshalb eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Ford Mustang nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Aber genau das war es ja, was die Japaner wollten: einen Pony-Car, die damals in den USA reißenden Absatz fanden, ein Segment, das Ford für den Mustang 1964 erfunden hatte, schöne Coupé mit kurzem Heck und langer Haube, viel Chrom, manchmal fetten V8 unter Haube und doch zu einem bescheidenen Preis zu erstehen.

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© Bild: Wale Pfaeffli

Liebe auf den ersten Blick

Acht Zylinder hatte Toyota natürlich nicht zu bieten, die Kundschaft musste mit deren vier auskommen. Und die erste Version mit ihrem nur gerade 79 PS starken 1,6-Liter-Motor und dem Registervergaser war auch nicht unbedingt das, was man als sportlich bezeichnen könnte, obwohl der Wagen keine 1.000 Kilo wog. Und trotzdem ging der Toyota in den USA an der Verkaufsfront ab wie eine Rakete, das Publikum liebte den schmucken Japaner mit seinen vier Sitzplätzen, dem anständigen Kofferraum und dem vernünftigen Preis auf Anhieb.

Europa ist hinten nach

In Europa dauerte es ein wenig länger, bis die Kunden den Celica ins Herz schlossen, ab Herbst 1972 gab es den ST mit Doppelvergaser und schon 86 Pferden, ab 1973 dann den GT mit zwei obenliegenden Nockenwellen und zwei Solex-Doppelvergasern, was dem Celica zu für jene Jahre sehr flotten 108 PS verhalf. Damit ließ sich der selbstverständlich heckgetriebene Sportwagen in weniger als 11 Sekunden von 0 auf 100 km/h treiben, und das galt damals als ausgezeichnet. Geschaltet wurde der GT über fünf Gänge, das war Anfang der 70er sonst nur in wirklich bösen Sportwagen Usus. Nicht gerade der Traum der sportiven Piloten war allerdings das Fahrwerk, die Starrachse hinten und die ziemlich weiche Abstimmung machten den Celica nur bedingt zu einem Kurvenräuber. Der erste Großerfolg eines japanischen «Sportwagens» in den USA war der Celica indes nicht, diese Ehre gebührt dem Nissan 240Z; der Toyota war allerdings deutlich günstiger.

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© Bild: Wale Pfaeffli

Schneller als der GTI

1975 gab es dann ein sanftes Facelift, aus dem TA22 wurde der TA23. Doch man musste genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen, am besten ging es wohl an der Front, wo der Blinker in die Chrom-Stoßstange hinabrutschte. Doch damit nicht genug, 1976 legte Toyota mit dem Liftback mit einer großen Heckklappe noch einen drauf. Diese intern TA/RA 28 genannte Modellversion wurde zudem mit einem 2-Liter-Motor ausgestattet, der dann schon satte 120 PS entwickelte. Das waren übrigens 10 Pferde mehr, als der VW Golf GTI vorzuweisen hatte, der ab 1976 den Markt neu definierte. Schneller als der GTI war er übrigens auch, der Celica Liftback.

Unterwegs im Toyota Celica GT

Gefahren sind wir sowohl einen ST wie auch den hier gezeigten GT, der mit Spoilern aus dem offiziellen Sonderausstattungsprogramm von Toyota «aufgewertet» ist. Und diesem herrlichen Vinyldach. Und diesen wunderbaren Jalousien hinten; alles typisch 70er Jahre, damals galt dies als schick. Er ist so erfreulich einfach zu bewegen, dieser Celica, die Schaltwege sind unglaublich lang für heutige Begriffe, das Fahrwerk würde man als schwammig bezeichnen, die Lenkung als eine Katastrophe. Doch das hat alles seine Vorteile, man hat das Gefühl, man sei richtig flott unterwegs, und schaut man dann auf den – wild zuckenden – Tacho, dann muss man über sich selber lächeln. Aber der Sound ist für einen Vierzylinder richtig, richtig gut. Die Sitze sind mehr so ungefähre Angaben, wo sich das Lenkrad befindet, doch zum Glück ist die Tür nah, sonst würde man aus dem Auto fallen. Und eigentlich waren es gute Zeiten, als Plastik noch Plastik sein durfte, Haptik ein Fremdwort und Ergonomie etwas für Esoteriker.

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© Bild: Wale Pfaeffli

TA40, der weltweit meistverkaufte Celica

1978 verabschiedete sich Toyota vom eher barocken Hüftschwung und schuf einen wahren Schönling, kaum Chrom, keine Hutzen, nur eine schnörkellose, glatte Linie; bleiben durften einzig die Doppel-Scheinwerfer. Die dann aber bereits 1980 über Bord geworfen wurden, eckigen Dingern weichen mussten. Der bis 1982 gebaute TA40 ist übrigens der weltweit mit Abstand meistverkaufte Celica, der Nachfolger TA60 war dem Publikum dann wohl zu kantig, die Verkaufszahlen gingen zurück, obwohl dieser bis 1985 gebaut Celica jetzt über Einzelradaufhängung, innen belüftete Scheibenbremsen und eine deutlich bessere Zahnstangenlenkung verfügte. Eine weitere Neuerung verdient auch noch Erwähnung: ab 1983 gab es den Celica auch mit dem Vierventil-Motor mit der Bezeichnung 4A-GE, zwei obenliegende Nockenwellen, 124 PS. Mit diesem 16V ging was, auch in Sachen Sound. Danach wurde es nicht mehr besser, ab 1985 hatte der Celica (T16) Frontantrieb.

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