Dass es bei der Premiere der Top City Classic Rally China an vielen Ecken noch haperte, spielte angesichts der spektakulären Streckenführung kaum eine Rolle.
 

Top City Classic Rally China: Die Fernost-Silvretta

Mit der Etablierung einer neuen Klassik-Rallye wollen deutsche Autohersteller bei den Chinesen das Markenimage schärfen.

17.09.2014 Press Inform

China; ein Land mit mehr als einer Milliarde Einwohnern, sagenhaften Landschaften und einer berühmten großen Mauer. Ein Land mit derart vielen Einwohnern und noch mehr Platz zieht Unternehmen aus aller Welt an. Das gilt in den vergangenen Jahren vor allem für die Automobilindustrie – bei jährlich 17 Millionen Neuwagenzulassungen kein Wunder. Über 3,5 Millionen gehen davon mittlerweile auf das Konto der Volkswagengruppe. Damit diese Zahl weiter steigt, muss das Vertrauen der potenziellen Kunden gewonnen werden, sprich: Sie müssen verstehen, dass, wenn sie ein deutsches Auto kaufen, sie dieses auch lange fahren können. Was bietet sich da besser an, als mit einer Oldtimerrallye auf Werbetour zu gehen. Hunderttausende Schaulustige kommen auf Tuchfühlung mit historischen Produkten – das schafft Eindruck und bleibt im Gedächtnis. Die chinesische Kopie der Silvretta Klassik hat Potenzial.

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Aller Anfang ist schwer

Nach der problemlosen Einreise – ein gültiges Visum vorausgesetzt – findet der erste Kontakt mit der allesüberwachenden Staatsgewalt beim Antrag auf einen vorläufigen Führerschein statt. Ein Polizeioberer reiste am Morgen 200 Kilometer aus seiner Provinz an, um mit seinem geschulten Blick und einer kurzen Übersicht über die Unfallstatistik von 2007, in der 500.000 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr ließen, sein Okay zu erteilen. Der erste polizeilich-politische Schuss vor den Bug des Veranstalters ließ auch nicht lange auf sich warten. Nachdem die Internetaktivitäten während der rund vier Kilometer langen Parade am Tag vor dem eigentlichen Start und die Videoauswertung der Verkehrsüberwachungskameras von der Pekinger Polizei untersucht wurden, legte diese kurzerhand aber unmissverständlich fest, dass der Startpunkt und mit ihr alle 26 Teilnehmerfahrzeuge vor die Tore der Millionenstadt verlegt werden müssen. Alles innerhalb von zwölf Stunden versteht sich.

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Prominenz aus Society und Autowelt

Dem illustren Teilnehmerfeld machte dies fast gar nichts. Wer 3.000 Euro Startgebühr für eine Rallye im eigenen Auto in Fernost zahlen kann, sieht vieles im Leben gelassener. Aber auch geladene Gäste wie Rennfahrerlegende Jacky Ickx oder Christian Geistdörfer nahmen es gelassen hin – es fehlte schließlich eine Alternative. Und so fand der Start zur ersten Top City Classic Rally China nahe den Ming Gräbern und nicht im versmogten Peking statt. Als Vorabfahrzeug und somit außer Konkurrenz ging kein Oldtimer, aber mit dem Bugatti Veyron eines der teuersten Fahrzeuge der Welt an den Start. Das älteste Fahrzeug im Starterfeld ging mit der Startnummer zwei ins Rennen. Der Skoda Laurin und Klement 300 von 1923 sorgte aber nicht nur durch sein Vorkriegsäußeres, sondern vielmehr durch seine spektakuläre Soundkulisse für große Augen. Kaum jemand, der Smartphone und Kamera nicht in den Himmel reckte. Nur selten bekommen sie einen Motorenklang zu Ohren, der den ihrer rußrausrotzenden und stinkenden Transporter übertönt.

_Top City Classic Rally China 2014 (11)40.000 Fotos pro Auto

Mit insgesamt sechs Modellen war der VW Käfer das meistvertretende Modell. Was nicht heißt, dass von ihm die meisten Fotos geschossen wurden. Denn den Publikumspreis für den am häufigsten fotografierten und am stärksten im chinesischen Internet geposteten Teilnehmer ging an einen roten Porsche 911 SC Targa aus dem Jahr 1981. Insgesamt wurden allein an den beiden Veranstaltungstagen fast eine Million Bilder ins Netz gestellt. Das entspricht einem Schnitt von rund 40.000 Bildern pro Fahrzeug. Auf einigen Bildern werden im Hintergrund gerade erst fertiggestellte oder sich noch im Bau befindliche Hochhäuser auftauchen. Denn das Skihotel, in dem die Teilnehmer während der Rallye nächtigten, befindet sich im Außenbezirk von Zhangjiakou, der Bewerberstadt für die Winterolympiade 2022.

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Die Top City Classic Rally China kam sehr gut an

Allemal erwähnenswert, dass auf der rund 1.000 Kilometer langen Veranstaltungs-Premiere nur ein kleiner, unverschuldeter Unfall zu beklagen war. Und das, obwohl auf über der Hälfte der Gesamtstrecke, das Tempolimit unter Aufsicht hunderter Polizisten, die an jeder noch so kleinen Zufahrtstraße den einmündenden Verkehr aufhielten, bisweilen nennenswert übertroffen wurde. Was nicht heißt, dass die Straßen nicht mit kohlbeladenen Pferdefuhrwerken, anderen Autos und streunenden Hunden geteilt werden musste. Unter dem tosenden Applaus und den noch lauteren Lautsprecherdurchsagen rollten am Ende des zweiten Tages alle Teilnehmer in der Fünfmillionen-Metropole Zhangjiakou zum obligatorischen Fototermin. Wer am Ende bei der ersten Top City Classic Rally China die wenigsten Strafsekunden bei den Lichtschranken-Prüfungen auf dem Konto hatte und den Gesamtsieg nach Hause gefahren hat, ist im chinesisch-deutschen Organisationschaos letzten Endes unklar geblieben. Angesichts der organisatorischen Pionierarbeit darf das in diesem Jahr noch völlig egal sein.

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Besten Dank an Marcel Sommer von press-inform.com

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