Der Nissan IDx
Der Nissan IDx
 

Weltspiegel Automarkt Japan

So langsam kommt Japan wieder zu Kräften. Auch wenn die Yen-Krise und die Katastrophe von Fukushima noch immer das tägliche Handeln beeinflussen, geben die japanischen Autobauer wieder Gas.

28.11.2013 Press Inform

In den letzten Jahren ist in der japanischen Wirtschaftswelt nicht viel nach vorne gegangen. Da machte die Automobilwirtschaft keine Ausnahme. Die Pleite der Lehman-Bank, widrige Wechselkurse und eine Reihe falscher Konzernentscheidungen zogen die ebenso renommierten wie traditionsreichen Autohersteller in einen Abwärtsstrudel, der erst langsam wieder zu einem stillen Gewässer wird. Hätte es Erdbeben, Super-GAU und den einträglichen Produktionsstopp von Herstellern und Zulieferern nach Fukushima nicht gegeben, wären die japanischen Hersteller, allen voran die großen Sechs aus Toyota, Nissan, Honda, Mitsubishi, Suzuki und Mazda wohl schon schneller wieder zurück in die Erfolgsspur gekommen. Wie tief die Wunden noch immer sind, spürt man selbst zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe noch immer – nicht nur auf der Tokyo Motorshow.

Der Suzuki iV-4 vorne und der Suzuki Hustler im Hintergrund.

Der Suzuki iV-4 vorne und der Suzuki Hustler im Hintergrund.

Japanische Autobauer mit Zuwächsen

Immerhin stimmen die Zahlen langsam wieder. Toyota hat zwar zu kämpfen, den weltweiten Hersteller-Spitzenplatz nicht an Volkswagen zu verlieren, doch auf dem Heimatmarkt geht der Daumen langsam wieder aufwärts. Im zweiten Halbjahr 2013 ging der Umsatz mit 212 Milliarden Euro um acht Prozent nach oben. Besonders gut sieht es bei Mazda und Honda aus, die Ihre Umsätze jeweils um fast 15 Prozent steigern konnten. Ebenfalls positiv, wenn auch nicht ganz so gut lief es mit einstelligen Zuwachsraten bei Toyota, Nissan und Suzuki. Beim Gewinn sieht es im weltweiten Vergleich ähnlich aus. Toyota bot mit rund zehn Prozent jedoch als einziger ein zweistelliges Plus. Doch auch Mazda, Nissan, Suzuki und Mitsubishi können mit einem mittleren zweistelligen Zuwachs zufrieden sein, der die nur alle zwei Jahre stattfindende Tokyo Motorshow aufgrund der großen Abhängigkeit vom japanischen Heimatmarkt umso wichtiger werden lässt.

Der Daihatsu Kopen

Der Daihatsu Kopen

Wenig Neuheiten

Hier sprudelten die Neuheiten nicht derart wie man es sich gewünscht hätte, doch es gibt einen eindeutigen Trend nach vorn. Besonders emotionale Modelle fehlen auf dem zunehmend blasser und emotionsloser gewordenen Markt. Da tut ein Nissan IDx ebenso gut wie der kleine Crossover Honda Vezel, die Neuauflage des Daihatsu Kopen oder der witzige Suzuki Hustler. Mazda, auf der Messe nur mit neuen Alternativantrieben des Mazda 3 als Hybrid und CNG-Version vertreten, hat in den nächsten eineinhalb Jahren mit einer Neuauflage des Spaßroadsters MX-5 sowie einem kleinen Bruder des CX-5 und einem frischen Zweier die Überarbeitung des Modellprogramms abgeschlossen.

Der Toyota Harrier

Der Toyota Harrier

Vier Jahre verloren

„Dass wir den Turnaround geschafft haben, verdanken wir allein der Neueinführung unserer Skyactiv-Technologie“, unterstreicht Mazda-Europa-Chef Jeff Gaydon, „mittelfristig wollen wir 1,7 Millionen Autos pro Jahr produzieren. Wir haben durch Lehman und den Yen vier Jahre verloren.“ Wichtig dürfte Mazda auch das Anfang 2014 eröffnete Werk in Mexiko werden, wo zunächst Mazda 2 und 3 sowie später auch der kleine CX-3 produziert werden sollen.

Der Suzuki Spacia

Der Suzuki Spacia

Spannung zwischen China und Japan

Auch wenn sich der japanische Heimatmarkt wieder beruhigt hat und der US-Markt als wichtigste Importregion längst angesprungen ist, bleibt China – für viele Wachstumsmarkt Nummer eins – das größte Problem. Die politische Lage zwischen China und Japan ist nach wie vor eiskalt und so werden die Nippon-Firmen weitgehend boykottiert. Und hier fahren gerade die Hersteller aus Europa und den USA satte Gewinnen und anhaltende Zuwächse ein, die 2014 kaum nennenswert abebben werden. Mittelfristig warten die japanischen Hersteller auf das seit Jahren Gespräch befindliche Freihandelsabkommen, dessen Umsetzung jedoch bis auf weiteres in den Sternen über dem Mount Fuji steht. Schließlich sind Europäer wie Amerikaner nach wie vor wenig erfreut über die kleinen Kei-Cars, die mit ihrer maximalen Steuerbefreiung die ausländischen Hersteller komplett außen vorlassen. In vielen Millionenmetropolen haben die Fahrzeuge mit einem maximalen Hubraum von 660 Kubikzentimetern und einer Länge unter 3,40 Metern einen Marktanteil von fast 50 Prozent; auf dem Gesamtmarkt ist jedes dritte Auto ein Kei-Car.

Der Mitsubishi EK Space

Der Mitsubishi EK Space

Lust auf Diesel

So langsam bekommen die Japaner zudem Lust auf den Diesel. „Die Akzeptanz der Diesel nimmt zu“, sagt Mazdas Entwicklungs-Chef Takahisa Sori, „bei unserem CX-5 haben wir einen Clean-Diesel-Anteil von über 80 Prozent und beim neuen Mazda6 sind es auch über 70 Prozent.“ Auch Toyota (mit BMW-Hilfe) und Honda planen die Einführung der ehemals verhassten Selbstzündertechnik unter den japanischen Motorhauben. Denn auch wenn Hybriden in Japan und den USA hoch im Kurs stehen; viele nehmen Hybriden nicht mehr als Hightech wahr und lassen sich von den hoch effizienten Clean-Diesel-Modellen beeinflussen, die in Japan ebenfalls steuerbefreit sind. Ungeklärt ist nach wie vor das leidige Thema Brennstoffzelle, deren Durchbruch trotz allen Japan-Engagements zum wiederholten Mal verschoben wurde. Nach wie vor hapert es am Fahrzeugtank und der Infrastruktur – Ergebnis offen.

Vielen Dank an die Kollegen von press-inform.com.

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