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Thorins neue liebste Waffe: Mercedes-AMG C 63 S

Mit dem neuen Mercedes-AMG C 63 S auf der Rennstrecke in Portimao. Und sorry. Ja, er ist einfach so gut, dass wir nicht ohne die ein oder andere weit hergeholte Metapher können.

25.02.2015 passion:driving

Schön ist es, wenn jemand seinen Tugenden treu bleibt. „Verrat!“ haben sie alle geschrien, als klar wurde, dass der legendäre, frei atmende Sechszwei-V8 seinen Weg nicht mehr in künftige Modellgenerationen finden wird. Das fliegende Spaghettimonster habe ihn selig. Und dann wird dieses Sinnbild von stimmlicher Macht auch noch durch das hier ersetzt: einer Luftpumpe, Kind schändlicher Downsizing-Gedanken der Konzern-Controller.

Das Herz des AMG-GT

Doch lasset euch gesagt sein, liebe Jünger des Drehmoments, der Leistung und der heiligen schwarzen Striche: einen AMG lernt man nicht wegen seine Hubraums, sondern seiner animalischen Urgewalt zu schätzen. Und diese dunklen Mächte toben hier mehr denn je. Denn spätestens, wenn der Vierliter-Biturbo-V8 seinen im „heißen V“ geschmiedeten Drehmomenthammer auspackt, wird selbst Thorin Eichenschild über eine neue Waffe auf dem Schlachtfeld nachdenken.

Ja, der so nüchtern M177 getaufte 4.0-Biturbo-V8 ist ohne Untertreibung eines der grandiosesten Triebwerke, das wir je bewegen durften. Eng verwandt mit dem M178-Bruder aus dem AMG GT, unterscheidet er sich in erster Linie dadurch, dass letzterer mit einem Trockensumpf Heeren von Sportwagen den Garaus machen darf. Da es deren kompakte Bauhöhe in der schwäbischen Mittelklasse allerdings nicht braucht und die Schmierung auch mit optionalen Cup-Reifen bestens sichergestellt ist, wurde hier darauf verzichtet.

V8-Orchester

Nicht aber – und hierfür wollen wir den Wahnsinnigen in Affalterbach danken – auf die „Hot V“-Konstruktion. Die beiden Turbolader sind zwischen den Zylinderbänken angebracht und dürfen sich über besonders kurze Ansaugwege freuen. Was sich in der Theorie trocken liest, fühlt sich in der Praxis an, wie die Schlacht der fünf, sorry, acht Heere. Das Turboloch auf ein Minimum reduziert, die Dosierbarkeit Begeisterungsstürme auslösend. 510 wild gewordene Pferde surfen dann auf einem Drehmomentteppich von 700 Nm das Drehzahlband entlang. Akustisch spielt er das gesamte Repertoire eines verrückt gewordenen Supersportwagens. Von tief wummerndem Schiffsdiesel, herzerwärmend sonor, bis hin zu markerschütternd aggressiv und kernig brüllend. Es knallt und poltert, stürmt und knattert. Tut uns Leid, aber bei diesem Kriegsschrei muss der M3 allein wegen seiner Stimmbänder noch mal ins Bootcamp.

Querdynamisch rüstet sich der Mercedes-AMG C 63 S mit einem elektronisch geregeltem Sperrdifferenzial und optionaler Michelin-Cup-Reifen für die Schlacht. Das elektronisch geregelte Differenzial, das im Kurveneingang komplett öffnen und für aberwitzige Driftwinkel bis zu einhundert Prozent sperren kann, ist dabei exklusiv der S-Variante vorbehalten. Ohne S gibt’s einfach „nur“ eine normale mechanische Sperre. Die braucht’s aber in jedem Fall, denn ohne würde die Leistung hier in jeder Kurve gnadenlos verpuffen.

Mercedes-AMG C 63 S: Built to drift?

Spät, wirklich sehr spät, lässt sich der C 63 S hier in die Kurven hineinbremsen, das ABS regelt sauber, lässt uns noch Luft zum Atmen. Sonst wäre der optimistisch gewählte Bremspunkt in der letzten Spitzkehre so nicht mehr zu meistern gewesen. Das Einlenken geht neutral, ganz leicht untersteuernd. Bis zum Gaseinsatz. Ab da lassen sich weiterer Kurvenverlauf und Driftwinkel quasi stufenlos regeln. „Bittschee, was hättschde gean?“, fragt der verrückt gewordene Schwabe und wirft das Heck in jede erdenkliche Pose, ohne jede Zickigkeit. Kein hektisches Auskeilen, kein beleidigtes Zurückschnappen. Einfach nur sanft und genau unseren Befehlen folgend – eigentlich schön, in diesem Krieger auch eine weiche Seite zu wissen.

Nachdem man gerade in einer über fünf Runden ausgetragenen Schlacht einen Satz Michelin-Gummi, nicht aber die Keramik-Bremsanlage dem Kriegsgott geopfert hat, kommt diese sanfte und weiche Seite auch ganz gelegen, um das Gemüt wieder zu beruhigen. Einfach alles auf „Comfort“ stellen, den Schaltkomfort des (im Sportmodus endlich vernünftig schaltenden!) Wandlerautomaten genießen und gemütlich über die Landstraßen rollen. Gut, wenn man dann aber auch schnell wieder in den Race-Modus schalten kann. Die nächste Schlacht kommt bestimmt – und sei es nur, um den Gegner im finsteren Tal des Kreisverkehrs in Rauch zu bedecken. Und übrigens: die Schlacht gewinnt man, unserer Meinung nach, mit 34 PS weniger im nicht-S-Modell genauso gut. Die dynamischen Motorlager und die elektronisch geregelte Quersperre sind fein, außerhalb des Schlachftelds geht’s halt auch gut ohne.

 

Große Eskalation: mit @harrismonkey und @bigblogg in einer Dreiergruppe mit dem #MercedesBenz #C63 S #AMG über die Rennstrecke fliegen, bis selbst der Instruktor begeistert aus dem Auto stürmt und sich auf dem nächsten Stint freut. Läuft! #mbcar #whatabeast #iminheaven

Ein von Sebastian – passiondriving.de (@passiondriving) gepostetes Foto am

Was uns überrascht hat:
Der Mercedes-Schaltkrückstock am Lenkrad hat jetzt auch bei AMG Einzug gehalten.

Was uns gefällt:
Die akustische Dominanz des Vierliters und das alles ohne Fake-Sound über Lautsprecher, Membranen im Armaturenträger oder anderer Spielereien. Echter Sound. Aus einem Turbomotor – vielleicht wird die Zukunft ja doch nicht so finster.

Die anderen:
BMW M3, Lexus RC-F und Audi RS4. Ok, streicht den Audi…

Mercedes-AMG C 63 S

Grundpreis: € 98.920,-
Motor: 8-Zylinder-BiTurbo-Benzinmotor, 3982 ccm
Leistung: 375 kW (510 PS)/5500-6250/min
Drehmoment: 700 Nm/1750–4500/min
Spitze: 250/290 km/h, 0–100 km/h in 4,0 sec
NEFZ gesamt: 8,4 l/100 km
CO2: 195 g/km
AR-Testverbrauch: 18,5 l/100 km

  • Sehr feiner Beitrag! Sehr gut beschrieben. Gerne gelesen… Guter Mann!

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