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Ein großer, ein ganz großer Wurf

Groß, viel Platz und dennoch filigran. Technisch auf neustem Stand und die Besinnung auf alte Werte. Der neue Volvo XC 90 ist mehr als ein Lebenszeichen.

14.07.2015 radical mag

Der neue XC 90 ist das Flaggschiff der Schweden. Und das Modell ist der letzten produzierenden schwedischen Automarke scheinbar sehr wichtig. Geschätzte 2.000 Mal klingelte es uns im Posteingang, noch bevor wir das Auto zum ersten Mal fahren durften. Zu jedem noch so kleinen Detail verschickte man irgendeine Pressemeldung. Normalerweise würden wir mit Abweisung reagieren. Denn Autos, die von der Presseabteilung mit so viel Aufwand beworben werden, sind meistens nicht gerade ein gelungener Wurf. Nun, es ist nicht so: der neue Volvo XC 90 ist ein großer, ein ganz großer Wurf.

Volvo XC 90, filigran und groß schließen sich nicht aus

Es ist schon erstaunlich, wie es Volvo geschafft hat, ein so großes Auto wie den neuen XC 90 derart filigran wirken zu lassen. Trotz der mächtigen Frontpartie wirkt der Schwede weder aufdringlich noch aggressiv. Vielleicht sollten andere Hersteller etwas öfters gegen Norden blicken. Denn die Schweden zeigen, wie man ein SUV auf 21-Zoll-Räder stellt ohne dass die Leute gleich denken: «So ein Proll!». X6-Fahrer werden wohl auch neidisch auf die rechte Spur schielen wenn er bemerkt, dass der Vordermann dem XC90-Treiber freundliche Handzeichen macht. Etwas, dass ein Bayern-Trumm-Fahrer – außer beim Autoverwerter – nie erlebt.

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© Bild: Werk

Vogelperspektive und Wohnraum

495 cm lang und 201 cm breit, dazu eine Höhe von 177 cm – das neue SUV von Volvo ist wirklich ausladend. Vor allem die Breite ist beeindruckend und macht das Befahren von engen Parkhäusern nicht eben zum Kinderspiel. Da hilft auch das Kamerasystem nicht viel, welches das Auto auf Wunsch aus der Vogelperspektive zeigt. Man fährt zwar nirgends dagegen, doch was nützt das wenn man die Türen nur noch einen Spalt öffnen kann? Dafür gibt es im Innenraum ganz viel Platz. Der Volvo ist zwar kein Raumwunder, aber der bis zu sieben Sitzplätze bietende Schwede ist einfach extrem wohnlich.

Wahlweise gibt’s den XC 90 als 5- oder 7-Sitzer

Dazu kommt die Verarbeitung des Innenraums

Hier ging der Blick wohl in die umgekehrte Richtung. Man hat sich wohl bei den Modellen aus Ingolstadt abgeguckt, wie man einen wunderbar verarbeiteten Innenraum baut. Und welche Materialien es braucht. Und, Volvo hat es in unseren Augen auf Anhieb geschafft mit den Deutschen gleichzuziehen. Ein größeres Kompliment können wir an dieser Stelle nicht machen. Klar, ich bin durchaus Volvo-affin. Mein alter Schwede, einer der letzten mit dem Antrieb an der richtigen Achse, hat 410.000 Kilometer runter. Scheint unzerstörbar. Und irgendwie hatte ich das Gefühl dass dies beim XC 90 nun nach langer Zeit und zahllosen mäßigen Modellen von Volvo nun wieder so sei. Allein wie sich die Seitenscheiben zwar bedächtig aber absolut geräuschlos und ohne das geringste Spiel in der Scheibenführung öffnen und schließen. Chapeau.

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© Bild: Werk

Motorisierung – Diesel oder Benzin?

Im Test standen ein XC 90 D5 mit potentem 2-Liter-Dieselmotor (225 PS, 470 Nm) sowie der stärkste Benziner (auch ein Vierzylinder mit 320 PS, 400 Nm). Natürlich ist der Diesel das sparsamere Auto. Doch, sparsam ist in dieser Fahrzeugklasse natürlich relativ. Die enorme Stirnfläche und das Leergewicht (Diesel ab 2.005 kg) sind dem Spatzendurst nicht gerade förderlich. Volvo nennt für den D5, in Kombination mit der subtil schaltenden Achtgangautomatik, einen Verbrauchswert von 5,8 l/100 km. Den haben wir zwar deutlich verpasst, aber 6,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer sind – gemessen an den Fahrleistungen – wirklich nicht viel. Und auch hier: sehr gute Geräuschdämmung, wenig Vibrationen. Nur das Ansprechverhalten des Diesels ist nicht perfekt. Um so viel Leistung zu generieren braucht’s halt einen großen Lader. Und bis der anspricht dauert’s halt ein Quäntchen länger als bei einem kleinen Turbo. Naturgemäß ist der hochgezüchtete Benziner deutlich durstiger. Die versprochenen 8 Liter verpassten wir mit 10,3 l/100 km noch deutlicher als beim Diesel. Aber, der kleine Vierzylinder läuft derart ruhig und vibrationsarm, dass wohl bei vielen Interessenten diese Motorisierung in die engere Wahl kommt. Und: die 320 PS machen aus dem mächtigen Schweden zwar keinen Leichtathlet, ein Panzer ist er aber definitiv auch nicht.

Noch ein Wort zum Fahrwerk

Das ist natürlich nicht darauf ausgelegt, einen neuen Streckenrekord am Pikes Peak zu fahren. Aber trotz der relativen weichen Abstimmung ist die Seitenneigung der Karosserie auch in heftig angegangenen Biegungen nicht sooo groß. Alles im grünen Bereich also, auch beim Fahrwerk. Ach ja, es gibt ja – wie heute üblich, auch noch eine Art Sport-Taste. Wie so oft raten wir: vergessen, unnötig, macht nix besser aber einiges schlechter…

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© Bild: Werk

Fazit

Der neue XC 90 ist ein hervorragend gemachtes, großes und edles Automobil. Und er kann sich problemlos zum Beispiel mit den Konkurrenten von Range Rover messen. In vielen Punkten ist er sogar deutlich moderner als seine Gegner. Aber, es kostet auch etwas, wenn man sich den Schweden zulegen will. Den Diesel D5 gibt’s in der edlen Momentum-Ausführung ab 63.520 Euro. In der Kinetic-Ausführung beginnt er dann bei 58.450 Euro. Den Benziner T6 gibt’s ab 67.950 Euro. Die Vollausstattung ist natürlich wunderbar, hier stimmt das Gesamtpaket tadellos. Die zahllosen Detaillösungen überzeugen und rechtfertigen zusammen mit dem tollen Antrieb und dem sehr ausgewogenen Fahrwerk den relativ hohen Preis. Natürlich, auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz. Das war bei Volvo schon immer so. Aber die Systeme sind komplex geworden, ein Fehlalarm ab und zu, kombiniert mit einer automatischen Vollbremsung, daran müssen sich XC90-Kunden wohl gewöhnen. Doch da sind sie ja nicht allein.

Wenn Volvo den XC 90 als Maßstab für künftige Modelle nimmt, kann die Marke aus Schweden wieder dorthin kommen, wo sie einst war. Mit an der Spitze der europäischen Autobauer.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • Teki

    Verbrenner halt, Technik von gestern.

  • Franz A

    70kEUR fuer einen Vierzylinder mit 2l Hubraum ist schon ziemlich mutig. Wenns glauben….

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