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Renault Megane GT: Was braucht’s mehr?

Große Freude hat der neue Renault Mégane GT in uns erzeugt. Ein Auto mit perfektem Preis-Leistungs-Verhältnis und viel Fahrspaß.

20.11.2016 Online Redaktion

Es ist ja nicht so, dass «radical» einfach oder schnell zu begeistern wäre. Vom neuen Renault Mégane waren wir zwar schon bei den ersten Probefahrten ziemlich angetan, doch dass wir einen Wagen gar nicht mehr zurückgeben wollen, das ist uns nur ganz selten passiert. Und sicher noch nie bei einem Fahrzeug mit «nur» 205 PS. Doch nach dem Test und 3.000 Kilometern im Renault Mégane GT waren wir tief beeindruckt.

Die Konkurrenz des Renault Mégane

Gut, gut sieht er aus. Vielleicht ein bisschen gar sehr wie seine französischen Konkurrenten Citroën C4 und Peugeot 308, doch dieses schöne Blau lässt den derzeit sportlichsten Renault aus der Menge herausstrahlen. Die Linien sind harmonisch, ohne deswegen langweilig zu werden, einen Schuss Sportlichkeit gibt es auch, man kann sich also sehen lassen im Golf-Kontrahenten. Das gilt unbedingt auch für das Innenleben, das genau gleich aufgebaut ist wie im Espace und im Talisman – mit denen der Mégane ja auch die Plattform teilt. Da haben die Franzosen einen Volltreffer gelandet, dermaßen breit aufgefächert wird eine einzige Basis nicht einmal im Volkswagen-Konzern (und es ist ja noch nicht das Ende, da hätten wir ja noch den Scenic und Grand Scenic und…).

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© Bild: Peter Ruch

Wo nachgebessert werden muss und wo der Megane neuer Klassenprimus ist

Nochmals, das Innenleben. Wir mögen das ja, dieses iPad-Design in der Mittelkonsole, das sieht gut aus, nicht so nachträglich hineingeklatscht wie bei anderen Herstellern. Der große Touchscreen ist bestens bedienbar, auch von der Beifahrerseite aus. Die Bedienungsführung allerdings hat sicher noch Luft nach oben – und auch so Kleinigkeiten, dass die Dame, welche die Naviansage macht, stottert, könnte Renault durchaus noch aus der Welt schaffen, am besten gleich zusammen mit den Schreibfehlern. Cool ist der riesige Drehzahlmesser direkt vor dem Fahrer, alles wirkt klar und ist übersichtlich. Und auch haptisch ist es im Mégane GT sehr angenehm, zwar schon jede Menge Plastik, doch das ist alles sauber verarbeitet. Und: die besten Sitze, die wir bisher in einem Fahrzeug in diesem Preissegment erleben durften. Da muss sogar der bisherige Klassenprimus Opel Astra hinten anstehen.

Platzangebot und Schalt-Paddels

Die Platzverhältnisse sind für ein 4,36 Meter langes Automobil ganz anständig, vorne ist ausreichend Luft auch gegen oben, die hinteren Passagiere werden sich auch über längere Strecken nicht beklagen wollen. Mit 384 Litern Kofferraumvolumen ist der Renault so ein bisschen Klassenbester, zumindest in der Normal-Konfiguration; die bei abgeklappten Rücksitzen vorhandenen 1.247 Liter sind dann eher durchschnittlich. Auch ist der Zugang zum Kofferraum verhältnismäßig hoch. Und weil das ja auch mit dem Innenraum etwas zu tun hat: die Schalt-Paddels des serienmäßigen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes sind ebenfalls sehr hoch angeordnet. Unsereins machte das keinerlei Schwierigkeiten, wir schätzen das sogar, doch man hört so sagen, das sei nicht überall so.

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© Bild: Werk

Verwende die Fahrmodi!

Man liest auch in der einschlägigen Presse, dass das DKG von Renault zu langsam sei. Kann sein, dass wir da nicht besonders feinfühlig sind, doch auch solches hat uns nicht gestört (falls es denn so wäre). Hat man den Mégane auf «scharf» gestellt (was über den GT-Schalter in der Mittelkonsole geschieht), dann sind unserer Meinung nach die Schaltvorgänge sauber, knackig, absolut auf dem Niveau des Volkswagen-DSG, zumindest beim Hochschalten. Was der Franzose dann aber nicht so gut kann: ruckfrei durch die Stadt zuckeln. Aber da gibt es ja eben diese Schalter, da kann man wieder zurück in den Komfort-Modus, dann ist alles bestens. Es sei empfohlen, diese Auswahl an Fahrmodi zu benutzen, unsere individuelle Einstellung war Sport für Getriebe und Lenkung, Komfort für das Fahrwerk, dann schluckt der Renault nämlich die Bodenwelle – und hüpft nicht darüber.

Seine Lieblingsdisziplin? Das Fahrwerk!

Das Fahrwerk ist sowieso eine der ganz großen Stärken des Mégane GT. Er bleibt angenehm weich gedämpft, baut aber trotzdem kaum Seitenneigung auf. Die Allradlenkung, wie das Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig, macht den Renault unglaublich agil, flink, er umrundet Kurven mit einer Souveränität und Stabilität, die wirklich bewunderswert ist. Was halt auch bestens ist: man fühlt sich ausgesprochen wohl, auch wenn man mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs ist. Erst spät, sehr spät drängt er vorne ein bisschen weg, doch das lässt sich bestens korrigieren. Die Bremse ist fein, bestens zu dosieren, standfest; wir messen auf unserer üblichen Bergstrecke ja keine Zeiten, aber vom Gefühl her waren wir dort schnell. So richtig schnell. Und dies deshalb, weil der Franzose so extrem gutmütig ist, so kinderleicht zu fahren. Allerdings tönt er auch so, mehr Kindergarten als Konservatorium. Und ein bisserl schwer ist er auch, 1,4 Tonnen sind ein wenig adipös in dieser Liga; da hat Opel die Nase derzeit vorne.

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© Bild: Peter Ruch

Der Preis des Renault Megane GT in Österreich

Einverstanden, 205 PS aus 1,6 Liter Hubraum sind nicht wild. Andererseits: 7,1 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h sind nicht von schlechten Eltern, auch die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h nicht – es ist noch nicht lange her, da hätte das in der Golf-Klasse für die Spitzen-Position gereicht. Jetzt darf man aber nicht vergessen, dass Renault den Mégane GT mit einem Basispreis von 30.490 Euro ins Rennen schickt, schon ziemlich gut ausgestattet. Der Golf kann da als GTI irgendwie nicht mithalten, weder bei den Fahrleistungen noch beim Preis, auch ist er mehr der «Halbstarke» in Sachen Image und Auftritt und Fahrverhalten; näher ist da schon die 200-PS-Variante des Opel Astra, allenfalls noch der cee’d GT von Kia.

Das Gesamtpaket

Was uns aber am Renault Mégane GT am besten gefällt, ist das Gesamtpaket. Man kann böse mit ihm, muss aber nicht. Man kann mit ihm und drei Begleitpersonen bestens in die mehrwöchigen Ferien fahren, oder flott und entspannt von Bern nach Hamburg, aber am Sonntagmorgen zur eigenen Erbauung auch einfach mal einen Pass. Oder drei, vier. Gut, dann schluckt er über 9 anstatt der versprochenen 6 Liter Normverbrauch, doch das ist immer noch gut, denn da nimmt die Konkurrenz dann gern zweistellig. Bleibt man locker und entspannt, was eh am besten zum hübschen Franzosen passt, dann sind es irgendetwas um die 7,5 Liter. Und dann bleibt da als bestes Argument noch das wunderbare Verhältnis zwischen Preis und Leistung.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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