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Honda Civic Type R, DIESES Getriebe

Schaut genau hin, die Schaltung des Honda Civic Type R hat uns den Kopf verdreht. Das Getriebe ist kein Gedicht, es ist ein Lobgesang auf die Automobilität.

23.10.2015 radical mag

Honda Civic Type R, feuchter Traum oder geiles Renngerät? Kaum ein Auto spaltet die Auto-Fangemeinde so wie der Japaner. Nach dem Test sehen auch wir klarer. Und wir spüren es immer noch in der rechten Hand. Diesen Schalthebel, dieses Getriebe. Ja, wir müssen beim Getriebe anfangen. Diese Sechsgang-Box, was für ein Gedicht. Die Schaltwege kurz, die Schalthebelführung super exakt. Und wie die Gänge mit sehr leichtem Widerstand «einklicken», ach welche eine Freude. Nach Monaten mit Rührwerken wie in diversen Opel-Modellen, Doppelkupplungs-Granaten wie bei VW oder Porsche war das Schalten im neuen Civic Type R eines unserer Highlights dieses Jahr. Können das nur Japaner? Auch der Mazda CX-3 – hat so ein wunderbares, manuelles Getriebe. Nicht ganz so knackig wie im Honda, aber nahe dran. Ist es den europäischen Herstellern nicht mehr wichtig, wie sich ein Auto anfühlt? Angesichts stetig sinkender Einbauraten von Handschaltgetrieben irgendwie zwar verständlich, aber deswegen noch lange nicht okay. Allein das Getriebe im Type R wäre ein Grund, das Auto einfach zu kaufen. Aber, es gibt noch einige weitere Punkte, die für den Honda sprechen.

Honda Civic Type R (7)
© Bild: Werk

Honda Civic Type R, was uns nur mäßig gefällt

Beginnen wir mit einem Punkt, der uns mäßig gefallen hat, der Optik. Klar, für asiatische Verhältnisse ist der Type R sehr progressiv gestylt. Bei uns würde man den Vergleich mit dem Yoghurtbecher bemühen. Viel Spoiler, allerlei Luftschlitze und ein knallrotes Interieur. Da muss man als Fahrer einiges an Sprüchen erdulden. Klar, Civic-Fahrer sind das ja eh gewohnt. Aber wir finden, bei Honda hat man es etwas übertrieben und ist zu alten Untugenden gegangen. Bei den Rädern zum Beispiel. Wieso soll ich mir so ein teures Automobil kaufen wenn ich dann zum nächsten Wald- und Wiesentuner rennen muss, um ein paar Distanzscheiben zu bestellen? Denn die Räder stehen, wie früher fast immer bei japanischen und koreanischen Autos, viel zu weit innen. Hinten sind es gar einige Zentimeter, welche der Kotflügel den Reifen überragt. Das sieht einfach nicht fett aus. Schade.

Was uns richtig gut gefällt

Das Getriebe also top, die Optik sicher nicht für introvertierte Sportfahrer geeignet. Und sonst? Ja sonst gibt es 310 PS, 400 Nm bereits bei 2.500 Umdrehungen. Honda sagt, der Turbo-Vierzylinder drehe hoch wie ein supersportlicher Saugmotor. Offenbar arbeiten in der Presseabteilung nur noch Jungspunde. Denn wer einmal einen S2000 auf 9.000 Touren gedreht hat weiß, dass das nicht stimmen kann. Klar, der Type-R-Motor dreht auch auf 7.000 Touren, und er macht dies leichtfüßig.

Was der Civic Type R mit einem Dacia gemein hat

Aber, es ist ein Turbomotor, kein Vergleich zu den feingliedrigen R-Maschinen der Vergangenheit. Und, um so viel Leistung zu generieren braucht es einen großen Lader. Was wiederum den Nachteil hat, dass es Drehzahl braucht, um den nötigen Ladedruck zu liefern. Wir mögen nicht von einem Turboloch sprechen, aber das Ansprechverhalten im untersten Drehzahlbereich entspricht dem eines getunten Dacia. Das klingt jetzt übel und: ist es auch. Ab etwa 2.200 Umdrehungen aber kommt der Zweiliter richtig schön zur Sache. Dann ist die Welt wieder in Ordnung.

Kompliziert, aber wunderbar

Mit den 310 PS ist der scharfe Civic nun wirklich kein lahmes Ei. Daran mitschuldig ist auch das schrägverzahnte Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Klar, auch viele anderen Hot Hatches haben mittlerweile diese Traktionshilfe an Bord. Aber, bisher hat keines dieser Systeme so überzeugt wie beim Type R. Nicht, weil es noch mehr Traktion bietet als andere Systeme, sondern weil das Zusammenspiel aus Aufhängung, Lenkung, Differenzial und Torque Vectoring so perfekt funktioniert. Uns ist nicht ganz klar wie es Honda geschafft hat, ein Sperrdiff zu implementieren, das an der Lenkung kaum spürbar ist. Wir gehen davon aus, dass es mit der speziellen Vorderachskonstruktion zu tun hat. Die Aufhängung mit zwei Achszapfen ist gegenüber einer integrierten Federbein- und Achsschenkelkonstruktion (McPherson) voneinander getrennt. Der Achsschenkel reagiert auf die Lenkeingabe des Fahrers, während das Federbein die Horizontalbewegungen aufnimmt. Das klingt kompliziert, ist es vielleicht auch. Aber es funktioniert ganz wunderbar.

Honda Civic Type R (9)
© Bild: Werk

Wunderbar heißt auch: schnell.

Der Type R ist eine echte Fahrmaschine. Wenn man das «plus R»-Knöpfchen drückt, schalten alle Systeme auf scharf, die adaptiven Dämpfer geben sich deutlich weniger Mühe, Unebenheiten zu filtern und die Gaspedalkennlinie wird angepasst. 1.382 kg wiegt der Honda vollgetankt, aber ohne Fahrer. Das ist nicht viel. Aber auch nicht extrem wenig. Dafür scheint die Gewichtsverteilung ziemlich gelungen zu sein. Auch beim harten Reinbremsen in enge Ecken wird das Heck nicht zu lebendig, das Ganze ist gut beherrschbar. Ja, wir mögen den Type R, zumindest wenn wir im Auto sitzen. Auch wenn die auffällige Polsterung – die zum Glück eine Option ist – schon etwas auf die Augen geht. Nichts zu kritisieren haben wir an der Bedienung, auch wenn die Anzahl an Displays, Warnanzeigen und Bildschirmen an der oberen Grenze liegt. Nach wie vor unsinnig sind die zum Teil zufällig verstreut wirkenden Schalter. Aber das war bei Honda schon immer so. Und: man gewöhnt sich auch an diese Schalter-Orgie. Vor allem, weil der heiße Civic so viel Spaß macht verzeiht man ihm einiges.

Preis des Honda Civic Type R

Natürlich müssen wir auch noch über den Preis des Viertürers reden. Der ist verglichen mit den Konkurrenzmodellen von Seat (Leon Cupra) oder auch Peugeot (308 GTi) auf Augenhöhe. 37.190 Euro kostet der R mindestens. Der Cupra mit 280 PS  beginnt bei 35.609 Euro und Peugeot will für den GTi mit 270 PS mindestens 38.450 EuroDa mutiert der Japaner schon fast zum Schnäppchen. Zumal auch er hochwertige Komponenten wie die standfeste Brembo-Bremsanlage zu bieten hat. Wer sich mit der wilden Optik anfreunden kann findet im Honda ein wunderbares Sportgerät mit erstaunlich gutem Sound (also den von Motor und Abgasanlage) sowie einer nur wenig eingeschränkten Alltagstauglichkeit. Und noch ein Wort zum Thema Preise. Ein Type R mit allen nur verfügbaren Optionen ist derzeit gleich teuer wie ein VW Golf GTI Performance mit 230 PS.

Honda Civic Type R (8)
© Bild: Werk

Fazit

Wir mögen den Honda, weil er anders ist, weil er so schräg ist, dass er schon fast wieder cool ist. Und, weil er das beste Getriebe an Bord hat, dass wir seit Ewigkeiten gefahren sind. Und die paar Hunderter für die Distanzscheiben bringt man sicher auch noch zusammen…

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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