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Ford Fiesta ST200: Großer Bruder, nimm dich in Acht

Mit dem neuen Ford Fiesta ST200 kann man vor allem eines haben: viel Freude! Der so groß ist, dass über so manches hinweggesehen werden kann.

01.10.2016 radical mag

Einmal mehr ist so: das Gewicht, es kommt auf das Gewicht an! Auf dem Papier wiegt der Ford Fiesta ST200 1.163 Kilo. Gut, er hat 50 Pferdchen weniger als der Focus ST, aber dafür ist er fast 300 Kilo leichter. Von 0 auf 100 km/h verliert er nur gerade 0,2 Sekündchen auf seinen größeren Bruder, 6,7 statt 6,5 Sekunden gibt das Werk an, das ist ja dann nur rein akademisch. Gegen oben ist der Unterschied etwas größer, beim Fiesta ist schon bei 230 km/h Schluss, der Focus schafft die 250 km/h nur ganz knapp nicht. Doch man weiß: Papier ist geduldig. Und wir behaupten: auf der kurvigen Gasse fährt der Kleine dem Großen vorneweg.

Ford Fiesta ST200 durch das Tal in die pure Freude

Da ist er wirklich ein kleiner Freudenspender, der Fiesta ST200. Der mit Overboost ja nicht bloß 200, sondern sogar 215 PS hat. Und nicht nur 290 Nm maximales Drehmoment, sondern sogar fette 320 Nm. Nein, im Fahrbetrieb merkt man das jetzt nicht, man merkt aber: es gibt reichlich. Hat man das definitiv vorhandene Turbo-Tal dann einmal verlassen, dann haut der 1,6 Liter mächtig auf den Putz, dreht fröhlich bis an den Begrenzer bei 6.000/min. Dann wäre man zwar froh, wenn das manuelle 6-Gang-Getriebe etwas knackiger wäre, die Schaltwege etwas kürzer, doch das trübt die Fahrfreude nicht wirklich, denn man kann getrost auch etwas früher schalten, überlegter, dann ist man alleweil noch flott genug unterwegs.

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© Bild: Peter Ruch

Abzüge gibt’s leider für den Innenraum

Die aktuelle Generation des Fiesta ist ja nun schon etwas länger auf dem Markt, acht Jahre, um genau zu sein. 2012 gab es ein großes Facelift, doch es wäre vermessen zu behaupten, dass der kleine Ford noch taufrisch ist. Es heißt, dass im nächsten Jahr der Nachfolger kommt; es heißt auch, dass vielleicht sogar noch ein Fiesta RS kommt, mit den 250 PS aus dem Focus ST. Aber wir haben ja jetzt, was wir haben, und da muss man leider mitteilen, dass der Fiesta ST gerade innen nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Die Mittelkonsole bietet einen Wust an Knöpfchen, wie wir ihn eigentlich in einem aktuellen Modell nicht mehr sehen wollten. Andererseits wundern wir uns auch ein bisschen, wie schnell doch die Zeit vergeht, wie extrem sich die Bedienungssysteme in den vergangenen zwei, drei Jahren verändert haben. Wie auch immer: in Sachen Ergonomie kann sich der ST200 die Maximalpunktzahl nicht abholen.

Gepunktet wird bei der Lenkung und dem Fahrwerk

Gleiches müssen wir leider auch über die Sitzposition berichten: sie ist zu hoch. Das Recaro-Gestühl per se ist hervorragend, ausgezeichneter Seitenhalt bei gutem Komfort, aber man thront halt mehr als dass man sich hineinwirft. Andererseits: man hat dafür eine gute Übersicht. Und es ist großartig, wie man den kompakten Fiesta wirklich ganz nah an den Scheitelpunkt werfen kann, die Lenkung ist von edler Präzision, man sieht alles, und das schafft ja dann auch das Vertrauen, wenn man ein wenig übertreiben will. Dass Ford in Sachen Fahrwerk in die höchste Liga gehört, das wissen wir schon lange; beim ST200 machen sie mal wieder alles richtig. Naja, wenn man gerade ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt erhalten hat, dann wird man wohl beklagen können, dass das alles etwas straff ist. Doch so einen schnellen Fietsa kauft man ja auch nicht, um eine volle Kanne Milch zur Käserei zu fahren.

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© Bild: Peter Ruch

Auf den Berg und noch zwei andere

Und so fuhren wir zuerst auf einen Berg und dann auch noch auf zwei andere, herrlich lässt es sich räubern im Ford. Auch seine Stimmlage ist ganz anständig für einen kleinen Turbo, er knurrt schön. Und bremst bestens, was dann wieder seinem erfreulich geringen Gewicht zuzuschreiben ist. Er wird aber dann hinten schon eher leicht, wenn man zu heftig auf den Eisen ist. Wobei: wir sind ja glücklich mit Automobilen, bei denen man noch selber etwas machen darf, die nicht elektronisch gegen die Regeln der Physik ankämpfen, sondern dem Fahrer die Wahl lassen, ob da noch ein bisschen was geht. Oder eben halt nicht.

Fairer Preis

Auf den Verbrauch haben wir nicht groß geachtet bei dieser Versuchsanordnung, denn wir hatten nur zwei Tage das Vergnügen; die Vorgabe von 6,1 Litern hätten wir wohl kaum geschafft. Berichten können wir aber etwas zum Preis, den Fiesta ST200 gibt’s ab 28.300 Euro, diese Summe erscheint uns recht fair. Zwar ist der Einstiegspreis beim Polo GTI mit 24.280 Euro um einiges günstiger, doch er kann halt auch: deutlich weniger. Zumal der Ford ja schon gut ausgestattet anrollt. Und auch hübsch anzusehen ist.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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