Tesla Model S Elektroauto Alternativer Antrieb Öko Umweltfreundlich Strommix
Der S ist eine Luxuslimousine mit bis zu 500 Kilometer Reichweite, phänomenaler Beschleunigung, Platz für sieben und dem größten Touchscreen nach der USS Enterprise.
 

Vorstellung: Tesla Model S

Tesla bringt sein erstes eigenes Modell: Der S ist eine Luxuslimousine.

19.02.2013 Autorevue Magazin

Als wir aus dem Hotelparkplatz, Ausgangspunkt unserer Testfahrt mit dem Tesla Model S, hinaus auf die Landstraße bogen, wären wir fast in den gegenüberliegenden Kleingarten hineingeschossen, gespenstisch lautlos durch die dichte Thujenhecke brechend. Weil wir das Gas­pedal traten wie gewohnt.

Tesla Model S: Laden noch nicht emmissionsfrei

Das ist der eine Aspekt. Der andere ist: Wenn Sie derzeit ein Elektroauto in Österreich aufladen, werden Sie danach im Schnitt zu 14 Prozent von Atomenergie angetrieben, zu knapp 40 Prozent von Kohle, Gas und anderen fossilen Energieträgern und immerhin zu über 46 Prozent von Wasser, Wind und weiteren sich selbst erneuernden Quellen (Greenpeace 2010). Bis der Tesla wirklich emissionsfrei unterwegs ist, wird es also noch eine Weile dauern. Aber irgendwann wird es genau so sein, das ist fix.

Design: Ein bissl Citroën, Aston Martin und Jaguar

Der Tesla S ist eine eigene Schöpfung der Kalifornier (Designer Franz von Holzhausen). Und er ist gut gezeichnet, ein bissl Citroën (Numero 9 Concept), ein Schuss Aston Martin, etwas Jaguar. Im Gesamteindruck aber dann doch eigenständig – abgesehen davon, dass man innen auf Blinkerhebel, Fensterhebertasten und Dosenhalter von Mercedes stößt, aber wer noch nie in einem Mercedes saß, merkt das eh nicht. Und, wie man uns seitens Tesla versicherte, kann sich das noch ändern, sollten sich zu viele beschweren.

Aber was überhaupt mit Blinkerhebel? Das Ärgste hier ist der Touchscreen, der neben zahllosen Spielereien (öffnet man die Tür, geht auch die des auf dem Bildschirm dargestellten Autos auf, natürlich in der richtigen Farbe) für fast alle wichtigen Funktionen verantwortlich zeichnet: Klima, ­Entertainment, Navigation. Die Kartendarstellung ist riesig. Das Navi wird entweder über ultrastarken Empfänger internetgespeist (daher kann man auch Webradio hören – unendlich viele Sender) oder, wenn kein Empfang ist, via Satellit.

Das Auto ist zudem eine komplette Informationsgesellschaft.

Alles, was mit Batteriestatus und Reichweite und friktionsfreier Anlegung einer Fahrt zu tun hat, ist zu finden. Auch in den banalen Disziplinen wie Kofferraum (es gibt zwei), Sitzplätze (es gibt auf Bestellung sieben – dann allerdings nur mehr einen Kofferraum) und Preis (um die 100.000 Euro in der Top-Ver­sion) kann der S punkten, sodass die Tesla-Leute sagen, sie hätten das beste Auto der Welt gebaut. Und irgendwie fällt es einem schwer, ihnen zu widersprechen – vorläufig einmal. Sogar die Türgriffe verschwinden plan in der Karosserie, wenn man sie nicht braucht (z. B. beim Fahren).

Tesla Model S Elektroauto Alternativer Antrieb Öko Umweltfreundlich Strommix

Es hat schon was, nahezu lautlos die Beschleunigung eines Supersportwagens in ­einer Limousine zu erleben. Ab etwa 100 km/h erledigt sich das mit dem Lautlos allerdings, dann übernehmen normale Abroll- und Windgeräusche die Akustik.Dank der drei gewichtigen Batterien im Fahrzeugboden liegt der Schwerpunkt des ­Autos tief, was der Straßenlage zugute kommt. Das Fahrwerk lässt keine Finessen erkennen, aber auch keine Fehler.

Die Realität des Aufladens und der Reichweite ist natürlich der große Knackpunkt.

Die ­idealisierte Reichweite von 500 Kilometern für das 85-kWh-Akkupaket (den Tesla S gibt es in günstigeren Varianten auch mit 40 und 60 kWh Ladekapazität und entsprechend ein­geschränkten Möglichkeiten des Reisens) wird in Echt auf, sagen wir mal, 300 Kilometer schrumpfen. Wer über Nacht in der eigenen ­Garage aufladen kann und nicht mit dem Auto auf Urlaub fährt, wird wohl stets gut zurechtkommen.

In den USA stellt Tesla ­gerade Schnellladestationen exklusiv für den S auf: eine halbe Stunde laden für drei Stunden fahren, und zwar ­gratis, weil mit Solarpaneelen ­beschickt. Die kommen 2013 angeblich auch nach Europa, aber ein flächendeckendes ­Versorgungsnetz sollte man sich davon eher nicht ver­sprechen.

Tesla baut jetzt 200 Autos pro Woche und liefert in den USA schon aus.

Vorbestellungen mit Anzahlung werden seit 2009 eingereicht (derzeit schon über 13.000), am Anfang haben die Leute sozusagen blind bestellt. Bis zum ­Dezember sollen es 400 gebaute Autos pro Woche sein, das ist dann die Massenproduk­tion, die das Unternehmen aus der aktuellen Verlustzone (110 Millionen Dollar im dritten Quartal) führen soll.

Geldknappheit soll auch ­daran schuld sein, dass der S mit einiger Verspätung unterwegs ist. Im Frühling soll er nach Österreich kommen (geplant war 2012). Und 2014 wird es ein Elektro-SUV namens X geben – wenn alles gut geht, was nach den un­wandelbaren Gesetzen der Massenherstellung eigentlich fast ausgeschlossen ist. Hoffen wir trotzdem das Beste. Es ­wären die Guten, die hier ­siegen würden.

  • markus trullus

    Jaguar XC75 hat technisch ein interessantes Gebiet aufgemacht, obwohl auch Volvo da herumexperimentierte: Microgasturbine als Extender. Sehr kompakt, klein, leise…. sie haben’s noch in Serie umgesetzt, aber das wird schon kommen… bald, denke ich…

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