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Dank des Amaroks hat VW kein Handelsbilanz-Problem in Argentinien.
 

Tausche Oliven gegen Auto

Argentinische Zollbestimmungen zwingen zur Improvisation.

27.04.2011 Online Redaktion

Es ist fast schon absurd, welche Kapriolen die argentinische Währung in den vergangenen Jahrzehnten geschlagen hat. Will man das jetzige Wirtschaftsgebaren verstehen, muss man sich der letzten großen Krise Ende der 1990er zuwenden, die wir kurz vereinfacht nachzeichnen:

1998 stürzte Argentinien in eine verheerende Rezession, in deren Folge 2001 das Finanzsystem zusammenbricht. Der Peso war nichts mehr wert. Hervorgerufen wurde diese Krise unter anderem durch einen enormen Importüberschuss, den die Regierung durch Kredite ausgleichen musste. Die Bevölkerung war pleite, das Ersparte entweder weg oder nichts mehr wert. Zu Hochzeiten der Krise lebten 57 Prozent der Argentinier unter der Armutsgrenze.

Behoben wurde das Problem durch eine Abwertung der Währung, eine Erhöhung der Exporte und eine Importsubstitution. Soll heißen: der Anteil der importierten Waren wurde im Vergleich zu den exportierten möglichst gering gehalten. Das passiert durch inländische Produktion, aber auch durch Restriktionen für fremde Produkte (erhöhte Zölle, Einfuhrbeschränkungen).

Eine Politik, die man jüngst wieder verschärfte. Zwar wurde kein offizielles Gesetz verabschiedet, aber die Auto-Importeure mussten eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben – was den Begriff „freiwillig“ natürlich ad absurdum führt. Diese Abmachung sieht vor, das 2011 wertmäßig nur 80 Prozent von dem eingeführt werden darf, was 2010 ins Land kam.

Sprich: Hat ein Hersteller 2010 Autos im Wert von zehn Millionen Euro importiert, darf er heuer nur Autos im Wert von acht Millionen Euro importieren. Will man mehr ins Land holen, zum Beispiel im Wert von 8,2 Millionen Euro, müssen Waren im Wert von 200.000 Euro exportiert werden.

Der Porsche-Importeur, die Pulenta Gruppe, hat dieses Problem sehr hemdsärmlig gelöst und exportiert einfach Wein und Oliven um eine ausgeglichene Bilanz präsentieren zu können.

Volkswagen indes hat das Problem nicht. Die Marke produziert in Argentinien Teile für den Amarok, hat im Land also eine Wertschöpfung.

Ein größeres Opfer dieser „freiwilligen“ Abmachung ist BMW. Die Münchner verhandeln derzeit mit der argentinischen Regierung. Wie ein Sprecher der Marke im Interview erklärte, sei ein Kompensationsgeschäft, wie es Porsche betreibe, prinzipiell möglich. Bis zu einer Entscheidungen wurden die Lieferungen nach Argentinien aber gestoppt, da die Regierung vor dem Import eine Lösung respektive ausgeglichene Bilanz präsentiert bekommen möchte und nicht erst am Jahresende.

Für BMW kein Problem, schließlich hat man 700 Fahrzeuge im Land die noch ausgeliefert werden müssen. Da das Geschäft der Münchner derzeit ausgezeichnet läuft und die Modelle sehr begehrt sind, war es außerdem kein Problem die 250 Fahrzeuge, die zu Jahresanfang für den Export nach Argentinien vorgesehen waren, in anderen südamerikanischen Märkten unterzubringen. Zumindest in Deutschland ergibt sich dadurch kein wirtschaftlicher Nachteil. Die BMW-Händler vor Ort werden das anders sehen.

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