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Tachomanipulation, wie’s geht und was dagegen hilft

Bei der Gebrauchtwagensuche sind Preis, Baujahr und Kilometerstand wesentlich. Letzterer ist wahrscheinlich nicht so aussagekräftig, weil manipuliert.

24.10.2015 Press Inform

Ein Mercedes C 220 CDI aus dem Jahr 2005. Der Traum vieler Autofahrer, die endlich mal einen Stern in der Front ihr Eigen nennen wollen und zugleich beim Spritverbrauch sparen möchten. Laut Anzeige hat er erst 167.562 Kilometer gelaufen, sprich 16.765 Kilometer pro Jahr. Das ist weder zu wenig, noch zu viel um einen Betrug zu erwarten. Falsch gedacht! Denn der Vorzeige-Gebrauchte hat bereits 585.844 Kilometer auf der inneren Uhr. Warum nur 418.282 Kilometer angezeigt werden liegt aber nicht an einem technischen Fehler. Der Grund ist wesentlich krimineller: Der Tacho wurde manipuliert. Zugegeben, dieser Fall ist schon ein äußerst extremer, doch selbst die durchschnittliche Manipulation der Laufleistung von über 65.000 Kilometern gibt zu denken.

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Tachomanipulation kommt häufig vor

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gebrauchtwagen von einem Privatmann oder einem Autohaus angeboten wird. „Der Mann mit dem Koffer“, wie er gern in Fachkreisen genannt wird, macht auch Hausbesuche und braucht nur wenige Augenblicke für ein paar zehntausend Kilometer. An der Technik hat sich natürlich im Laufe der Jahre etwas geändert. So reichte noch vor dreißig Jahren eine Bohrmaschine um einen VW Käfer zu verjüngen. Heute schaut es aber eigentlich nur ein wenig digitaler aus. Was negativ überrascht, ist hingegen die Häufigkeit. Beispielsweise ist laut Berechnungen der Polizei an jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert worden.

Tachomanipulation, der ADAC erklärt wie’s geht

Gefahr für den Käufer, aber tausende Euro Gewinn für den Verkäufer

Das Ausmaß der Tachotäuschungen machen zwei Beispielsberechnungen von TÜV Rheinland deutlich: Reduzieren Betrüger bei einer Mercedes-Benz E-Klasse, Baujahr 2011, die Laufleistung um 66.000 Kilometer von 114.000 auf 48.000, bedeutet das einen höheren Erlös von 5.400 Euro. Bei einem VW Polo, Baujahr 2014, schlägt eine um 36.000 Kilometer verringerte Laufleistung mit 1.200 Euro Mehrgewinn zu Buche. Den jährlichen Schaden in Deutschland beziffert die Polizei auf fast sechs Milliarden Euro. „Neben der kriminellen Geschäftemacherei spielen bei Tachomanipulation auch Aspekte der Verkehrssicherheit eine Rolle“, erklärt Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Mobilität TÜV Rheinland und betonte: „Geht ein Käufer von einem erheblich geringeren Kilometerstand des Fahrzeugs aus, fährt er möglicherweise zu spät zur Inspektion. So können Defekte oder Verschleiß etwa an Bremse und Fahrwerkskomponenten unentdeckt bleiben.“

Milde Strafen, aber es gibt Abhilfe

Dahinter steckt ohne Zweifel ein hoher Grad an krimineller Energie, der „leider noch viel zu selten und milde bestraft wird“, findet auch Mechthild Heil, MdB und Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Tachomanipulation ist kein Kavaliersdelikt, daher müssen wir die Strafen im Betrugsfall deutlich erhöhen. Wir wollen Kunden und Verkäufer besser schützen, indem wir die Möglichkeiten schaffen, die gesammelten Kilometerstände bei Hauptuntersuchung, Reifenwechsel oder Panne freiwillig in eine Datenbank einzuspeisen, ähnlich wie es heute schon in Belgien passiert.“ Das angesprochene Car-Pass Model im Nachbarland Belgien ist ein großer Erfolg. „Die Zahl neuer Fälle von Tachomanipulation ist seit der Einführung des Car-Pass Systems drastisch zurück gegangen, von 60.000 jährlich auf 1.239 in 2014“, verrät Michel Peelman, CEO Car-Pass, Belgien.

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Mehr Sicherheit beim Gebrauchtwagenkauf

Und auch in Deutschland mehren sich die Datenbanken, durch die sich ein Gebrauchtwagenkauf wieder zu einem ehrlicheren Geschäft wandeln soll. Ob nun die Initiative gegen Tachomanipulation, Motory oder Arvato – sie alle haben ein Ziel: Der Gebrauchtwagenkauf soll sicherer werden. „Unser Ziel ist es, mehr Sicherheit für Käufer und Verkäufer zu schaffen. Wir leisten damit einen Beitrag, fingierte Kilometerstände zu identifizieren, Tachobetrug einzudämmen und damit den Gebrauchtwagenkauf transparenter zu gestalten“, sagte Frank Schlein, Geschäftsführer Risk Management bei arvato Financial Solutions. Um Betrügereien und wirtschaftliche Schäden aus Kilometerzählermanipulationen zu minimieren, ist es das Ziel von arvato Financial Solutions, Kilometerstände über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) zu checken. Für jedes Kraftfahrzeug soll zukünftig vom Verkäufer abfragbar sein, welchen Kilometerstand es zu einem bestimmten, gespeicherten Zeitpunkt hatte. Die Kilometerstände sollen bei Versicherungen, Prüfgesellschaften und weiteren Partnern eingeholt werden. „Da der Datenschutz oberste Priorität hat, wird eine solche Lösung nur mit der Einwilligung des Verkäufers möglich sein“, bekräftigte Schlein.

Was beim Gebrauchtwagenkauf unbedingt zu beachten ist

Die andere Möglichkeit wäre eine generelle Veränderung seitens der Hersteller. Doch die drücken sich seit Jahren um den Einbau einer geeigneten Software. Wobei an dieser Stelle zu Bedenken gegeben werden muss, dass bislang noch jede Software, also jeder Chip geknackt wurde. Warum sollte es sonst Virenprogramm und sonstige Abwehrsoftware geben, die teilweise für viel Geld zumindest den Anschein von Datensicherheit versprühen sollen. Wer auf derlei Software und selbst gepflegte Datenbanken verzichten möchte, dem bleibt genau das, was bis heute jedem Autokäufer bleibt: Vertrauen und ein wenig Fingerspitzengefühl. Sollte sich ein Verkäufer weigern, aus was für Gründen auch immer, die letzten Werkstatt- oder Hauptuntersuchungsberichte hervorzuholen, riecht es zumindest schon ein wenig faul. Sollten die Unterlagen vorliegen und die jeweiligen Kilometerstände weder chronologisch noch in irgendeiner anderen Form nachvollziehbar sein, ist was faul. Dann heißt es: Finger weg und weitersuchen. Der richtige Gebrauchte kommt bestimmt.

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