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Vernetzung und Radar sind die kommende Generation der Fahrzeugsicherheit.
 

Systemfehler: Das gehackte Auto

Profis können moderne Autos hacken und sie fernsteuern. Zwar gibt es dazu wenig Anwendungsmöglichkeiten, aber das vernetzte Auto wird sie liefern.

25.06.2014 Online Redaktion

Mehr als einen Internetzugang und einen Laptop braucht Mat Solnik nicht, um sich in jedes moderne Auto zu hacken und es fernzusteuern. Solnik forscht auf dem Gebiet der IT-Sicherheit. Er will Daten retten, Systeme verbessern und bestimmt auch ein klein wenig den Klugscheißer spielen. Sein jüngster Coup war, sich in ein Auto zu hacken und es fern zu steuern. Genau genommen war das nur eine Frage der Zeit. Denn drei Entwicklung rauschten aus verschiedenen Ecken aufeinander zu und knallten jetzt in der Mitte zusammen.

Drive by wire

Entwicklung eins: Drive by wire. Genau genommen treten sie schon seit Jahren kein Gaspedal mehr. Was aussieht wie ein Gaspedal ist eigentlich nur ein überdimensionaler Knopf, der einem Computer sagt, dass sie gerne schneller fahren würden. Auch mit dem Lenkrad steuern sie nicht die Räder, sondern einen Computer, der daraufhin entsprechende Teile in Bewegung setzt. Aus Ingenieurssicht ergibt das Sinn. Der Hersteller braucht weniger Schläuche und Dichtungen, sondern eben nur Kabel. Das minimiert den Wartungsaufwand.

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„Alle Intelligent Safety Systeme abschalten?“ Das wäre es doch mal. Einfach abschalten.

Canbus

Entwicklung zwei: Der Canbus. Darunter verstehen Entwickler das Kommunikationssystem des Autos. Jahrzehntelang war dieses System nach außen abgeschlossen. Es musste nur mit sich selbst sprechen. Dadurch gab es keine Konkurrenz. Während im World Wide Web die Sicherheit und die Komplexität quasi täglich angehoben wurden, um Seiten und Systeme vor Angriffe von außen zu schützen, stagnierten die Auto-internen Systeme auf steinzeitlichem Niveau. Immerhin: es funktioniert.

Vernetzung

Entwicklung drei: Vernetzung der Fahrzeuge. Mittlerweile ist jedes Auto mit dem Internet verbunden, versucht mit anderen Autos zu kommunizieren oder offeriert dem Fahrer gleich selbst eine App, um einzelne Funktionen von außerhalb steuern zu können.

Drei Gründe gibt es, warum nicht jedes moderne Auto von kriminellen Hackern ferngesteuert wird. Es gibt zu wenige kriminelle Hacker, man muss ein wirklich guter Hacker sein und es gibt selbst für gute und kriminelle Hacker wenig Anwendungsmöglichkeiten. Hilflose Fahrer erpressen, einen Unfall verursachen. Das war es aber auch schon.

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Mit der BMW i3 App kann man die Hupe aktivieren.

Hacken ist eine Kostenfrage

Der Aufwand, der betrieben werden muss, um ein Auto zu hacken, wird aber immer geringer. Alberto Garcia Illera ist Software-Sicherheitsexperte und hat ein Tool entwickelt, das rund 18 Euro kostet. Das CHT – das Car Hacking Tool. Einfach mit dem Canbus verbinden, schon hat der Hacker Zugriff auf das Auto. Die Programmier-Fertigkeiten, die Solnik braucht, sind bei Illeras Produkt nicht mehr nötig.

Wozu ein Auto hacken?

Derzeit ergibt es keinen Sinn ein Auto zu hacken. Der Nutzen wäre zu gering. Allerdings entwickelt sich die Autoindustrie gerade zu einem lohnenswerten Opfer. Die steigende Vernetzung der Autos, der immer höhere Verbreitungsgrad moderner Autos und der Trend, die Wagen über Apps zu steuern, erhöht die Zahl der potentiellen Opfer. Gleichzeitig wird das Wissen verbreitet, wie Programmierer in ein Auto einsteigen können – immerhin präsentierte Illera sein CHT auf einer Messe in Singapur.

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Modern, aber nicht zeitlos.

So bekommen immer mehr Hacker potentiell Zugriff auf immer mehr Autos. Der Eingriff ist dabei nicht einmal nachzuweisen. Hackt man sich von außen in das System kann niemand erkennen, ob der Fahrer den Wagen die Klippe hinunter gelenkt hat, oder ob ein Hacker den Befehl gab.

Die Lösung der Autoindustrie könnte sein, Hacker wie Solnik oder Illera einzustellen und ihnen die Systemsicherheit anzuvertrauen. Der Kunde könnte sich fragen, was genau Sicherheit und Freiheit heutzutage im Auto bedeuten.

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