Suzuki Swift dyn links
Da Styla is da Killa. Voll bombä!
 

Testbericht: Suzuki Swift 1,2 Deluxe

Jung bleiben heißt eine neue Sprache für sich zu entdecken. Suzukis Linguistik-Kurs.

09.12.2010 Online Redaktion

„Da Styla ist da Killa.“
„Yeah, voll bombä.“
„Mit dem kannst schranzen.“
Man muss eben auch bei der Wortwahl mit der Zeit gehen und sollte sich nicht an den sprachbewahrenden Zwiebelfisch-Kolumnen festkrallen. Bei allem nötigen Respekt für Spiegelautor und Kabarettist Bastian Sick. Dessen Fans sei aber erklärt:
Styla/Killa – „Dieses individuell gestaltete Auto gefällt mir ausnehmend gut.“
Bombä: „In der Tat, dem kann ich nur zustimmen. Es ist eine Augenweide.“
Schranzen: „Die­ses Automobil hat ein ­hohes Spaßpotenzial.“

Gut, vor den Krocha-Hochburgen dieses Landes (in Wien: Millennium, Nachtschicht, Praterdome) versteht die altertümlichen letzten Sätze niemand mehr, da sollte der Swift als Sprachrohr zu Rate gezogen werden.
Den hat Suzuki in die nächste Generation geführt. Was grundsätzlich nur Kennern auffällt. Neun Zentimeter mehr in der Länge, plus fünf beim Radstand. Letzterer ­Zugewinn kommt vor allem den Fondpassagieren zugute, die ab einer bestimmten Körpergröße allerdings immer noch Verhandlungsgeschick mit dem Vordermann beweisen müssen. Sonst: schärfer ­gezeichnete Scheinwerfer, sanft aufge­bürstete Front, trotz mehr ­Karosserie etwas weniger ­Babyspeck. Wirklich hip wird dieser Generationenwechsel erst, wenn man von den standardisierten Farben abweicht und sich an das Individual-­Design von ­Suzuki wagt. Hier an den roten Rennstreifen und dem schwarzen Dach zu erkennen – macht in Summe 1.150 Euro extra. Durch einfacher zu verklebende Folien soll das Styling aber angeblich bald günstiger werden. Auch ein leopardenfarbiges Dach ist im Angebot (536 Euro). Hier steckt das wahre Dramatisierungspotenzial.

Das nötige Kleingeld sollte dem Kunden übrig bleiben. ­Suzuki hat den Swift so eingepreist, dass die Konkurrenten wie Wucherer dastehen. Der getestete 1,2 GLX mit 94 PS kommt in der Topvariante „Deluxe“ für 14.290 Euro, hat dafür aber schon so ziemlich alles an Bord, was sich andernorts noch auf der Aufpreisliste versteckt. Sitzheizung, Klimaanlage, USB-Anschluss für das CD-Radio, Fernbedienung, Leichtmetallfelgen, Keyless-Start.

Irgendwo muss das Geld aber eingespart werden, und so riecht der Innenraum nach ostdeutschem Chemiekombinat. Einerseits eine Kleinigkeit, die sich nach ein paar tausend Kilometern im wahrsten Sinne des Wortes rausgewaschen ­haben sollte, andererseits ein ­Ärgernis, das man nur noch von russischen Fabrikaten kennt. Sonst gibt es innen aber nichts auszusetzen. Klar: Plastiklandschaft. Die dafür aber gut verarbeitet.

Der Motor bietet, was man von ihm erwartet. Und mehr. 94 PS reichen bei einem Kleinwagen, der gerade mal eine Tonne auf die Waage bringt, völlig aus. Von der Kupplung weg gibt er sich zwar noch etwas zäh, meldet sich aber bei rund 3000 Touren vehement zu Wort. Weniger zu diesem Anspruch passen die gefühl­lose Lenkung und die Schaltung, die von Gang zu Gang lange Wege geführt werden will.

Quasi als Entschädigung ist der Motor flüsterleise. Ist der erst einmal auf Betriebstemperatur, glaubt man an roten Ampeln gar an eine Start-Stopp-Automatik – die war nicht mit an Bord (würde 400 Euro Aufpreis kosten). Aufpreis, schlechtes Stichwort für die Mitbewerber. Den hätte der Polo gerne für Kopfairbags (512 Euro). Im Swift schon ­Serie. Zusammen mit dem Knieairbag (!) für den Fahrer. Die einstige Geizhals­liga meldet also höhere Ansprüche an. Recht so.

„Bam. BraQ, Oida.“ Mit großem „Q“. „Das Gesamtpaket weiß mich nachhaltig zu überzeugen.“

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