McLaren MP4 am Slovakiaring
Großes Tamtam am Slovakia-Ring. Der McLaren sieht's gelassen.
 

Supertest 2013 – Tränen im Sonnenuntergang

Supertest 2013: Während die einen Bestzeiten fahren, sammle ich Erinnerungen für das kommende Jahr.

11.08.2013 Autorevue Magazin

Es ist nicht so, dass ich nicht auch viel Auto gefahren wäre. Am intensivsten war die Ein-Tages-Etappe im Jaguar F-Type V8 als Auftakt für den Supertest, da bin ich echt nur zum Schlafen ausgestiegen und hab laut geträumt die ganze Nacht.

Was mir noch gut in Erinnerung ist: Der Stint vom Sammelplatz in der Motorcity im Süden von Wien in den Wienerwald zum Auslüften, absolviert in dem Maserati Quattroporte, auch ein V8, aber halt so ganz anders als der Jag. Fünfmeterdreißig und knapp zwei Tonnen – nicht ohne, so ein Schiff aus dem Handgelenk über die hurtigen Kurven zwischen Sulz, Gruberau und Kaltenleutgeben zu bringen, wenn einem ein Porsche Cayman im Pelz hängt wie ein überdrehter Pinscher. Lustig aber allemal, das muss man sagen._autorevue-motorblog-supertest-nachschau-6

Und dann das denkwürdige zweite Aufstehen: 3.30 Uhr. Ich bin schon lange nicht mehr so zeitig aufgestanden. Der Sternenhimmel war großartig, die Kassiopaia stand am Himmel und der große Wagen (mehr Sternenbilder kenne ich nicht, außer vielleicht noch Orion, aber den sieht man nur im Winter, wenn ich noch weit weniger gerne in aller Herrgottsfrüh aufstehe). Das Offenfahren im 911 Cabrio passte zur Stimmung. So kontrolliert alles, so smooth und gefällig, und gleichzeitig ernst bis in die letzte Fuge. Wenn ich nämlich etwas hasse, ist es Humor am frühen Morgen oder Divenhaftigkeit. Ich mutiere dann zum ärgsten Misanthropen unter der Sonne.

Nächster Höhepunkt des Supertest 2013: Die Rast am Braunsberg, der Anfang August aussieht wie ein Stück zentralasiatische Steppe in Kasachstan. Nicht so öd, aber so ausgedörrt. Oben saßen wir unter zwei Föhren und einer Fichte, schauten auf die Donau und ließen geschehen, was geschah. Der Fotograf fotografierte, die Autos defilierten in all ihrer Pracht über den Parkplatz und die Sonne schien erbarmungslos.

Die Fahrt zum Slovakia Ring reihe ich in meiner Bestenliste eher vorne ein. Wie letztes Jahr fiel mir wieder der McLaren zu, diesmal der offene, – und gut, ich gebe zu, ein bisschen hab ich nachgeholfen und mir einfach den Schlüssel gekrallt, als grad keiner der Kollegen herschaute.

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Am Ring hatte ich das Nachsehen. Wendlinger machte seine Arbeit, und er machte sie wie jedes Jahr gut und unterhaltsam, auch für uns, die wir nach jedem Test-Flight an seinen Lippen hingen, um zu hören, was er zu berichten hatte. Selberfahren erschien mir, als wollte ich neben Van Gogh eine Sonnenblume malen. Versucht hab ich es aber doch. Halbherzig bog ich in einer Kurve in die untergehende Sonne, die mir die Tränen in die Augen und die rechte Kontaktlinse aus dem Auge trieb, worauf ich wie ein Blindfisch über den Kurs stocherte, den Ariel Atom erst im Rücken und dann demütigenderweise auch schon vor mir.

Manche Erinnerungen würde man gerne löschen. Aber dann wäre der Rest auch weg. Kein F-Type, kein McLaren, kein Quattroporte? Wäre schade drum.

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