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Supertest 2015: KTM X-Bow GT4

radical-mag war unser Gast am Supertest 2015, Peter Ruch nahm in allen Fahrzeugen Platz. Seine Meinung zum KTM X-Bow GT4 und was er über Kapfenberg denkt.

22.12.2015 radical mag
Peter Ruch war unser Gast beim Supertest 2015, wir wollen euch seine sehr lesenswerten Berichte nicht vorenthalten.

Da, bevor es hoch geht Richtung Seewiesen und dann wieder runter nach Mariazell, da ist dies Städtchen Kapfenberg. Nichts, was man wirklich kennen wollte oder gar müsste, ganz besonders dann nicht, wenn man in einem KTM X-Bow GT4 unterwegs ist. Denn Kapfenberg zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass es gefühlt alle 50 Meter über ein auf Rot stehendes Rotlicht verfügt, dazu über jede Menge Schleicher in Gebrauchtestwagen, welche die Grünphase verpassen – und zwischen den roten Ampeln noch über Fußgängerstreifen, über die sämtliche Rentner der Steiermark mit ihren Rollatoren trudeln. Nichts gegen Rentner und ihre Rollatoren und überhaupt die Steiermark, eine der schönsten, gastfreundlichsten Gegenden Europas, aber wenn ich im KTM sitze, dann brauche ich Kapfenberg nicht. Kapfenberg machte mich nur schwitzen. Und fluchen.

Unter der Kuppel im KTM X-Bow GT4

Was zum Glück niemand hörte in besagtem Kapfenberg, denn der X-Bow hat als GT4 ja ein Dach. Wobei, es ist dies mehr eine Kuppel, dort, wo beim klassischen KTM bisher nichts war, ist jetzt eine wunderschöne Schwinge mit einem noch wunderschöneren Plexiglas-Verbau, der als Ganzes hoch- und darniederschwingt, lautlos, friedlich, formvollendet. Es braucht also keinen Helm mehr, um den X-Bow zu fahren, das ist schon einmal ein ganz entscheidender Fortschritt, denn eben dieses Fahren mit Helm war wohl einer der Gründe, weshalb ganz viele potenzielle Kunden gar nie einen vierrädrigen KTM fahren wollten.

KTM X-Bow GT4 (1)
© Bild: Peter Ruch

Ums Eck gedacht, gut so

X-Bow: gutes Teil. Eigentlich. Zumindest – für uns – Freaks, die wir Fahrspaß über Komfort stellen, die wir selber am Lenkrad drehen und nicht von der Elektronik um den Bogen gefahren werden wollen, die wir selber in den Füßen spüren wollen, was denn mit Gas und Bremse möglich ist. Der X-Bow war trotzdem kein Erfolg, kann nur überleben dank den Zweirädern von KTM und einer Chefetage, die auch ein bisschen ums Ecke denkt.

Ein Lächeln im Gesicht

Wir wissen und verkünden es hier und jetzt: KTM macht weiter mit einem Automobil – das Carbon-Monocoque wird bleiben, alles andere neu gedacht und konstruiert. Wie weit man damit in Österreich schon ist, das verrät KTM noch nicht, doch die Ankündigung allein zaubert schon ein Lächeln auf unser Gesicht. Denn die Jungs sind ja lernfähig – und Profis. Und haben ein sehr motiviertes Team, auch von Zulieferern, um sich.

KTM X-Bow GT4 (2)
© Bild: Peter Ruch

Und so muss man den X-Bow als GT4 sehen

Es ist ein Versuchsballon. KTM will wissen, wie das neue Kiska-Design ankommt – und wie denn die Bedürfnisse der Kundschaft sind. Das Fahrzeug, das wir bewegen dürfen, ist zwar kein Einzelstück mehr, aber immerhin der erste öffentliche Auftritt eines Produkts, das eine Brücke baut zwischen dem bisherigen X-Bow, einem renntauglichen Kunden-Fahrzeug – und der vierrädrigen Zukunft der Marke. Die GT4-Homologation hat der Wagen schon, damit ist das Teil weltweit – wenn noch der entsprechende Käfig eingebaut wird – rennstrecken-tauglich.

Genau: renntauglich

Damit wären wir dann wieder in Kapfenberg, dort bei den Rotlichtern und Rentnern und den anderen Schleichern. Renntauglich heißt auch: Renn-Kupplung, so ein Sinter-Dings, das genau einzig funktioniert, also: go. Oder dann: no go. Im Stadt- und Schleichverkehr bist du damit die Lachnummer, manchmal dreht er zu hoch, manchmal hüpft er, hin und wieder, selten genug, ist er smooth. Nein, ausgegangen ist er mir in Kapfenberg nie, aber, ja: Fahrfreude sieht anders aus. Die kommt dann: danach, den Berg hoch. Kuppeln ist ja nur im ersten Gang, die restlichen fünf haut man halb-automatisch sequentiell über die Paddels rein, Holinger, perfekt gemacht, sehr schnell, traumhafte Übergänge, hoch wie runter. Die Kraft kommt aus dem bekannten Audi-Vierzylinder, 2 Liter Hubraum, 360 PS bei 7.200/min in der GT4-Konfiguration, das, äh, reicht für ein ganz flottes Vorankommen. Man bewegt ja auch nur ein Spielzeug, 999 Kilo, 4,11 Meter lang, 1,93 Meter breit und neu mit 2,6 Meter Radstand, plus 16 Zentimeter, also: deutlich weniger nervös.

KTM X-Bow GT4 (10)
© Bild: Peter Ruch

Mit beiden Beinen im Gefängnis

Was wollen wir schon schreiben zum Fahrverhalten: auf öffentlichen Straßen lässt sich das nicht so recht beurteilen, da steht man mit beiden Beinen im Gefängnis, wenn man sich schon friedlich an die untersten Grenzen herantastet. Hart ist er, der GT4 (weil: renntauglich), allen Spuren läuft er nach (weil: Semi-Slicks, hinten 300er). Die reine Freude ist die Präzision der Lenkung (45 Prozent des Gewichts vorne), das Ansprechverhalten und die Drehfreudigkeit der Maschine – je länger man fährt, desto größer wird die Freude. Bis dann das nächste Dorf kommt.

Weiterhin kein ESP, das ist klar

So ein bisschen ABS, Renn-Konfiguration, also eher: nein. Doch so schnell ist man, wie erwähnt, auf den öffentlichen Straßen da oberhalb von Kapfenberg eh nie unterwegs, dass man solches wirklich brauchen würde. Schnell ja, das ist man, er drängt dorthin, der KTM, man will – man kann. Aber immer auf der Hut, denn er ist immer noch ein Biest, ein böses Tier, das so schnell ist wie ein Porsche GT3, aber viel bissiger, giftiger – und irgendwie fröhlicher, freudiger. Nein, mit dem X-Bow fährt man auch als GT4 nicht mal schnell zum Einkaufen nach Kapfenberg, da ist man nur gewollt und hochkonzentriert unterwegs. Er ist und bleibt absolut «radical», die Anti-These des autonomen Fahrens, und allein schon deshalb lieben wir ihn. Dass sich meine 1,9 Meter und fast dreistelligen Kilo sich in diesem Sitzschälchen derart wohlfühlen, das hätte ich allerdings nicht erwartet. Auch feinst: die Verarbeitung, sehr sauber gemacht. Aber das darf man für einen Grundpreis von 139.000 Euro auch erwarten.

KTM X-Bow GT4 (5)
© Bild: Peter Ruch

Meinetwegen: mehr Lärm

Das dürfte schon, aber ist halt: 4-Zylinder-Turbo. Aber daran will KTM eh noch arbeiten, wie auch an der derzeit noch ziemlich schwergängigen Lenkung. Man hört so munkeln, dass die ersten GT4 schon verkauft sind, also werden jetzt wohl laufend Verbesserungen in den Wagen einfließen. Denn die Kunden sind ja keine Warmduscher, die wissen sehr genau, was so ein Wagen können muss, was sie von ihm erwarten. Man darf sich wirklich darauf freuen, was da noch kommen wird.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

  • stpr

    Leider aus jeder Ansicht extrem hässlich, dabei habe ich den Original-XBow so geliebt :( Auch das Gewicht ist leider kein Ruhmesblatt (mehr), wenn ich mir bspw. den um 100kg leichteren Alfa Romeo 4C anschaue (der noch dazu wie ein Auto aussieht).

    • Reinhard Pirringer

      Geschmäcker und ohrfeigen sind ja bekanntlich verschieden…

  • DoNuT

    Cooles Gerät… Wird zwar zu oft vom unkundiger Hand bei solchen Jollydays-Events missbraucht, aber trotzdem schön, dass Österreich auch seine Elise hat. Ausgerechnet von einem Zweiradhersteller.

    Eine X-Bow-Familie wäre lässig, aber besser zwei klar abgegrenzte Varianten wie jetzt, ohne sich alà Lotte total zu verheben…

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