Sunfire: Synthetischer Diesel aus Kohlendioxid

Regenerativ statt Fossil: ein deutsches Unternehmen erzeugt Diesel-Kraftstoff aus CO2 und Wasser.

22.04.2015 Online Redaktion

Das Rezept klingt zu schön, um wahr zu sein: Man nehme das Kohlendioxid, das von Industrie und Verkehr in die Atmosphäre gepumpt wird, dazu Wasser und Strom (aus regenerativen Quellen) und mache daraus Diesel. Und doch – genau diesen gordischen Knoten hat das Dresdner Unternehmen Sunfire gelöst, gestern wurden die ersten fünf Liter Sprit, die die Pilotanlage produziert hat, der deutschen Forschungsministerin Johanna Wanka in den Dienstwagen getankt.

Blue Crude

Der Treibstoff, „Blue Crude“ genannt, zeichnet sich aufgrund der geraden Kohlenwasserstoff-Ketten durch seine hohe Cetanzahl aus und ist außerdem frei von Aromaten – er verbrennt rußfrei. Für die Produktion wird zunächst Wasser in einer Dampf-Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten, dank dieser Technologie erreichen die Deutschen einen Wirkungsgrad von über 90%. Parallel wird das Kohlendioxid in Kohlenmonoxid und Sauerstoff zerlegt, dann wird der Diesel-Kraftstoff aus CO und Wasserstoff zusammengesetzt. Alternativ kann der gespaltene Wasserstoff auch eingelagert und einer Brennstoffzelle wieder zur Stromproduktion genutzt werden.

Sunfire: „Kommerzialisierung möglich ab 2016“

Prinzipiell eignet sich die Technologie für eine Kraftstoffproduktion in industriellem Ausmaß. Ob und wann eine weitere, größere Power-to-Liquid-Anlage entstehen wird, ist noch nicht bekannt. „Das internationale Interesse an der Technologie ist weiter sehr groß, ist aber abhängig von den sich aus den regulatorischen Rahmenbedingungen ergebenden Geschäftsmodellen“, sagt Mitbegründer Christian von Olshausen. „Kommt der erste Kundenauftrag, sind wir ab 2016 bereit für eine Kommerzialisierung der Technologie.“

Aber immerhin: Die französischen Energie-Konzerne Total und EDF (Électricité de France) sind als Unterstützer an Bord und werden durchaus Interesse haben, mit dieser Technologie auch einmal Geld zu verdienen. Ganz abgesehen von der verlockenden politischen Perspektive, unabhängig von geopolitischen Gegebenheiten und fossilen Rohstoff-Vorkommen den eigenen Energie-Bedarf decken zu können.

Die reversible Elektrolyse-Technologie von Sunfire ist übrigens auch für den EDF-Innovationspreis nominiert. Noch bis 3. Mai läuft das Voting – hier.

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