Form follows Function anstatt L’art pour l’art: Die Hutze auf der Motorhaube ist ­keine Attrappe. Sie versorgt den Ladeluftkühler. Insgesamt gewinnt das ganze Auto den Charme aus seiner Echtheit.
 

Subaru Impreza Testbericht

Man müsste Klavierspielen können. Wenn nicht, kann man immer noch ein anderes wohl­temperiertes Instrument wählen – zum Beispiel dieses hier.

01.04.2008 Autorevue Magazin

Irgendwann, früher oder später im Leben beginnst du die zentrale Frage zu stellen, die dich sodann schnurstracks in die Midlifecrisis führt. Hab ich alles richtig gemacht? Wichtige Abzweigungen versäumt, Winke des Schicksals missachtet?  Und wenn die Zweifel ganz krass kommen: Hätte ich vielleicht doch besser Klavierspielen lernen sollen, da dies ja als sozial verträglicher gilt als schnelles Autofahren? Aber was soll’s? Ich kann heute nun mal besser Autofahren als Klavierspielen, auch wenn ein kleiner Ausrutscher bei den Etüden von Alexander Scrjabin weniger Schaden anrichten würde.

Ich hatte ja keine Wahl in der Jugend. Auf das Blockflötespiel meiner Mutter im Advent war keine Künstlerkarriere zu gründen, auch stand kein Klavier rum, nicht einmal singen wollte jemand mit mir. Obwohl ich schon damals dachte, lieber singend wie Udo Jürgens rasch reich werden als so schnell tot sein wie Jochen Rindt. Doch dann kam eh alles, ohne lang zu überlegen: Eine bestandene Aufnahmsprüfung in die HTL für Kraftfahrzeugbau und Mamas Käfer vor der Tür sollten meinen Lebensweg nachgerade bedingungslos vorzeichnen.

Jedenfalls glaube ich nicht, dass dich ein gutes Klavier zu einem talentierten Pianisten macht. Ein gutes Auto kann dich aber doch zu einem besseren Autofahrer machen, jedenfalls relativ. Ich sitze also jetzt in diesem Subaru, nunmehr 300 PS vor der Nase, naturgemäß Allradantrieb. An der Mittelkonsole Tast- und Drehknöpfe, die mich ein bisschen verunsichern. Würde mich das Drücken und Drehen an diesen Knöpfen gleich in die Jagdgründe katapultieren? Immerhin lässt sich die Motorcharakteristik in drei Stufen verdrehen: Sport, Sport Sharp oder Intelligent. Mit einer weiteren Taste greift man ins Mitteldifferenzial ein. Im Automatik-Modus erledigt das System die Drehmomentverteilung an die Achsen von selber, im Manuell-Modus besteht die Möglichkeit, per Schieberegler daneben zwischen sechs verschiedenen Sperrgraden zu wählen.

Und schon wieder alte Geschichten aus dem Hinterkopf: Entweder die Unterschiede sind so gering, dass du kaum etwas davon mitkriegst, oder aber die Situation wird in der einen oder anderen Stellung rasant prekär. Doch nichts von beidem: Die Unterschiede sind gut zu spüren, jedenfalls in den Extremen Automatik, volle Sperre, ganz geöffnetes Differenzial. Aber nie wird der Wagen giftig. Eine saubere Spur alleweil, bei gesperrtem Mitteldifferenzial und losem Untergrund lässt es sich formidabel tanzen. Dazu die superexakte Lenkung. Dass sie ziemlich normal übersetzt ist, also nicht extra direkt, stört überhaupt nicht.

Erstmals beim WRX gibt es auch eine Fahrdynamik-Regelung (VDC). Man kann sie quasi halb oder ganz wegschalten. Halb heißt in diesem Fall in einen Modus, bei dem das VDC erst spät in Aktion tritt und die Motorleistung nicht gleich bei Schlupf zurückgenommen wird. Damit ist durchaus ein moderater Drift drinnen. Übrigens handelt es sich hierbei nicht bloß um eine hübsche Prospekt-Weisheit, das funktioniert tatsächlich genau so und nicht anders.

Jetzt zwanzig PS mehr, also 300. Das wollen wir gar nicht  halbstark zerreden. Der Vierzylinder-Boxer mit 2,5 Liter Hubraum und Turbolader zeigt eine wunderbar harmonische Leistungsentfaltung. Der entscheidende Punkt ist aber gar nicht der Leistungszuwachs. Die Subaru-Motoren sind ja nicht gerade als Gipfel der Sparsamkeit bekannt, doch hier hat man einen ganz entscheidenden Schritt erreicht. Wir sagen es unverhohlen: Der alte WRX und der Mitsubishi Evo soffen geradezu um die Wette. Verbrauch war keine ernst genommene Dimension. Und jetzt? Rund 11 Liter auf 100 km, und zwar im wahren Leben und nicht bloß auf irgendeinem geduldigen CO2-Ausweis. Damit ist auch das leidige Thema der geringen Reichweite Geschichte.

Einem Auto mit so dramatisch sportlicher Genetik dürfte man wohl ein paar Einschränkungen im Alltag verzeihen. Tatsächlich: Der Kofferraum ist nicht rekordverdächtig, weil die neue Hinterachse mit doppelten Querlenkern gemeinsam mit etlichen karosserieverstärkenden Maßnahmen relativ viel Platz beansprucht. Sonst geht er als passables Familienauto durch. Auch der Fahrkomfort stellt sich nicht gegen längere Reisen. Vorne auf den exzellenten Recaros sitzt man sportlich leicht vorgespannt in idealer Position zu Pedalen, Lenkrad und Schaltknüppel. Eine mächtige blank polierte Ablage lässt den linken Fuß in sicherer Position ruhen. Vier Türen! Heckklappe!

Auch das Thema Spoiler wurde nunmehr elegant und doch nicht fad gelöst. Immer noch mächtig ist er jetzt als Fortsatz ins Dach integriert. Sieht gut aus, macht sich aber nicht allzeit verdächtig wie das alte Servierbrett am Kofferraumdeckel.

Subaru hat hier ein ziemlich klares Statement geliefert: Durch behutsame Weiterentwicklung über viele Jahre und eine klare unbeirrbare Philosophie im Hintergrund ist ein Auto von hoher allgemeiner Gültigkeit entstanden, anders gesagt: Der Impreza WRX STI brennt sich schön langsam unumgänglich in die Automobilgeschichte ein.

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