Subaru BRZ Test Toyota GT85 GT 86
akustische Note ist absolut Boxer. Das G’schau ist böse, der Rest ein bissl 90er. Die 17-Zöller verlieren sich in den Radhäusern.
 

Testbericht: Subaru BRZ

Lange verschollen geglaubt: Die Essenz des Autofahrens in leistbarer Form.

28.11.2012 Autorevue Magazin

Um eingangs gleich Klarheit zu schaffen: Der Subaru BRZ ist kein Toyota GT 86. Der GT 86 ist vielmehr ein Subaru BRZ. Unter der Haube sitzt ein Boxer, die Doppelquerlenker-Hinterachse kommt aus dem Impreza, deutlicher kann man die Gene gar nicht ausweisen. Hersteller können ganz schön gemein sein. Auf eine ausgewiesene Fahrmaschine einen Reifen (Michelin Primacy) zu montieren, der bereits beim Anblick einer Kurve vor Schreck quiekt, ist nicht nett. Schon in der Stadt denkt sich jeder Passant beim (ungewollt quietschenden) Anfahren oder (winselnden) Abbiegen, dass man’s wirklich notwendig hat.

Das kann natürlich auch an der Optik des BRZ liegen.

Die wirkt irgendwie, als hätte man den ersten Designentwurf aus den 90ern gut in einer Schublade ausruhen lassen und 20 Jahre später ohne Retuschen gebaut. Was gewissermaßen auch für die Armaturengestaltung gilt. Der Heckspoiler wirkt ­irgendwie extra fürs ­japanische Jungvolk gemacht, also schwer manga. Zum Freuen bleibt immerhin die zeitlose Silhouette: lange Front, kurzes Heck.

Kommen wir zum Wichtigsten, dem Fahren: Für die­jenigen, die Autofahren nicht als nüchterne Fortbewegung sehen, ist es ein Genuss. Eine referenzhafte Lenkung trifft auf ein hochtalentiertes ­Chassis mit sehr straffer ­Abstimmung.

Dass ein Boxer ohne Auf­ladung untenrum nicht geht, müssen wir nicht extra er­wäh­nen.

Dass ein Boxer nicht aufhören will zu drehen, muss man erst wieder aus den Tiefen des Gedächtnisses hervor­holen – turboverseucht, wie wir mittlerweile sind. Nichts hat einen schöneren weil linearen Leistungsaufbau, nichts hat eine spontanere Gasannahme als ein Sauger. Der Subaru BRZ will nicht getreten werden, vielmehr giert er nach Drehzahl, weil er sie zum Leben braucht. Dass dem Motor durch Direkteinspritzung sein vormals üppiger Konsum abgestellt wurde, ist ebenso erfreulich. Zwischen 7,6 (sanft), 8,8 (mit ein bissl Spaß) und 11 Liter (mehr Spaß geht kaum auf öffentlichen Straßen) hat uns der Bordcomputer ausgewiesen.

Subaru BRZ Test Toyota GT85 GT 86

Die Sechsgangbox erinnert in Sachen Knackigkeit stark an Mazdas MX-5, Gangwechsel gehen wie selbstverständlich von der Hand. Die Bremse verlangt einen starken Tritt, ist dann aber prima dosierbar.

Einer der schönsten Wesenszüge des BRZ ist die völlige Absenz von Assistenten.

Außer ABS und einem zweistufigen ESP ist nichts an Bord – Letzteres knipst man an ausgeschlafenen Tagen wie selbstverständlich ins Off. Wilde Driftmaschine wird aus dem BRZ im Trockenen dann dennoch keine. Beim provokanten Tritt aufs Gas macht der Suba­ru einen leichten Rutscher mit dem Heck, um sich anschließend sofort wieder in den ­Asphalt zu krallen. Mehr als ein kurzer Gegenzupfer am Lenkrad ist nicht, dazu fehlt es an Schmalz.

Wo viel Licht ist, findet man allerdings auch Schatten: In manchen Details wirkt der Subaru nicht zu Ende gedacht. Dass das Fach in der Mittelkonsole etwa keinen Deckel hat oder dass im rot beleuchteten Armaturenbrett ein grünes Toyota-08/15-Radio steckt. Oder dass man zum Umlegen der Rückbank nach hinten krabbeln muss, um links und rechts zwei Hebel zu entriegeln – hinten sitzen ist ohnehin nicht. Das ist schade, weil unnötige Kleinigkeiten das sonst schöne Bild im Alltag trüben.

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