Der Autoabsatz in Europa hat die Talsohle erreicht. Das kommende Wachstum gibt aber keinen Grund zur Freude
 

Studie: Wachstum am europäischen Automarkt ab 2014 erwartet

Autoabsatz in Europa wird an Rekorde nicht mehr anknüpfen können – China bleibt Schlüsselmarkt für Automobilindustrie

30.08.2013 APA

Der krisengeschüttelte europäische Automarkt wird laut einer PwC-Studie ab 2014 wieder ein Wachstum zu verzeichnen haben – signifikante Anstiege seien aber nicht zu erwarten.Die Automobilmärkte der westlichen Industriestaaten seien weitgehend gesättigt, so PwC-Partner Felix Kuhnert. Daher sei nicht damit zu rechnen, dass der Rekord von 18 Millionen in Europa verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeugen aus dem Jahr 2007 je wieder erreicht werde.

China bleibt Schlüsselmarkt

Ganz anders ist die Situation in China, das Experten zufolge auf absehbare Zeit der Schlüsselmarkt für die globale Automobilindustrie bleiben wird. Im Jahr 2019 dürften laut der Studie in China rund 27,7 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verkauft werden – fast doppelt so viele wie 2012 und beinahe so viele wie in Westeuropa und den USA zusammen.

Diese Entwicklung ergebe sich daraus, dass sich in China immer mehr Menschen zum ersten Mal ein Auto leisten könnten, während die Nachfrage in Europa nur noch vom Ersatzbedarf getrieben werde. Dieser sei inzwischen aber groß. „Vor allem in Europa haben Autobesitzer eine fällige Neuanschaffung aufgrund der Wirtschaftskrise hinausgezögert“, so Kuhnert. Insofern erwarten die PwC-Experten, dass der europäische Automarkt den Tiefpunkt in diesem Jahr mit einem nochmaligen Minus von rund vier Prozent auf 13,5 Millionen Fahrzeuge erreicht. Für die folgenden Jahre sehen sie wieder Wachstum, zum Teil von sechs Prozent pro Jahr, bis auf 16,8 Millionen verkaufte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge im Jahr 2019.

Für den einzelnen Autobauer sei eine Absatzsteigerung in Europa aber nur noch auf Kosten der Wettbewerber möglich. „Europa braucht nicht viel mehr Autos. Ganz im Gegensatz zu den aufstrebenden Schwellenländern Asiens, Südamerikas und Osteuropas“, hieß es in der Studie.

Abschwächung des Markenwachstums auch in den USA

In den USA wird sich das Marktwachstum ebenfalls abschwächen und nach PwC-Schätzungen gegen Ende des Jahrzehnts bei 16 bis 17 Millionen Fahrzeugen einpendeln. Auf lange Sicht gebe es für den einst größten Automarkt der Welt kaum Grund für großen Optimismus. „Ob die Absatzgrenze jenseits des Atlantiks nun bei 16, 17 oder 18 Millionen Einheiten liegt: Langfristig gibt es auch dort kein unbegrenztes Wachstum“, schrieben die Experten.

Asien wird auch größter Produzent

Auch bei der Produktion fährt Asien der Studie zufolge bald vorneweg: Bis 2019 werde der globale Ausstoß um jährlich rund vier Prozent auf 104,7 Millionen Fahrzeuge zulegen. Das Plus von 25,5 Millionen Fahrzeuge entspreche etwa 60 Produktionsstätten herkömmlicher Größe. „Eine gigantische Zahl von Werken, die da gebaut werden muss“, sagte Mitautor Christoph Skudelny. Und die meisten davon in den Schwellenländern Asiens, allen voran China. In der Volksrepublik werde die Produktion bis 2019 um mehr als 60 Prozent zulegen, im Durchschnitt jährlich um 7,4 Prozent. „Derzeit ist nirgends auf der Welt mehr Wachstum möglich.“

In Europa gebe es stattdessen Überkapazitäten und strukturellen Anpassungsbedarf – im laufenden Jahr seien neun Werke in Europa weniger als zur Hälfte ausgelastet. Allerdings sehen die PwC-Experten für Deutschland einen Anstieg der Auto-Produktion in den kommenden Jahren. „Die Modellvielfalt stellt die Hersteller vor große Herausforderungen in der Produktion. Da braucht man qualifizierte Ingenieure und Leute in der Fertigung. Das ist ein wichtiger Standortfaktor“, erläuterte Skudelny. Das werde sich auch in den Beschäftigungszahlen niederschlagen.

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