Der Panamera als Diesel. Eine gute Wahl?
Der Panamera als Diesel. Eine gute Wahl?
 

Streikbrecher – der Porsche Panamera Diesel

In Deutschland hat man es derzeit nicht leicht als Reisender. Es sei denn man fährt den neuen Porsche Panamera Diesel.

23.10.2014 asphaltfrage

Lokführer bei der Lufthansa müsste man sein. Man bräuchte nie mehr arbeiten. Für den Kunden ist die Arbeitsmoral bei Bahn und Kranich aber alles andere als traumhaft.

So blieb keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto in die Lausitz zu fahren. Schließlich sollte dort in geheimer Mission ein neues Aerodynamikpaket für den Porsche 919 Hybrid getestet werden um den LMP1-Rennwagen schlagkräftiger zu machen, was ich auf keinen Fall verpassen wollte. Und es ist nicht so, als das ichmeckern könnte, denn es gibt schlimmeres, als in Zuffenhausen gefragt zu werden, womit man denn fahren möchte.

Mit dem Panamera Diesel.

Du kannst alles haben. Und nimmst den Diesel.

Panamera Diesel 2014 Wallpaper 40

Wie? Da hast du die ganze Auswahl aus den feinsten Pferden des schwäbischen Stalls und wählst was? Den Ölbrenner? Ja, genau den. Weil er das letzte coole Modell der ganzen Palette ist.

Im Gegensatz zu all den anderen auf Effizienz getrimmten Burschen ist der Panamera Diesel nämlich ein echter outlaw. Eine aus der Not heraus geborene Improvisation. Eine Bastelbude, wenn man so will. Warum? Weil sie bei Porsche nach der tiefgreifenden Überarbeitung vor einem knappen Jahr bemerkt haben, dass die 250PS des bisherigen Dreiliter-Diesels doch ein bisschen mickrig waren. Vor allem angesichts der Konkurrenz, die doppelt und dreifach aufgeladen ganz andere Drehmomentwogen auf den Asphalt branden ließ. Bloß: es passte nicht.

Da man in Stuttgart – anders als in Ingolstadt – den Motor nicht direkt hinter der Stoßstange, sondern schön tief hinter der Vorderachse einbaut, war schlicht kein Platz für die aus dem A6 bekannte Doppelturbo-Anordnung. Es musste also ein Turbolader alleine richten. Und um mehr Feuer zu entfachen musste es ein großer werden. Ganz wie früher, als viel noch viel half.

All jenen, die nun in Sorge um das Ansprechverhalten und das Turboloch sind, sei versichert: das Ding geht wie die Pest. Schon am ersten Ampelstart, die Werkstore noch in Sichtweite, reißt es dich bei Vollgas so tief in die sündig roten Ledersitze, dass du vor lauter Erstaunen fast die Autobahnauffahrt verpasst. Und wirklich: der neue Diesel marschiert derart vorwärts, dass du angesichts der grünen Wegelagerei rund um Stuttgart ständig Gefahr läufst den Schein abzugeben.

Denn im Gegensatz zu seinen S-, GTS- und Turbo-Brüdern verzichtet der Diesel gänzlich auf einen akustischen Geschwindigkeitsanzeiger. Da röhrt, scheppert und patscht nichts, stattdessen: Ruhe. Nur ein subtil-mächtiges Grummeln, wenn das Tempolimit aufhört und du ihn auf ICE-Tempo beschleunigst.

270 sind locker drin. Dem Diesel zum Trotz, oder gerade deshalb?

Panamera Diesel 2014 Wallpaper 31

Doch wirklich schnell kommen wir heute nicht voran. Schon weit vor Nürnberg heißt es brav Kolonne-zuckeln. Der Abstandsregeltempomat erledigt seine Aufgabe ohne Tadel, der Totwinkelassistent erleichtert den blinden Spurwechsel und aus der Burmester-Anlage lässt mich die Liveaufnahme von Caspian in einen sanften Tagtraum entschwinden. Als sich die stop-and-go-Zuckelei nach Nürnberg dann in einen veritablen 15km-Stau verwandelt hat, habe ich trotz größtmöglicher Entspannungs-Mühen des großen Porsche keine Lust mehr und fahre ab. Den Umleitungsschildern nach, Hauptsache in Bewegung.

Und wie sich der Panamera bewegt. Mit einer für einen Zweitonner unglaublichen Präzision räubert er durch das fränkische Hinterland, selbst der GTI eines jungen Eingeborenen muss abreißen lassen. Doch eigentlich spielen wir mit gezinkten Karten: 19 Zoll Optionsreifen, adaptives Luftfahrwerk, PASM-Dämpfung mit Dynamic Chassis Control und PTV plus. Sagt ihnen nix? Braucht es auch nicht. Einfach am Ortsausgang alle Knöpfe die mit „Sport“ markiert sind drücken und dann fröhlich das Gaspedal niederkicken. Es ist ein Fest! Natürlich können das alle benzinbefeuerten Panamera genauso gut, im Beschleunigungsfalle selbstredend besser, doch darum geht es hier nicht. Es geht darum wie gut die absolute – an der Tankstelle immer schön schmierige – Dieselbasis ist.

Wunderbare (und leere) Autobahnen in Ostdeutschland. Danke, Solidaritätszuschlag!

Panamera Diesel 2014 Wallpaper 30

300PS. Genug um auf der dank des Soli wunderbar griffig asphaltierten A72 locker die 270 am Tacho zu passieren und damit völlig ausreichend. Das Beste am Panamera Diesel ist aber seine Reichweite. Mit 80 Litern im Tank rollst du nach guten 600km am Lausitzring aus und die Nadel steht gerade auf der ½-Markierung. Der Computer hat dazu einen 7,4er Schnitt ausgerechnet, was nicht weniger als sehr gut ist.

Und so freust du dich trotz des spannenden 919-Testtags, an dem du viel über KERS, noch mehr über den thermodynamische Generatoren und die tatsächlich nicht-defizitäre Lausitzrennstrecke gelernt hast, auf die Rückfahrt. Noch einmal 600km, noch einmal GLA 45 AMG und BMW M550d ärgern, wenn sie bei zwei Kilo fünfzig in die elektronische Fessel fahren, noch einmal über thüringische Landstraßen feuern.

Einsteigen und alles noch einmal genießen!

Panamera Diesel 2014 Wallpaper 13

Am Ende des Tages leuchtet dann auch die Reichweitenanzeige das erste Mal auf. Doch da sind wir schon lange in Stuttgart. Und während frische 80 Liter Diesel in den Tank rauschen, denkst du an all diejenigen, die über den Panamera im Allgemeinen und den Diesel im Besonderen schimpfen. Sie haben ihn einfach nicht verstanden.

Es ist kein Frevel, dass man in Zuffenhausen so etwas baut. Denn es fährt, wie ein Porsche eben fährt, nur eben luxuriöser. Da können S8, AMG-S und 7er mit M-Paket einfach überhaupt nicht mit. Der Panamera im Komfort hingegen schon. Und der Diesel ist mit seinem dicken Turbo vollkommen ausreichend, diesseits unbegrenzter Ölquellen. Vor allem, weil er nun locker die psychologisch wichtige Höchstgeschwindigkeitshürde nimmt und trotzdem auf der Langstrecke unschlagbare Reichweiten ermöglicht.

7.4l/100km – da lacht der Scheich nimmer.

Panamera Diesel 2014 Wallpaper 32

Dass das alles seinen Preis hat ist eh klar. Weil irgendwas ist ja immer.

  • Der Schwedenkönig

    Einmal, nur einmal würde ich gerne wissen, was passiert, wenn der Expert Writer am Volant einmal alle Knöpfe auf Komfort stellte statt immer nur auf Sport.
    Wie fühlt sich der grosse Wagen dann an? Kommt sowas wie Fahrgenuß auf? Vielleicht sogar sänftenartiges Schweben dank Luftfederung, PASM und Chassis Control?
    Oder bloss unwürdiges Geschaukel wie etwa beim 6er aus München?
    Wäre einmal einen Vergleichtest wert.

  • Philip Hünteler

    Hallo Fabian,

    ein sehr gelungener Artikel wie ich finde, auch wenn ich meinen Vorgänger-Kommentatoren recht geben muss mit dem Kilo-Ausrutscher ;-)
    Ich frage mich jetzt nur, was der eigentliche Fokus an dem Tag war: Panamera-Kuscheln, Panamera-Rasen oder der Lausitz-Besuch mit 919-Tests?

    Grüße
    Philip

  • biosprit

    Nonchalant darüber hinwegzusehen, dass Kilo tausend heißt und stattdessen eingedenk der Tatsache, dass „aa Kilo ollawoel no hundat Deka san“ die 2 Kilo 50 unkommentiert stehen zu lassen,
    enthöbe einen des Verdachtes der Korinthenkackerei.

  • Dieter Weinelt

    Netter Artikel.
    Aber „zwei Kilo fünfzig“ fährt der Panamera nicht, selbst er nicht (kilo = tausend)

    • Der Schwedenkönig

      Im Wiener Unterschichtsjargon, gerne zitiert von Vertretern der sich volksnah geben wollenden Mittelschicht, dadurch aber nicht unbedingt sympathischer werdend, sagt man im Zusammenhang mit Fahrgeschwindigkeiten im Strassenverkehr tatsächlich kilo statt hundert.

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