Paris Motorshow 2010
Hier nicht zu sehen: Land Rover Evoque.
 

Startschuss

Der Tag, an dem wir in Paris einen Anfang suchten.

30.09.2010 Online Redaktion

8.15 Uhr.
Ankommen in Halle eins. Die Nase macht dir klar, dass dies der Beginn ist. Weil jeder Anfang anders riecht. Es riecht nach Lack, Putzmittel und Farbe. Nach frisch ausgerolltem Teppich und Staubsauger. Nach Plastikfolien und Klebeband. Letztlich betritt man in den frühen Morgenstunden eine Messe und glaubt sich, schließt man die Augen, in einer Chemiefabrik.

9:00 Uhr
Vielleicht ist die Automesse in Paris 2010 auch der Anfang vom Ende. Vielleicht sollten wir uns langsam von einer klassischen Tradition verabschieden. Dem Enthüllen von Autos zu feierlicher, pompöser, spektakulärer Musik. Also der Moment, in dem schöne Frauen, berühmte oder sonst wie wichtige Menschen mit großen Gesten den Beginn einer neuen Zeitrechnung (denn nicht weniger wird jedes Mal versprochen) einläuten. Obwohl um diese Uhrzeit erst wenige Präsentationen stattgefunden haben, muss man hier und heute lange suchen, bis man verhüllte Autos findet. Vielleicht haben die Hersteller erkannt, dass sie in ihrer eleganten Bombastik des Leinenzupfens langsam schal wirkten. Immer mehr Präsentation kommen ohne Tücher und Decken aus. Das Auto rollt über eine Rampe herein, fährt durch den Hallenboden nach oben oder erscheint plötzlich aus einer Rauchwolke. Hübsche Frauen, berühmte Männer und sonst wie wichtige Menschen gibt es freilich weiterhin.

11:30 Uhr
Endlich mal die Flure für sich alleine haben. Die Autos anschauen, Informationen einholen, Fotos machen. Denn diesmal beginnt das Mittagessen. Heerscharen von Menschen sind plötzlich verschwunden. Wer keinen Appetit hat, für den fängt jetzt die Messe an. Vor ihm entfaltet sich ein kleines Zeitfenster, in dem er nicht um Gesprächspartner kämpfen muss, er hat sie für sich allein.

13:00 Uhr
Vorbei. Die Deutschen haben gegessen und bevölkern wieder die Gänge. Ich bin selber Deutscher – Frühstück: 8.30 bis 10 Uhr. Mittagessen irgendwann von 11:30 bis 13 Uhr und Abendbrot zwischen 17:30 und 19 Uhr. Das ist kein Vorurteil, das haben uns unsere Omas beigebracht. Und denen widerspricht man nicht. Die Franzosen lassen sich noch Zeit, dass ist hiermit auch kein Vorurteil, sondern empirisch bewiesen. Und die Amerikaner sind ohnehin viel zu beschäftigt, um sich auf Messen groß mit Autos zu beschäftigen.

16:00 Uhr
2010 hat Paris noch einen anderen Anfang parat. Den Neuanfang von Lotus. Die Engländer promoten ihre Präsentation, als ginge es um Leben und Tod. Geht es ja irgendwie auch. Deswegen könnte man auch die Pressekonferenz von Lotus als den großen Anfang nehmen. Mehr Tragik geht kaum, das Schwert des Damokles schwebt über der Firma. Beginn: 16:45 Uhr. Ich bin früher da. Um die Spannung einzuatmen. Sämtliche Lotusangestellte wuseln rum. Die Nervosität ist mit Händen zu greifen. Der Tragweite dieser Konferenz bewusst, haben sie ihre neuen Modelle auch ganz klassisch verhüllt. Grüne Tücher. British Racing Green. Ein stehendes Auto ohne Motor war noch nie so schnell. Ich lasse mich von der Faszination anstecken, bin Feuer und Flamme, wünsche Lotus, dass alles gut geht.

17:00 Uhr
Alles ist gut gegangen. Plötzlich beginnen die Lotus-Angestellten wieder zu atmen. Ich auch. Na, dann kann es ja eigentlich losgehen. Was? Feierabend? Ach verdammt.

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