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Stadtschlucht statt Stadtflucht: Renault Twingo Tce 90

Vier Türen, vier Sitze, extreme Wendigkeit, „Burning“-Rallyestreifen und ein Turbolader für den pfeffrigen Auftritt.

02.06.2015 Online Redaktion

Für die einen erscheint die Rückkehr Renaults zum Heckmotor (seit Einstellung des Renault 8 1973 gab es nur die Alpine bis 1985) völlig abstrus und unfranzösisch, für die anderen beginnt nun mit dem Heckmotor einfach eine neue Zeit, die fröhliche Überraschungen bereit hält. Die Strategie des Herstellers klingt jedenfalls nachvollziehbar. Aus der Idee des Ur-Twingo war die Luft draußen. Nach fünfzehn Jahren Bauzeit war das einstmals geniale Konzept 2007 sozusagen abgelaufen. Ein direkter Nachfolger wollte in dieser Charakterstärke einfach nicht mehr gelingen. So begab es sich, dass man sich vice versa mit Daimler zusammentat, um ein starkes schlaues Kleinwagenkonzept zu entwickeln, also einen Smart-Nachfolger, der sowohl in zweisitzig Kurz als auch als viersitzige viertürige Langversion funktionieren sollte.

Vor- und Nachteile nicht gleichzeitig.

Und das ist jetzt wohl der Fall. Als Renault Twingo gibt es das Coprodukt nur viertürig-viersitzig, was die Nützlichkeit gegenüber dem Zweisitzer enorm erweitert, ohne den Spaß auch nur im Geringsten zu bremsen. Das Auto hat einige überzeugende Vorzüge, die es allerdings auch mit ein paar kleinen Nachteilen erkauft. Da Vorteile und Nachteile nicht immer gleichzeitig auftreten, kann man durch entsprechende Lebensführung die Vorteile herausschälen und die Nachteile hintanhalten. Und das bedeutet vor allem: Leben in der Stadt. Mit neun Metern Wendekreis auf Stoßstangenniveau 8,6 m an der Felge) wuselt man unbeschwert durch Garagenschluchten und dreht ohne Reversieren sozusagen auf dem Fleck zwischen Gehsteigkanten um (natürlich nur, wo man darf). Und sogar Hintensitzen ist ein Stück weit okay.

Wendig aber nicht windig.

Mit dem 90-PS-Turbomotor legst du eine verblüffende Lebendigkeit an den Tag. Da empfindest du eine Leichtigkeit, die dir der Alltag sonst kaum einmal zugesteht. Die von allen Antriebseinflüssen freie direkte Lenkung trägt ihren Teil dazu bei. Das Rein und Raus und Hin und Her der Menschen und Dinge flutscht dank rückwärtiger Türen reibungsarm. Das Look-Paket „Sport“ (für gut 1000 Euro) mit der Außenbeklebung „Burning“ und etlichen pfiffigen Details, die man alle nicht braucht, aber trotzdem gerne hat, befähigt den Twingo, auch gegen behübschte Fiat 500 anzutreten, die es aber nur zweitürig gibt.

Alt Frankreich adé!

Was wir auch sagen müssen. Langstrecke auf der Autobahn ist nicht so ideal. Die Dynamik reicht absolut, aber das Heckantriebspaket hat eine etwas härtere Federung als sonst üblich zur Folge, in Kombination mit den sehr straffen Sitzen fühlst du nichts Altfranzösisches – was aber eh nicht abgeht. Nicht wahr?

 

Technische Daten:

Renault Twingo TCe 90 Intens: € 13.290,–, 4 Türen, 4 Plätze, Kofferraum 219-980 l, Länge 3595 mm, 1018 kg, Dreizylinder-Turbo/Benzin, 5-Gang-Schaltgetriebe, Heckmotor und -antrieb, 898 ccm, 66 kW (90 PS), 135 Nm, 165 km/h, 0–100 in 10,8 sec, CO2 99 g/km, MVEG-Verbrauch: gesamt 4,3 l, AR-Verbrauch: 6,6 l (überwiegend Stadtverkehr).

  • Sir Colin

    Denke, die direkte Zielgruppe hat noch nie bei einem Auto den Ölstand kontrolliert, geschweige den nach dem Kühlwasser gesehen. Aber stimmt schon, es gibt objektiv gesehen reichlich gute (bessere ?) Konkurrenz in dem Sektor.

    Wobei der Wendekreisvorteil echt Laune macht, auf dem Land oder in der Kleinstadt vielleicht aber nicht so kaufentscheidend. Styling passt aber denke ich, schaut doch sehr nett aus und das ist vermutlich hier am wichtigsten.

    Richtig spannend wird es IMO wenn Renault Sport endlich mal was aus dem Gerät macht. Der 90er TCE hat von der Papierform so ziemlich die gleichen Daten wie ein altehrwürdiger 912er Porsche.

    Und wenn die Jungs aus Dieppe wollen/dürfen, könnte eine RS Version die guten Eigenschaften eines Ur-Elfers emulieren. Nur in günstig, neu und dünkelfrei. Selbst den Sound bekommt man beim 3-Zylinder hin.

    Allez les gars!

  • hellipirelli

    Dass man um das gleiche Geld Autos der nächsthöheren Klasse in magerer Ausstattung bekommt, wie Marco Weiß schreibt, ist klar. Das war immer so.
    Manche wollen/brauchen aber solch ein City-Wägelchen.
    Der einzige Vorteil, den der Twingo/Smart forfour hat, ist der in der Stadt sicher vorteilhafte kleinere Wendekreis. Aber diese unsägliche Konstruktion mit dem Unterflurmotor mit all seinen Nachteilen (schlechte Zugänglichkeit bei Service, Reparaturen, Aufheizung des Gepäcks…)! Haben Sie schon einmal beim neuen Twingo das Kühlwasser kontrolliert?
    Es gibt jede Menge von Autos mit 3,5 bis 3,8 m Länge, die das alles um weit weniger Geld bei mindestens gleichwertiger Ausstattung und teilweise mehr Platz für Personen und Gepäck besser können:
    Citroen C1/Peugeot 108/ Toyota Aygo,
    VW Up/Seat Mii/Skoda Citygo,
    Opel Adam 1,2,
    Nissan Micra 1,2,
    Mitsubishi Space Star 1,2
    Kia Picanto 1,2 MPI Silber,
    Ford Ka 1,2/Fiat 500 1,2
    Lancia Ypsilon Elefantino
    Suzuki Celerio
    und ein wenig größer, aber immer noch unter 4 m:
    Honda Jazz
    Suzuki Swift
    Die meisten davon gibt’s auch 5-türig.
    Der Toyota iQ war ja auch der bessere Smart fortwo.

  • Marko Weiß

    Die Preise sind ein Wahnsinn eigentlich… ums selbe Geld gibts den Clio in guter Ausstattung und in Aktion um 15.000 den Megane Success…. beide bieten deutlich mehr Autos und haben keinen Kofferraum der den Einkauf grillt.

  • ChV

    Nettes kleines Auto, wie ich es mag. Und für die 1000 Euro kriegt man schon nötige Lebensfreude. Aber was ist mit der beim Smart for 4 von euch konstatierten instabilität ab 120km/h – sh. Smart-Vorstellung? Die technische Basis ist doch weitgehen ident, oder doch nicht so? Unterscheidet sich die Struktur? Ihr habt ja Verwindung festgestellt. Vorserienfehler, der behoben wurde?

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