Jaguar XKRS CKR-S Cabriolet Cabrio Sprit sparen
 

Liebe ist stärker als Durst

Warum wir ordentlichen Sportwagen das Saufen gönnen sollten (obwohl sie es ohnehin unterlassen).

11.06.2012 Autorevue Magazin

Große Sportwagen und der Verbrauch, ­genau genommen ist das natürlich kein Thema. Weil er nämlich wurscht ist. Denn wer bereit ist, sich mit einem jährlichen Wertverlust weit im fünfstelligen Bereich und fast ebenso flotten Service-Rechnungen rumzuschlagen, wird wohl auch einer erwachsenen Tankstellenrechnung gewachsen sein. Die beträgt ja ohnehin kaum mehr als bei einer Business-Limousine, nur halt öfter. Oder auch nicht.

Denn, Hand auf Herz: Wer will sich schon einen Supersportler über Jahr und Tag antun? Dazu ein kurzer Check im Internet: Den Mercedes SLS – sicher einer der Langstreckentauglicheren in dieser Liga – gibt es seit zwei Jahren, trotzdem haben nur zwei der 243 Angebote auf mobile.de rund 45.000 km drauf, was der durchschnittlichen Jahresleistung eines Mittelklasseautos entspricht. Drei Viertel der Wagen zeigen aber 5000 km oder weniger auf der Uhr.

Deshalb sollten wir jeden Supersportler auf der Straße mit einem zackigen „Freundschaft“ begrüßen, schließlich sorgen die Dinger für jede Menge gut bezahlter Arbeitsplätze in Europa, für mehr Steueraufkommen als so mancher Mittelständler – und das alles bei minimalem ­ökologischem Schaden. Denn so ein durchschnittlicher SLS erzeugt in seiner tatsächlichen Gesamtbilanz – siehe Kilometerleistung – weniger schädliche Abgase als Kinderreiten auf dem Ponyhof.

Apropos SLS, und damit wir endlich zu den Verbrauchswerten kommen: Ehrlich gesagt sind uns weniger als 13 Liter mit dem Roadster nicht gelungen, mehr als 18 aber auch nur unter höchster Kraftanstrengung im Schwerverbrecher-Bereich der StVO. Beim Neun­elfer liegt diese Bandbreite zwischen völlig in Ordnung gehenden neun Litern und 15 Litern. Einem tapferen Kollegen (Name der Redaktion bekannt) ist es gelungen, den neuen, als besonders sparsam gepriesenen Turbo-V8 des BMW M5 auf andalusischen Landstraßen beständig über 30 Liter zu halten. Wir lernen daraus: Starke Turbomotoren sind Mogelpackungen mit hinreißenden Normwerten, die aber doppelt hinlangen, wenn es ernst wird.

Allerdings kommt dem Action-Modus bei der heute unverhohlenen Geldgier der Exekutive ohnehin nur mehr theoretische Bedeutung zu. Und im wirklichen Leben geben sich die 550 PS eines Jaguar XKR-S bei Tempomat 130 mit rund 11 Litern zufrieden. Mit ein paar verstohlenen Sprints zwischendurch macht das immer noch mächtig Spaß. Aber natürlich, der normale V8 mit dem XKR-S-Sound könnte das genauso gut. Aber wer diese Frage stellt, steht unter dringendem Verdacht, ein Kleingeist mit zu wenig Kohle auf der Kante zu sein, und hat im Grunde nichts verstanden.

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