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Unschuldsvermutung

Ein kleiner Metallstift für 80 Euro an die Kraftstoffleitung geklemmt soll 6 bis 20 Prozent und darüber sparen, Benzin genauso wie Diesel.

06.05.2012 Autorevue Magazin

Das Gerät des Herrn Renner wirkt vielversprechend. Und das im mehrfachen Sinn: Seiner Kundschaft verspricht es erheblich weniger Verbrauch. Sich selbst verspricht er wahrscheinlich einen guten Geschäftsgang. Zweiteres möge gerne in Erfüllung gehen, wenn Ersteres tatsächlich eintritt. Um die Botschaft seiner mutmaßlich segensreichen Entwicklung über Österreich und darüber hinaus zu verbreiten, hat er Herrn ­Bieder engagiert. Herr Bieder leistet profunde Überzeugungsarbeit mit E-Mails, Telefonaten, Zertifikaten und Faksimiles von begeisterten Kundenreaktionen. Von Treibstoffeinsparungen in zweistelliger Prozenthöhe ist des Öfteren die Rede.

Was steckt hinter dem Wunder, genannt Bioenergetic Fuelsaver? Ein Metallstift, etwa in der Größe jener Bolzen, welche die berühmten Vollholzregale eines schwedischen Möbelhauses zusammenhalten, wird entweder mit Kabelbinder an die Kraftstoffleitung geheftet oder ­mittels Blumendraht in den Tank gehängt. Fertig. Dann verbraucht das Auto gleich viel weniger. Die Funktion erklärt man laut Originalzitat so: „Das Metallstück ist ein Schwingungsträger, der zur Anregung einer Plasmabildung im Treibstoff (im Brenn­raum) führt, d.h. der Treibstoff wird so vorbehandelt, dass er in nieder­molekulare ionisierte Gasketten aufgeschlüsselt wird, das ergibt ideale Voraussetzungen für eine optimale Verbrennung und saubere Abgase. Wegen laufender Patentanmeldung werden weitere Details erst später bekanntgegeben.“

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Zur Untermauerung der Wirksamkeit der Metallstifte werden Gutachten von Sachverständigen, Leistungsprüfstandmessungen und eine Flut von Begeisterungsschreiben aus Kundenhand angeführt, unter ihnen sogar die Wiener Lokalbahnen, und als jüngstes Zertifikat ein Gutachten des TÜV-Süd, Filiale Abu Dhabi.

So wollten wir es auch ­wissen und eine Verbrauchsmessung durchführen, die auch wissenschaftlich nachvollziehbar ist. So beabsichtigten wir, einen regulären Abgas- und Verbrauchszyklus zu fahren, wie er bei der Typprüfung ­üblich ist, wenn Verbrauchswerte und CO2-Ausstoß ermittelt werden.

Alleine, wir konnten uns das sparen. Ein Blick auf die ÖAMTC-Webseite ­genügte. Der Autofahrerclub hatte nämlich längst gemeinsam mit der Technischen Universität Wien genau das gemacht. Fazit: „Der Fuel Saver führt weder am Rollenprüfstand noch auf der Straße zu messbaren Verbrauchsreduk­tionen. Das größte Reduktionspotenzial hat der Fahrer selbst: Ein guter Fahrzeugzustand und spritsparendes Fahren sind der beste Weg, um Kraftstoff zu sparen und die Umwelt zu schonen.“

Die Liebe, das Automobil und die Esoterik:

Teure Spezial-Kraftstoffe
Ihre benzinsparende Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen. Das Einsparungspotenzial am ­Gasfuß ist allerdings um ein ­Vielfaches höher – und das ohne Mehrpreis.

Marderabwehr
Immer öfter sieht man Autos mit Wasserflaschen umkränzt. Sie dienen der Marderabwehr. Wirksamkeit nicht nachgewiesen, aber immerhin praktisch kostenlos. Gefahr von ­Flaschendiebstahl eher gering.

Stein im Scheibenwaschwasser
Was Leitungswasser angeblich bekömmlicher macht, schadet auch der Scheibenwaschflüssigkeit nicht. Durch bioenergetische Effekte wird die Scheibe noch sauberer. Preis: 5 bis 10 Euro. Wirkung: Ansichtssache.


Parkplatz vom Universum

Egal, ob Ihnen das Knie wehtut oder ein Parkplatz fehlt. Vom Universum können Sie sich alles wünschen. Geht meistens in Erfüllung. Gratis. Nur der Kurzparkschein dazu ist in Wien verdammt teuer geworden.

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