Sourtoe Cocktail Club Fulda Challenge 2012
Grund für die Aufregung bin ich.
 

Zum Kuss verpflichtet

Mit einer gepökelten Zehe im Glas schmeckt der Whiskey zwar nicht besser, aber anders kommt man nicht in den Sourtoe Cocktail Club.

21.01.2012 Online Redaktion

Sourtoe Cocktail Club Fulda Challenge 2012

Louie musste in 20er Jahren vor der Polizei flüchten. Er hatte gegen die Prohibition in den USA verstoßen, weil er mit einem Hundeschlitten Rum nach Alaska schmuggelte. Bei der Flucht fror Louie ein Zeh ab, den er sich in der Hütte seines Bruders mit einer Axt abtrennte. Der Zeh wurde nicht vor die Tür geworfen, dass hätte wilde Tiere angelockt, sondern der Zeh wurde in Alkohol eingelegt.

50 Jahre später kauft Dick Stevenson die Hütte, findet beim Aufräumen den Zeh und nimmt sie mit in seine Stammkneipe in Dawson. Dick erlaubt sich fortan folgenden Scherz: er spricht Freunde, Touristen und Barbesucher an und sagt ihnen, er würde sich sofort mit ihnen verbrüdern, würden sie nur ein Drink nehmen, in dem dieser Zeh schwimmen würde. Siehe da, es fanden sich ein paar Dumme.

Doch die Sache verselbstständigt sich. Als ich Mitte Januar im Rahmen der Fulda Challenge 2012 in der Bar ankommen werde ich Mitglied Nummer 43.528 und bekomme dafür eine hübsche gelbe Urkunde. Die Aufnahmegebühr beträgt fünf Dollar, weitere fünf werden für den Whiskey fällig (Whiskey ist keine Pflicht, es kann jedes Getränk sein… solange es mehr als 40 Prozent Alkoholanteil hat).

Selbstverständlich ist es mittlerweile nicht mehr der Original-Zeh. Man ist bei Zeh Nummer 14 oder 15 angelangt. So genau kann das Marianne, der „Sourtoe-Captain“, nicht sagen. Ein Zeh hält zwischen eineinhalb und drei Jahren. Neue Zehen bekommt die Bar im Downtown-Hotel von freiwilligen Spendern, denen einer abgefroren ist – beim Wandern, bei einem Unfall oder aus purer Blödheit.

Sourtoe Cocktail Club Fulda Challenge 2012

Schon zwei Zehen wurden verschluckt. Auch wird oft versucht ihn zu klauen – einem ist es schon geglückt. Wer ihn stark beschädigt muss eine Strafe von 200 Dollar zahlen.

Mehr zu dem Thema gibt es dann in der Autorevue 3/2012.

Betrunkene Studenten sind der Grund, warum der Sourtoe Cocktail Club so gut funktioniert. Sie sind aber auch der Grund, warum diese Büchse nötig ist. In der nördlichen Region ist die Aidsrate unter Jugendlichen besonders hoch. In den Sommermonaten kommen deswegen Krankenschwestern und füllen die Dose auf. Die Kondome dürfen die Studenten dann gratis mitnehmen.

Sourtoe Cocktail Club Fulda Challenge 2012

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