Alfa Romeo 8C Competizione Spider David Staretz Blog
Auf dem Weg.
 

Soundtrack in die Alpen

Mit dem teuersten Serien-Alfa aller Zeiten durch das Piemont zum -Monte Rosa. Ein Trompetensolo.

12.07.2011 Autorevue Magazin

Der dank seiner Limitierung auf fünfhundert Stück extrem wertvolle und trotz seiner 251.827 Euro nahezu ausverkaufte Spider stand uns für zwei Tage zur Verfügung, Abholung in Balocco, Rückgabe in Balocco.

Balocco als Ort ist kaum wahrnehmbar, der Name steht vielmehr als Synonym für das weitreichende Testgelände der Fiat-Gruppe. Dessen Kernstück sind die backsteinroten Garagen, in denen einst die Autodelta-Renner für Testfahrten hergerichtet und untersucht ¬wurden.

Domenico Martino, Testfahrer-Urgestein, übergibt uns den Wagen in drolligem Englisch. Wir lernen das Dach und seine Funktionen kennen, er zeigt, wie der 4,7-Liter-V8 („Otto Tschi“) so weit wie möglich nach hinten, hinter die Vorderachse, geschoben wurde, wie auch das Getriebe wiederum vor der Hinterachse ¬platziert wurde. Der Kofferraum, in dessen Nebenhöhle die Batterie untergebracht wurde, erweist sich übrigens als Normbehälter, ähnlich den Gestellen am Flughafen, der die maximale Größe des Handgepäcks definiert. Während Riedmann und ich erst auf unser Gepäck, dann wieder in die Kofferluke blicken, hebt Domenico ungerührt die Tankklappe: „Even here you can put some items“. Dann leitet er geschmeidig über zu den in Schwerpunktrichtung angeordneten Alu-Bremssätteln.

Liebevoll wischt er über die Carbonflechtungen im Cockpit: „No fake like others.“ Glauben wir, schließlich besteht ja die gesamte Karosserie aus dem extrateuren Ofengebäck. Ein Knopfdruck bringt den Wagen zum Grollen, und unter freundlichem Winken des mit unserem verbliebenen Übergepäck beladenen Domenico rollen wir diszipliniert außer Sicht- und Hörweite, bis wir endlich die Mautkarte zur Autostrada Torino-Milano ziehen wie ein Haupttreffer-Los.

Das Weiß stand dem Spider erstaunlich gut im verhangenen Herbstlicht des Piemont.

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Domenico Martino – Wir dachten, er hieße Sonntag Mittwoch, aber das ist nur unserem schlechten Italienisch zuzuschreiben. Ferner errieten wir nicht, wie ernst er seinen Vorschlag meinte, hier auch noch Zeug unterzubringen. Vielleicht eine -Banane? Eine Knackwurst?

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So konnten wir uns in Ruhe der carbonisierten Mittelkonsole mit ihren Knöpfen widmen sowie den Feinheiten der Schaltstufen Manuell Normal, Manuell-Sport, Automatik-Normal, Automatik-Sport und Ice. Letztere benötigten wir dann doch nicht. Das Radio hielt uns stundenlang in Diebstahl-Starre, bis es sich endlich per Code gefügig machen ließ. Domenico am Telefon: „Are you sure, you need radio!??“

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Gaby – Nicht dass wir eine kannten, aber als am Ende gleichnamigen Ortes sinngemäß stand „Sie verlassen Gaby“, waren wir doch etwas geknickt und schuldbewusst. Vielleicht hätten wir ihr noch eine Chance geben sollen, ein wenig mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen. Stattdessen schotteten wir uns selbstsüchtig ab mit diesem halbtransparenten Windbrecher zwischen den Überrollbügeln.

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Meine Tasche „Hallo“ stammt aus dem 1-Euro-Shop. Ein idealer Reisebegleiter, roch dann aber nach Riedmanns Wurst.

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Wir setzten ein Zeichen, indem wir kein Dach schlossen, sondern die Motorhaube zum Monument der Himmelsnähe erhoben.

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Den Spider sollte es auf CD geben. Seine sprühenden Bläsersätze, sein Röhren, Röcheln, Verschlucken, das freudige Fanfarengetön beim Hochdrehen, das grollende Spotzen beim -Runterschalten mit Zwischengas bereicherten das Fahrerlebnis mit einer Berge erschütternden Klangerfahrung. Serpentinen waren Rory Gallagher, Tunnels waren Wagner.

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