Erste Solarstraße der Welt in Frankreich eingeweiht

In Nordfrankreich wurde die erste Solarstraße der Welt eröffnet – weitere Projekte auch in anderen Teilen des Landes geplant

23.12.2016 APA

In Frankreich ist die erste mit Solarzellen gepflasterte Straße der Welt eingeweiht worden. Die französische Umweltministerin Ségolène Royal eröffnete am Donnerstag den einen Kilometer langen Straßenabschnitt vor der nordfranzösischen Ortschaft Tourouvre. Die besonders stabilen Solarpanels auf einer Fläche von 2.800 Quadratmetern, über die ab sofort jeden Tag zahlreiche Autos rollen werden, sollen ausreichend Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde mit 5.000 Einwohnern produzieren. Der französische Staat hat das Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. Royal kündigte an, den Bau solcher Solarstraßen auch in anderen Landesteilen fördern zu wollen.

„Eine geniale Idee“

Die Solarstraßen könnten zudem ein Exportschlager werden: „Das ist ein Prototyp, der auch international Interesse weckt“, sagte die Ministerin. „Das ist eine geniale Idee: Man nutzt Platz, der schon für etwas anderes verwendet wird, und nimmt in sehr dicht bevölkerten Ländern keine landwirtschaftlichen Flächen in Beschlag.“

© Bild: CHARLY TRIBALLEAU / AFP / picturedesk.com

Umweltministerin Ségolène Royal bei der Einweihung der Solarstraße

Zukunftsblick mit Kritik

Solarstraßen gelten als eine künftige Option für den Ausbau erneuerbarer Energien. Das Unternehmen Colas, das die Solarstraße in der nordfranzösischen Normandie gebaut hat, rechnet vor, dass Straßen nur 20 Prozent der Zeit befahren werden und die Sonne damit ausreichend lang auf die Panels scheinen kann. Solarstraßen sind aber nicht unumstritten: Sie sind deutlich teurer als herkömmliche Solaranlagen. Nach Angaben des französischen Interessenverbandes für Erneuerbare Energien (SER) ist aus Solarstraßen gewonnener Strom derzeit rund 13 Mal teurer als Strom aus herkömmlichen Solaranlagen.

„Praxisbeweis“ steht noch aus

Außerdem sind die Zellen flach auf dem Boden angebracht und nicht schräg, wie es auf Hausdächern möglich ist. Sie produzieren deswegen weniger Strom. Kritiker bemängeln zudem, in Frankreich gebe es ausreichend freie Flächen auf den Dächern von Häusern, öffentlichen Gebäuden und Industrieanlagen – die teureren Solarstraßen seien deswegen gar nicht nötig. Unter Beweis stellen müssen die Solarpanels außerdem noch, wie stabil sie im Alltag sind.

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  • Philipp

    Interessanter Ansatz, wobei ich glaube, dass es eine zu teure Sackgasse ist. Meiner Meinung nach sollte man sich darauf konzentrieren herkömmliche Photovoltaikmodule kostengünstiger zu gestalten, sodass eine taugliche Amortisation auch ohne Fördergelder möglich wird.
    Zur Idee von Gerald Frey. In der Steiermark gibt es auf der Südautobahn im Bereich Gleisdorf schon einige Jahre eine Solar-Lärmschutzwand. Leider brachte bzw. bringt sie nach meinem Wissen nicht den erhofften Ertrag. Grund hierfür sind ständige Verschmutzung und viele Schäden durch Steinschläge.

  • Gerald Frey

    Wie wäre es die Lärmschutzwände dafür zu nutzen?

  • Marcus

    Ich fühle mich unweigerlich an die Erfindung der „Solartaschenlampe“ erinnert, wenn der erzeugt Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde verwendet werden soll …
    Spaß beiseite: Ich muss dem Vor-Schreiber recht geben: Kann man gerne probieren. Ich könnte mir vorstellen, dass zum einen der Bremsweg auf so einem Straßenstück schlechter sein könnte; zum anderen wird nach einiger Zeit die zunächst relativ durchsichtige Oberfläche an Lichtdurchlässigkeit verlieren (Kratzer, Schmutz).

  • ChV

    Man muß ja nicht gleich, weil bei allen „alternativen“ Techniken das als DIE Lösung sehen, darf aber auch nicht nur über die möglichen Probleme jammern. Interessanter Ansatz, muß ausprobiert werden, dazu macht man es ja. Würde man es nicht probieren, käme man nie drauf, ob es funktioniert oder nicht.

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