Der Autotrend in China zeigt klar in eine Richtung

Das Wachstum des chinesischen Automarkts hatte schon beängstigte Züge angenommen, scheint aber derzeit ins Stocken zu geraten. Ein Trend zeichnet sich derzeit klar ab.

17.04.2015 Press Inform

Lange Jahre war der chinesische Automarkt ein reiner Limousinenmarkt. Doch langsam bekommen die Chinesen jede Menge Lust auf Crossover, SUV und Geländewagen. Lag deren Anteil 2010 noch unter zehn Prozent, so ist aktuell jedes vierte Neufahrzeug eines aus dem SUV-Segment. Dieser Trend wird sich bis Ende des Jahrzehnts fortsetzen – auch wenn die Kurve abflacht. „Die Verkäufe von lokal in China produzierten SUV sind im ersten Quartal 2015 um fast 50 Prozent gestiegen“, erklärt IHS-Autoanalyst Henner Lehne, „Autohersteller bringen immer mehr dieser Produkte ins Land um Marktanteile und Verkäufe nach oben zu treiben.“ Kein Wunder, dass auf der Shanghai Autoshow die SUV – besonders aus den höheren Segmenten – eine zentrale Rolle spielen werden. Nach wie vor stehen jedoch auch Limousinen hoch im Kurs; gerade, wenn diese aus dem Ausland kommen. Unter den Top zehn der meistverkauften Sedans im März 2015 ist kein chinesischer Hersteller zu finden. Erst Geely folgt mit dem Emgrand 7 mit 20.621 Verkäufen. Ganz oben hat VW zusammen mit seinen chinesischen Joint-Venture-Partnern das Heft in der Hand: Vorne steht der VW Lavida Sedan mit 36.959 Verkäufen vor dem Santana (31.686) und dem Jetta (28.518). Bei den SUVs sieht es ganz anders aus: Da bevorzugen die Kunden einheimische Marken, vor allem Haval-Fahrzeuge vom Hersteller Great Wall. Die Nummer eins ist der Haval H6 (31.446) gefolgt vom JAC Refine S3 (17.329) und dem Haval H2 (15.975).

Europäisierung des Autodesigns

„Die Zeiten der zweistelligen Zuwächse ist vorbei. Wir erwarten Zuwachsraten für China von 7,0 bzw. 6,4 Prozent für die Jahre 2015 / 2016“, ergänzt IHS-Analyst Henner Lehne, „konservativ gerechnet gehen wir für den chinesischen Markt mittelfristig ab 2018 von einem Wachstum von rund drei Prozent aus.“ Zuletzt mussten die einheimischen Marken einige Verkaufsrückschläge einstecken und sich jetzt wieder erholen. Das soll nicht zuletzt durch moderne, weltweite Massentechnologien, verbesserte Qualität und ein zunehmend europäisches Design gelingen. Die europäischen Marken selbst – und hier speziell die Premiummarken – erfreuen sich im Reich der Mitte einer stetig steigenden Popularität. Konnten sich die exklusiven Modelle von Audi, BMW, Mercedes, Jaguar oder Porsche bisher nur die Oberschicht erlauben, werden die Modelle immer mehr auch für die breiter werdende Mittelschicht interessant. Kein Wunder, dass der Anteil der Premiumfahrzeuge von gerade einmal 6,3 Prozent im Jahre 2010 auf mittlerweile knapp zehn Prozent gestiegen ist. Dieser Trend soll sich abgeschwächt in den nächsten Jahren fortsetzen.

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© Bild: Werk

Schlechte Exportzahlen

Die Exporte aus dem Reich der Mitte sind im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 897.000 Autos zurückgegangen. Am schlechtesten abgeschnitten haben die Limousinen, die um 12,5 Prozent auf 371.000 Einheiten zurückgingen. Dass die allradgetriebenen SUVs um fast 71 Prozent auf 5.000 Stück anstiegen, ist trotz des vergleichsweise hohen Durchschnittspreises von 15,863.90 US-Dollar pro Fahrzeug nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Größter Abnehmer ist mit 109.000 Fahrzeugen vor der ASEAN-Region mit 83.000 Modellen, gefolgt von Algerien mit 82.000 Einheiten. Bleibt abzuwarten, welche Impulse die Shanghai Autoshow in diesem Jahr geben wird.

Chinas Problem mit der Umwelt

Ein großes Problem bleiben die zunehmenden Restriktionen der Megastädte bei der Zulassung von Neufahrzeugen. Eine Metropole wie Shanghai vergibt aktuell gerade einmal 9.000 Kennzeichen pro Monat, einige Distrikte haben mittlerweile eine Lotterie für die Vergabe der Nummernschilder eingeführt. Viele Autos kosten beinahe so viel wie ein Kennzeichen; je nach Distrikt bis zu 8.000 RMB; das sind über 10.000 Euro. Das Kennzeichen selbst gilt dann auf Lebenszeit; jedoch darf der Chinese nur alle drei Jahre ein Auto anmelden. Viele Chinesen entscheiden sich daher für die zulassungsfreien Elektroroller. Mehr denn je nach einer gigantischen Razzia, die im vergangen Juli auf den Straßen der großen Städte durchgeführt wurde und tausende von normalen Rollern ohne Kennzeichen aus dem Verkehr gezogen wurden. „Die Zahl der chinesischen Großstädte mit Restriktionen bei der Zulassungszahlen wird zunehmen, weil die Regierung Druck wegen der großen Luftverschmutzung macht“, blickt Henner Lehne auf die aktuelle Situation, „2014 haben acht Städte die chinesischen Vorgaben zur Luftreinhaltung eingehalten. 2013 waren es gerade einmal drei.“

Alternative Antriebsformen als Lösung?

Mehr Kunden denn je werden sich daher für Elektromobile und besonders Plug-In-Hybriden entscheiden, die auf der Shanghai Autoshow ebenfalls im Rampenlicht stehen und sich weniger strengen Zulassungsrichtlinien erfreuen, wenn ihre rein elektrische Reichweite oberhalb der 50-Kilometer-Marke liegt. Darunter fallen unter anderem die GTE-Versionen von VW Passat und Golf, sowie die Weltpremieren Audi A6 L e-tron oder Audi Q7 e-tron. Insbesondere BMW und Mercedes müssen mit Modellen dem X5 xDrive 40e, dem C 350e oder S 500e noch nacharbeiten. Diese müssen mit einem Elektropotenzial von knapp über 30 Kilometern nach wie vor zum Kennzeichenbingo.

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