Hier ist er immer noch daheim: im Großstadtdschungel.
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Sexy? – der neue Smart Fortwo

Als bekennender Smart-Fahrer (nur die Urversion, eh klar!) wage ich den Selbstversuch mit der neuen, alles besser machenden, Version. Ein Kommentar.

27.11.2014 asphaltfrage

Smart is the new sexy. Eine wirklich gute spotify-Playlist, vor allem, wenn man sich gerne treiben lässt. Durch den Stau am Feierabend beispielsweise.

The xx, alt-J, Jose Gonzalez. Ein Traum gedankenverlorenen Dahinplätscherns. Musik um das Eigentliche zu vergessen. Und deshalb der ideale Soundtrack für den Smart. Weil Smartfahrer Menschen sind, denen das Fahren an sich nicht wirklich am Herzen liegt.

Es geht um andere Dinge: ankommen, parken, flink sein, Effizienz.

Nasenbär. Dem Fußgängerschutz hilft's. Der Optik nicht unbedingt.

Da stört dann weder das automatisierte Getriebe, noch die überforderte Federung oder die im Trüben fischende Lenkung. Weil: wenn Du Dich darauf eingestellt hast, dann feuert die runde Kugel mächtig durch den Verkehr. Alle Lücken werden getroffen, die Schaltpausen genutzt, um dem Fahrwerk Ruhe für den nächsten Spurwechsel zu gönnen. Fröhlich, wirklich. Zwar überfährst Du den Kleinen ständig, aber es macht tüchtig Spaß!

Und nun? Das Rezept des Neuen lässt frohlocken. Es bleibt beim Heckmotor mit dementsprechendem Antrieb. Doch: eine manuell geschaltete Fünfgangbox. Halleluja? Nuja. Dem NEFZ sei Dank ist das Getriebe derart ellenlang übersetzt, dass es jede Spritzigkeit im Keim erstickt. Wirklich, es geht nix.

Da rutschst Du performant von der Kupplung, wringst die Eins bis zum bitteren Ende aus, reißt die Zweite ohne Rücksicht auf Verluste in den Kraftschluss und: määäh. Zwar hechelt der Dreiender im Heck heiser und willig, aber er kommt einfach nicht in die Gänge. Die Elastizität ist gerade im innerstädtischen Positionskampf verheerend. Dabei ist es egal, ob Du den 1.0 Liter Sauger mit 71PS oder den 0.9 Liter Turbo mit 90PS ausfasst. Sicher, die 135Nm des Aufgeladenen sind spritziger, aber irgendwie müssen sich neunzig (!) Pferde in einem Auto dieser Größe mächtiger anfühlen.

Smart fortwo: Innerstädtisch noch immer eine Waffe. Obwohl sich die 90PS gut verstecken.

Wenderkreis. Unter sieben Meter! Rekord. Und spaßig im echten Leben.

Immerhin, der Komfort passt zu dieser zurückhaltenden Performance. Denn es ist wirklich angenehm im neuen Smart. Die Vorderachse ist von der alten C-Klasse entliehen, hinten kümmert sich eine teure DeDion-Lösung um Traktion. Dazu die um gut zehn Zentimeter gewachsene Spurbreite. So macht das auch auf schlechter Wegstrecke Spaß, die Hoppelei vergangener Tage: vergessen.

Auch in Sachen Infotainment ist die Welt in Ordnung. Eine vernünftige TomTom-Navilösung gibt es für den, der viel Geld ausgeben mag. Sinnvoller erscheint die Smartphone-Halterung, die das Handy in die Mittelkonsole integriert. Navi, Musik und alles andere steuert dann eine kostenlose Smart-App. Funktioniert prima, ist günstig und vor allem zukunftssicher.

Die Verarbeitung: naja. Die enge Verwandschaft zum Renault Twingo lässt sich nicht leugnen. An sich ist das nicht verwerflich, aber für einen Daimler, der der Smart eben ist, erwartet man besseres.

Obwohl, meckern sollten wir nicht zuviel. Erstaunlich genug, dass man in Stuttgart das Projekt Smart nicht schon lange zu Grabe getragen hat. Denn: es waren schon immer zu wenig Smartfahrer. Eine überschaubare Elite, die viel Geld für sehr wenig Auto ausgeben mochte. Mit dem Neuen wird ein neuer, größerer Kundenkreis angesprochen. Dementsprechend höhere Verkaufszahlen wären wünschenswert. Denn in Kombination mit den durch die Kooperation mit Renault gesunkenen Entwicklungskosten könnte die kommende Generation dann wieder richtig sexy werden. Der neue Smart ist es leider nicht.

Neu und alt. Damals irgendwie pfiffig, heute irgendwie Mainstream.

Neu und alt. Ein Schelm, wer an Kardashian denkt.

Der Preis des Smart Fortwo 2015 in Österreich

Auf den ersten Blick ist der neue Smart Fortwo mit mindestens 12.191,68 Euro für den 71-PS-Einsteiger und 12.991,68 Euro für die 90-PS-Version nicht teurer als sein Vorgänger.

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