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Me, so selfie: Peugeot 308 1.6 e-HDi

Peugeot ist wieder zurück bei sich selbst und beim Kunden. Eine Bestandsaufnahme mit dem Peugeot 308 1.6 l e-HDi.

24.07.2014 Online Redaktion

Sein größter Gegner ist die Zeit. Peugeot hat sein bestes Auto, den 308, in eine der größten Krisen der Autowirtschaft geworfen. Dass der 308 dennoch für zusätzliche Schichten im Werk Sochaux sorgt, ist der Revolution dieses Wagens zu verdanken. Da steht er nun, der neue 308, macht keine Fehler, dafür aber vieles besser als die Konkurrenz.

Angefangen beim Design. Deutsch soll er sein, sagen viele. Was schlichtweg falsch ist. Er steht unprätentiös da, aber nicht verwechselbar, elegant, aber nicht kühl, massenkompatibel, aber nicht anbiedernd. Nein, das ist kein deutsches Design. Es ist schlichtweg der französische Blick auf unsere Zeit.

Peugeot 308 – die Designrevolution

Das war nicht immer so. Der Vorgänger, der auch 308 heißt, was beweist, wie verwirrt der Hersteller selbst bei seiner Namensgebung schon ist, bog irgendwie Richtung Minivan ab und wirkte wamstig. Peugeot hat die Kritik verstanden und schrumpfte den Nachfolger in Länge, Breite und Höhe – jetzt ist er, was die nackten Daten angeht, auf dem Niveau seiner direkten Konkurrenten VW Golf und Opel Astra.

Obwohl er einiges besser macht. Die Ingenieure sparten 140 Kilogramm ein, was den 308 leichter macht als besagte Konkurrenz. Die Heckklappe ist aus einem Verbundwerkstoff (minus drei Kilo) und für die Karosserie wurde mehr Aluminium verwendet. Trotz der geringeren Ausmaße gibt es einen Benchmark-Kofferraum. 470 bis 1309 Liter bedeuten, dass Golf (380-1270) und Astra (370-1235) das Nachsehen haben.

Zaubern können aber freilich auch die Franzosen nicht. Zwar gibt es Platz für vier große Personen, was längst nicht Standard ist, die Kniefreiheit muss aber diplomatisch ausverhandelt werden.

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Der Innenraum des neuen Peugeot 308

Innenraum, gutes Stichwort. Hier schlägt die neue Eleganz des 308 voll durch. Die Designer haben sämtliche Knöpfe und Funktionen in einem Touchscreen verstaut. Das sieht revolutionär aus und ist der Startschuss für den neuen Innenraumtrend. Renault verfolgt ein ähnliches Konzept und Mercedes hat es mit der C-Klasse schon eine Klasse weiter oben lanciert.

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Das Problem der Bedienung löst Peugeot im Browser-Stil – ein Hauptfenster ist offen, oben sind die Tabs zu sehen, zu denen gewechselt werden kann. Weil das Display weiter oben liegt als bei manchem Konkurrenten lenkt die Bedienung auch nicht übermäßig vom Verkehr ab. Dennoch: bitte, bitte, bitte liebe Kunden, macht euch mit der Bedienung stehend auf einem Parkplatz vertraut, nicht fahrend im Stadtverkehr.

Peugeot hat das Lenkrad extrem klein gehalten. Das ist weder schlecht, noch gut, das ist einfach Geschmackssache. Toll ist aber, dass die Instrumente so voll eingesehen werden können. Verdecken die Kränze anderer Lenkräder bei manchen Konkurrenten den ein oder anderen Bereich, blickt der Fahrer hier drüber hinweg.

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So fährt sich der neue Peugeot 308 1.6 l e-HDi

Unser Testwagen war der Blue HDI 120. Nomen est omen mit 120 PS, die aus einem 1,6 Liter Dieselmotor kommen. Beim Blue HDI werden den Abgase folgendermaßen behandelt: Zunächst wandelt ein Oxidationskatalysator Kohlenwasserstoff und Kohlenmonoxid in Wasser und Kohlendioxid um. Anschließend wird eine wässrige Harnstofflösung zugespritzt, wodurch die Stickoxide in Wasser und Stickstoff umgewandelt werden. Schritt ist dann der bekannte Rußpartikelfilter.

Weil das zwar alles furchtbar chemisch und kompliziert klingt, aber jenseits aller Wahrnehmung abläuft sollte sich der Pilot lieber auf die Fahreigenschaften konzentrieren. Der Vierzylinder arbeitet erstaunlich vibrationsarm und das serienmäßige Stopp-Start-System stört zumindest nicht weiter. Überhaupt kriegt man von der Umwelt wenig mit, das Auto ist angenehm gedämmt und ruhig.

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Dank fein abgestimmtem Getriebe lässt sich der Peugeot 308 1.6 l e-HDi im Alltag problemlos bewegen. Sogar mit einem sportlichen Grundrauschen. Denn die ersten drei Gänge sind knackig kurz übersetzt. Die Schaltwege könnten etwas kürzer sein, aber der 308 will kein Sportwagen sein – alles gut also.

Was auch auf das Fahrwerk zutrifft. Hier lässt sich nur auf hohem Niveau jammern. Die Lenkung ist präzise und eine sportliche Grundauslegung spürbar, aber Spurrillen und Bodenwellen könnten etwas konsequenter weggedämpft werden.

Während sich viele Hersteller in der Krise zurück halten, investiert Peugeot und versucht etwas. Ob es gelingen wird, wird die Zeit, der große Gegner, zeigen. Aber für die kriselnde Marke ist der Wagen ein Befreiungsschlag und ein Machtbeweis.

  • peter poslusny

    Schon einige tausend Km gefahren, jeder Tag voller Vorfreude auf die nächste Tour…

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