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Sebring-Sidekick

Bourdais angepisst und ohne Lust auf eine Trophäe, ein Hamburger für 2000 Dollar und ein Rocker als Heinzelmännchen.

22.03.2010 Online Redaktion

Ein Tagebuch aus Sebring ab der 13. Stunde des Rennens.

Den französischen Journalisten des Fernsehsenders France und deren Übersetzungskünsten glauben wir jetzt einfach mal. Ihnen zu Folge war ihr Landsmann und Peugeot-Pilot Sébastien Bourdais (Bild 2) ziemlich angefressen. Angeblich hat sich Bourdais während des 12-Stunden-Rennens einen internen Zweikampf mit Alexander Wurz (Bild 1) geliefert. Es ging um die Rundenzeiten. Wurz war es egal, kein Wunder, der war ja auch permanent schneller. Zwar konnte der Franzose die Bestzeit des ganzen Rennens auf die Piste brennen, aber ganzheitlich betrachtet ging er gegen Alexander regelmäßig unter.

Um die Demütigung perfekt zu machen gewann der zweitplatzierte Peugeot, mit eben jenem Bourdais am Steuer,  die so genannte „Green Challenge“. Diese Trophäe bekommt, wer den besten Verbrauchswert hinlegt – gefahrene Kilometer werden gegen verbrauchte Liter gerechnet. Bei der Preisverleihung gegen etwas 24 Uhr weigerte sich Bourdais jedoch aufs Podium zu gehen. Wahrscheinlich befürchtete er Repressalien von seinen Stammtischkollegen, denen er zwar keinen Sebring-Titel und keinen panierten Wurz, dafür aber eine Öko-Medaille vorbei bringen kann. Erst scharfe Worte des Teamchefs: „Du arbeitest für uns und gehst da jetzt hoch.“ Ließen Bourdais die Fassung wieder gewinnen.

Trophäen letztlich doch vergeben, Siegerbier getrunken, Teamzelt mittlerweile verwaist. Allein zurück im Peugeot-Zelt blieben ich und Rick Downey (Bild 3). Rick ist mit seiner Firma PPP Services für das Motorsport-Hospitality zuständig. Er sorgt dafür, dass Anthony Davidson, Alexander Wurz, Marc Gené und co. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bekommen, zwischendrin der Kaffee frisch ist und überhaupt alles reibungslos abläuft. Auch geladene Gäste und Journalisten dürfen nicht zu kurz kommen. Sein Tag beginnt um 5 Uhr morgens mit den Vorbereitungen und endet gegen 23 Uhr, wenn das Zelt leer und sauber ist. Am finalen Renntag geht es erst gegen halb vier ins Bett. Der Wecker klingelt dann aber trotzdem um fünf.

Rick kam zu diesem Job, wie die Jungfrau zum Kinde. In den 1980er Jahren war er noch Schlagzeuger. Er spielte von 1981 bis 1984 in der Blue Öyster Cult Band. Eigene Zielsetzung war es zu Beginn in den 70ern die amerikanische Antwort auf Black Sabbath zu sein. Das ging, im Nachhinein betrachtet, zwar in die Hose, aber Rick ersetzte Albert Bouchard, den Original-Drummer.

In der Folge ging es auf einige Touren, vor allem in Europa. Weil die Band aber nicht so erfolgreich wurde, wie man sich das vorgestellt hatte, ging Rick einem bodenständigeren Beruf nach. Erst Tourmanager für Anthrax, dann Licht-Ingenieur für Living Colour, später mit den Rolling Stones auf Tour. Welche Rolle er bei den Altrockern innehatte, erzählte er nicht.

Jetzt also Motorsport-Hospitality. Hauptsächlich Dragster-Racing. Ob er nach  LeMans kommt, konnte er noch nicht sagen, dass hänge von Peugeot ab. Wir würden uns über ein Wiedersehen aber freuen.

Stichwort Hospitality. Kein Rennen, ohne Fresstempel. Die unzähligen Burger- (Bild 4), Hot-Dog-, Eis- und Sonstwas-Stände bezahlen eine Grundgebühr von 2000 Dollar. Außerdem werden 25 Prozent vom Umsatz fällig und Getränke dürfen nur verkauft werden, wenn Coca-Cola, einer der großen Sponsoren, draufsteht. Das ist einerseits ärgerlich, weil der Publikumsschwund spürbar an den Einnahmen knabbert und andererseits in dieser Größenordnung einem Amerikaner nicht verständlich zu machen. In den USA bekommen die Sportler Siegprämien. Holt irgendwer einen Sieg in der NASCAR-Serie, zahlt ihm die Rennstrecke eine nicht unbeachtliche Prämie. Gewinnt Tiger Woods wieder mal auf irgendeinem Green, bekommt er vom Betreiber Geld. Nicht so in Sebring. Die Fahrer werden ausschließlich vom jeweiligen Herstelle bezahlt. Für einen Europäer nichts besonderes, der Amerikaner wittert, nicht zu Unrecht, Abzocke. Eine Eintrittskarte für das Sebring-Spektakel (siehe Heft 4/2010, ab 26.03. im Handel) kostet übrigens 100 Dollar.

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