Seat Alhambra dyn VoRe
Hallo Vau-Weh!?
 

Vorstellung: Seat Alhambra

Der Sharan mit Seat-Emblem kommt mit mehr Länge und mehr Talenten.

02.11.2010 Autorevue Magazin

Natürlich war das Erscheinen eines Seat Alhambra auf Basis des neuen VW Sharan absehbar wie die dafür nötigen Änderungen an der Karosserie, und auf die Frage nach weiteren Unterscheidungsmerkmalen nennen die Seat-Techniker den Preis. Der Alhambra liegt rund zwei Tausender unter der gleich motorisierten VW-Version, damit der Vergleich aber nicht ganz so plakativ am Ende der Rechnung steht, sind die Ausstattungsdetails nicht absolut deckungsgleich.

Kurzfassung: Der Alhambra ist ein bisserl günstiger und schaut mehr den anderen Seats ähnlich, vor allem an der Front. Dass auch die Heckleuchten dezent anders sind, fällt erst auf, wenn beide Autos nebeneinander parken, und freilich verfügen beide über Schiebe­türen im Fond, auf die der Vorgänger fahrlässig verzichtet hat.

Der neue Alhambra ist 22 cm länger und 9 cm breiter als der bisherige, aber das Wachstum der Kundenwünsche ist nicht nur per Maßband zu fassen. Also war auch innere Verdichtung angesagt, sinnvolles Bündeln der Talente zu neuer Dienstbarkeit. Die des Chiropraktikers darf dafür künftig ungenutzt bleiben, weil die Sitze fortan nicht mehr ausbaubar sind. Im Gegenzug machen sie sich in der zweiten Reihe beim Umlegen der ­Lehne niedriger, womit nur eine kleine Stufe im Lade­boden bleibt. Die dritte Reihe verschwindet eben, die Bedienbarkeit zeugt von feiner Detailarbeit: Rätsel sind in ­Reihe zwei und drei nicht zu lösen, alles flutscht selbsterklärend und ohne Kraftaufwand, dann stehen 2430 Liter zur ­Befüllung frei. Wer mehr braucht, wird nicht bei der Konkurrenz suchen, sondern bei den Lieferwägen. Wer sieben Sitze braucht, findet perfekten Zutritt zur dritten Reihe, nur größere Erwachsene werden nach dem Hinsetzen mit Frisur oder Knie scheuern.

Beim Fahren ist der Alhambra ein Pkw mit Übersicht, das Gesamtpaket ist stimmig und rund, solide, leise. Wir fuhren den TDI mit 140 PS, der in ­Österreich die absolute Mehrheit im Modellmix stellen wird, und zwar mit Recht: geschmeidige Beschleunigung ohne Anstrengung, besonders mit DSG, das sich den steten Kraftfluss mit 2.600 Euro Aufpreis bezahlen lässt. Der Motor selbst ist bis zur Unkenntlichkeit gedämmt, übrig bleibt die freudige Kraftentfaltung, die den 170-PS-TDI für die meisten Fahrer obsolet macht. Ein Minderheitenprogramm wird der 1,4-l-TSI bleiben, Down­sizing at it’s best: Mittels Kompressor wird der Motor bei ­geringen Drehzahlen beatmet, später übernimmt ein Turbo­lader, die 150 PS fühlen sich nach mehr an. In einem dieselfreudigen Land wird er unterbewertet bleiben, leider.

Die Start-Stopp-Automatik, bei allen Alhambras Serie, funktioniert übrigens auch mit DSG, als wäre sie schon immer da gewesen: So schnell kann niemand den Fuß aufs Nachbarpedal wuchten, dass er ­dabei den Starter bloßstellt. Wesentlich langsamer sind die elektrischen Türöffner für Fond und Heckklappe, die ­genug Zeit freischlagen für die Überlegung, ob man die 1.060 Euro Aufpreis nicht anders hätte investieren sollen.

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